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Methodistische Solidarität im Dauerregen

Bei nasskalter Witterung machen sich die Teilnehmer des Benefizlaufs auf die Strecke, um mit jedem gelaufenen Kilometer Geld für den guten Zweck zu sammeln. Am Gotteshaus der evangelisch-methodistischen Kirche geht der Rundkurs los. Foto: Holm Wolsch
Bei nasskalter Witterung machen sich die Teilnehmer des Benefizlaufs auf die Strecke, um mit jedem gelaufenen Kilometer Geld für den guten Zweck zu sammeln. Am Gotteshaus der evangelisch-methodistischen Kirche geht der Rundkurs los. Foto: Holm Wolsch
Benefizlauf „Marbacher Meile“ trifft auf rege Resonanz – Spenden für Sierra Leone und die Tafel – Aufklärung junger Frauen über Verhütung.

Marbach. Die Teilnehmer der „Marbacher Meile“ waren nicht gerade zu beneiden. Sie schnürten am Samstagvormittag ihre Laufschuhe, um bei dem Benefizlauf möglichst viele Runden zu drehen. Doch dann wurden die Sportler schon bei ihrem Start am Gotteshaus der evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) Marbach in der Scharfgartenstraße nass. Anschließend führet der etwa ein Kilometer lange Rundkurs vorbei an den Literaturmuseen und über die Schillerhöhe zurück zur Erlöserkirche. Dort konnten sich die Läufer nach der körperlichen Anstrengung aufwärmen, ihren Zuckerhaushalt bei Kaffee und Kuchen aufbessern oder sich mit einer roten Wurst stärken.

80 Freiwillige zur Mittagszeit

Trotz der alles andere als optimalen Ausgangsbedingungen stieß die Veranstaltung auf rege Resonanz. Laufexperte Achim Seiter, selbst Mitglied der evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde und im Organisationsteam der „Marbach Meile“ aktiv, schätzte in der Mittagszeit, dass etwa 80 Freiwillige am Start waren. Sie haben sich im Vorfeld Sponsoren gesucht oder selbst eine frei wählbare Summe pro Runde gespendet.

Auch Matthias Kapp drehte unverdrossen seine Runden. „Ich habe ordentlich Sponsorenmittel eingesammelt und will 20 Kilometer schaffen“, erzählte der Gemeindepastor, als er sich nach der zehnten Schleife eine kurze Auszeit gönnte. Laut Kapp sind bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Spendenlauf in der Vergangenheit beeindruckende Summen zusammengekommen, in Spitzenzeiten seien es bis zu 20000 Euro gewesen. „Mit ein bisschen Glück werden es heute noch hundert Läufer“, hoffte er.

Derzeit finden viele Benefizveranstaltungen zugunsten der Ukraine statt. Die Marbacher Methodisten haben sich bewusst dazu entschieden, in diesem Jahr ein Hilfsprojekt der EmK-Weltmission im westafrikanischen Sierra Leone zu unterstützen, zumal die Gemeinde bereits am Vorabend bei einem Konzert des Marbacher Musikers B. Free für die Ukraine gesammelt hat.

Der Krieg in der Ukraine habe dazu geführt, dass die Hilfe für andere Krisenregionen in aller Welt ein wenig aus dem Blickfeld geraten sei, meinte Organisator Seiter.

Ein Euro pro Runde für die Tafel

Die Gemeinde arbeitet bei der „Marbacher Meile“ stets mit der EmK-Weltmission zusammen. „Die haben einfach den besten Überblick darüber, wo gerade Unterstützung benötigt wird“, sagte Seiter und betonte, dass auch Spenden vor Ort ankommen. Denn aus den Verkaufserlösen am Lauftag lege die Kirchengemeinde noch einen Euro pro Runde für die Marbacher Tafel obendrauf. „Die Tafel ist auch auf Geld angewiesen“, sagte Seiter.

Ebenfalls am Start war Frank Aichele, der den in Wuppertal ansässigen deutschen Ableger der EmK-Weltmisson leitet. Er reist regelmäßig nach Sierra Leone, zuletzt vergangenen November. Eine methodistische Missionarin hat in dem sieben Millionen Einwohner zählenden Staat am Zentralatlantik, der zwischen 1991 und 2002 von einem blutigen Bürgerkrieg erschüttert wurde, vor einigen Jahren ein Hilfsprojekt aufgebaut, das zwei von der EmK finanzierte Lehrer weiterführen.

Sexuelle Aufklärung wichtig

„In Sierra Leone gibt es viele Teenager-Schwangerschaften“, berichtete Aichele. Die beiden Lehrer leisteten an den etwa 50 weiterführenden methodistischen Schulen im Land Aufklärungsarbeit. Das sei nicht zuletzt deshalb wichtig, weil Sexualität in kirchlichen Kreisen in Sierra Leone ein Tabuthema sei, erläuterte Aichele. „Das kommt dort einfach zu kurz. Aber wenn eine junge Frau schon im Teenageralter schwanger wird, ist ihr weiteres Leben vorgezeichnet.“

Der EmK-Leiter hat die beiden einheimischen Lehrer während seines jüngsten Besuchs in Westafrika bei ihrer Aufklärungsarbeit beobachtet. „Ich war sehr beeindruckt, sie haben das Projekt sinnvoll weiterentwickelt.“ Nach der Coronakrise sei es noch wichtiger geworden, junge Frauen in Sierra Leone über Verhütung zu informieren. „Die Zahl der Teenagerschwangerschaften ist im Lockdown im ganzen Land in die Höhe geschnellt.“ In einem anderen Punkt dagegen sei Sierra Leone vorbildlich, so Aichele: „Christen und Muslime leben, anders als zum Beispiel in Nigeria, friedlich zusammen.“