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Meilenstein mal wieder vor Augen

In Markgröningen scheint den Anhängern der Stadtbahn, die Geduld auszugehen. Der Landkreis kündigt unterdessen einen konkreten Reaktivierungszeitplan für Ende Mai oder Anfang Juni an.

Bahnhof in Markgröningen: Ende des Monats könnte sich laut Landratsamt entscheiden, wann hier Züge in Richtung Möglingen und Ludwigsburg abfahren werden. Archivfoto: Alfred Drossel
Bahnhof in Markgröningen: Ende des Monats könnte sich laut Landratsamt entscheiden, wann hier Züge in Richtung Möglingen und Ludwigsburg abfahren werden. Foto: Alfred Drossel

Markgröningen. Am Ende der rund anderthalbstündigen Debatte versuchte der Kreisdezernent Heiner Pfrommer im Markgröninger Gemeinderat, das Gute herauszufiltern. „Ich nehme eine positive Grundhaltung gegenüber der Stadtbahn wahr“, sagte Pfrommer am Dienstagabend. Tatsächlich steht die Markgröninger Kommunalpolitik geschlossen hinter einer Bahnverbindung aus ihrer Stadt über Möglingen in Richtung Ludwigsburg. Das Problem ist: Ihr geht das Projekt viel zu langsam voran.

Als Erster schlüpfte der Markgröninger SPD-Fraktionschef Pedro Fernandes in die Rolle des Bruddlers. „Seit Jahren diskutieren wir intensiv über die Reaktivierung der Markgröninger Bahn. Doch sichtbar ist noch nichts geworden.“ Ihm folgten der GAL-Ratsherr Arndt Zwicker, der es als frustrierend empfindet, dass „wir immer wieder vertröstet werden“, und die CDU-Stadträtin Claudia Thannheimer, die moniert: „Der Funke springt nicht über.“ Der Liberale Joachim Blank macht gar „eine gefährliche Situation“ in der Stadt aus. „Wir haben viel Kredit verspielt.“

Dennoch bleibt das Interesse bei den Markgröningern an dem Projekt nach Überzeugung der Freien Wähler hoch – allerdings wollen sie wissen, wann auf den teilweise freigelegten Gleisen endlich wieder Züge fahren können. Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) hält es für möglich, die Trasse schon 2023 in Betrieb zu nehmen (wir berichteten). Der Landkreis ging bisher eher von 2025 aus. Die Wiederbelebung der stillgelegten Trasse soll bekanntlich nur der Anfang sein. Ab Ludwigsburg sind weitere Äste Richtung Pattonville, Oßweil und Schlösslesfeld fest eingespeist.

Klarheit könnte es bereits Ende des Monats geben, dann kündigt der Dezernent Pfrommer einen Zeitplan für die Fortführung des Vorhabens an, der im Landkreis als „Meilensteinplanung“ firmiert. „Wir sind in der Endabstimmung“, so der Spitzenbeamte am Dienstagabend in Markgröningen. Möglicherweise könne es aber auch Anfang Juni werden. Bereits in der kommenden Woche soll ein Geschäftsführer für den gemeinsamen Zweckverband eingesetzt werden, in dem sich der Landkreis und die Anrainer Markgröningen, Möglingen, Ludwigsburg, Kornwestheim und Remseck zusammengeschlossen haben. Dazu kommt die Gemeinde Schwieberdingen, die mit Bosch an die Stadtbahn angebunden werden soll.

Nicht stehenlassen will Pfrommer den Vorwurf, dass in den vergangenen zwei Jahren Stillstand bei der Realisierung des rund 250 Millionen Euro teuren Projekts geherrscht habe – im Gegenteil. „Wir sind so weit vorangekommen wie lange nicht“, so der Kreisdezernent. Als Beispiel nennt er neben der Gründung des Zweckverbands auch die jetzt bevorstehende langfristige Pacht der Markgröninger Bahn von der DB. Ausverhandelt sind mindestens 20 Jahre. In die Karten spielt den Partnern, dass Bund und Land hohe Fördersummen in Aussicht stellen. „Es handelt sich dennoch um ein komplexes Projekt, bei dem unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen waren und zu bringen sind.“

Wo die Bremser saßen, ist für den Markgröninger Bürgermeister Kürner klar: bei der Stadt Ludwigsburg. „Bis vor zwei Jahren war es extrem schwierig, mit der Stadt voranzukommen“, sagte Kürner am Dienstagabend – bis der damalige Schultes Werner Spec abgewählt wurde. „Der frühere OB war ständig anderer Auffassung und der Überzeugung, dass seine die richtige sei.“ Besonders mit Altlandrat Rainer Haas lag Spec über Kreuz. Weil der Ludwigsburger in seiner Stadt lieber Schnellbusse durchsetzen wollte. Der Markgröninger Kürner: „Seit dem Wechsel ist es ein ganz anderes Arbeiten.“

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