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Mehr Wertschätzung gefordert

„Nachdem ich bei der Bürgermeisterversammlung im September über das Strategiepapier informiert habe, sind jetzt die Kommandanten gefordert, in ihren Kommunen auf Bürgermeister und Gemeinderat zuzugehen“, erzählt der Hessigheimer Klaus Haug im Gespräch mit unserer Zeitung.

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Die Feuerwehr gehört zu den Pflichtaufgaben der Kommunen. Das Ehrenamt soll nun attraktiver gestaltet werden. Foto: Archivfoto: Patrick Seeger/dpa
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Ludwigsburg. Sein Ziel sei, das Strategiepapier des Landesfeuerwehrverbandes in allen Gemeinden und Städten des Landkreises umzusetzen. „Es geht dabei in erster Linie um die Wertschätzung derjenigen, die bereits dabei sind. Man muss auch mal ‚Danke‘ sagen“, erklärt Haug das zentrale Anliegen des Strategiepapiers. Das Ehrenamt müsse attraktiv gestaltet werden, schließlich sei die Feuerwehr eine Pflichtaufgabe der Kommune. Momentan gebe es zwar keine Personalprobleme, was vor allem den Jugendfeuerwehren zu verdanken sei. „Doch wir müssen auch an die Zukunft denken“, betont Haug.

Eine Kommune könne ihren ehrenamtlichen Feuerwehrleuten zum Beispiel Bildungsgutscheine für die Volkshochschule oder Gutscheine fürs Freibad oder einen Sportverein zukommen lassen. Auch einen von der Gemeinde finanzierten Ausflug für die Feuerwehrleute nennt Haug als mögliches Beispiel, um den Floriansjüngern zu zeigen: „Eure Einsatzbereitschaft rund um die Uhr wird bei uns wertgeschätzt.“ Auch empfiehlt er gemäß dem Strategiepapier, Jugendbetreuern, die den Feuerwehrnachwuchs auf Freizeiten begleiten, eine Aufwandsentschädigung zu zahlen. Zudem sei es wichtig, Betriebe zu bewegen, mehr Feuerwehrleute einzustellen. Was heutzutage eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich die komplette Kostenübernahme des Führerscheins zum Fahren eines Einsatzwagens, sei leider in diversen Kommunen noch nicht verwirklicht, bedauert Klaus Haug. „Die Regelung, dass die Feuerwehrleute einen Teil der Kosten selbst übernehmen müssen, stammt aus der Zeit, als die Fahrerlaubnis öfters auch außerhalb des Ehrenamts genutzt wurde“, erklärt Haug. Doch heutzutage benötigten die wenigsten Maschinisten diesen Führerschein auch außerhalb des Ehrenamts, deshalb wolle sich auch niemand mehr diese finanzielle Belastung aufhalsen.

In Hessigheim, wo Klaus Haug Kommandant ist, hat der Gemeinderat jetzt beschlossen, künftig die kompletten Kosten für den Erwerb der Fahrerlaubnis zu übernehmen, statt wie bislang nur zwei Drittel (wir berichteten). Überhaupt ist es dem Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes wichtig, dass seine Gemeinde in Sachen Strategiepapier eine Vorbildfunktion übernimmt. So wird eine Arbeitsgruppe aus Gemeinderat, Verwaltung und Feuerwehr gebildet, die Möglichkeiten erarbeiten soll, die Mitgliedschaft in der Feuerwehr attraktiv zu halten.

Das bedeutet freilich nicht, dass alle Vorschläge des Positionspapiers verwirklicht werden können. Das erklären auch die Bürgermeister in verschiedenen Kreiskommunen. „Inhaltlich stehe ich voll und ganz hinter dem Strategiepapier. Doch man muss schauen, was im Ort umsetzbar ist“, sagt Bürgermeister Albrecht Dautel aus Walheim. „Wir können in unserer Gemeinde Feuerwehrleuten keine Vergünstigungen bei Bauplatzkäufen gewährleisten. Auch Freikarten fürs Freibad sind nicht realistisch, schon deshalb, weil wir in Walheim gar kein Freibad haben.“ Wichtig sei ihm eine adäquate Ausstattung der Feuerwehr. Das neue Feuerwehrhaus sei von den Floriansjüngern bezogen, die Einsatzkleidung auf modernem Stand. Doch neue Ausgeh-Uniformen anzuschaffen, sieht Dautel nicht als zwingend notwendig. „Ich finde es wichtiger, das Geld in Funktionskleidung zu investieren als in neue Uniformen, die selten angezogen werden“, sagt der Schultes.

Dirk Schaible, Bürgermeister von Freiberg, sagt, dass das Ehrenamt Feuerwehr in Freiberg schon jetzt gewürdigt werde, zum Beispiel durch Ehrungen. Die Ausstattung sei ebenfalls gut. Vergünstigungen für Feuerwehrleute bei Grundstückskäufen schließt Schaible genauso aus wie sein Walheimer Amtskollege. Bei den momentanen hohen finanziellen Belastungen der Stadt Freiberg sieht Schaible auch wenig Spielraum für die Bewilligung von Gutscheinen. Letztendlich obliege dies aber den Entscheidungen des Gemeinderats.