Logo

Mieterin streitet seit vier Jahren mit Vonovia

Eine Mieterin aus dem Wohngebiet Kreuzäcker in Bietigheim hat Probleme mit der Firma Vonovia. Archivbild: Alfred Drossel
Eine Mieterin aus dem Wohngebiet Kreuzäcker in Bietigheim hat Probleme mit der Firma Vonovia. Archivbild: Alfred Drossel
In den Kreuzäckern wohnt Anna La Mantia seit dem Jahr 2003. Und sie würde wahrscheinlich auch noch gerne da wohnen, hätte sie nicht seit Jahren Ärger mit der Firma Vonovia — ihrem Vermieter. Das börsennotierte Unternehmen will sie offensichtlich aus der Wohnung haben, mit aberwitzigen Anklagen.

Bietigheim-Bissingen. Man könnte wahrscheinlich über die Geschichte schmunzeln, würde der Streit sich nicht schon über Jahre hinwegziehen und das Wohnungsunternehmen sich nicht hinter rechtlichen Regularien verschanzen. Dabei hat alles ganz unverdächtig angefangen. Seit dem Jahr 2003 wohnt die heute 54-jährige Anna La Mantia in ihrer Wohnung oberhalb von Bietigheim und Bissingen. Sie ist zu 70 Prozent behindert und braucht einen Aufzug, um in die eigenen vier Wände zu kommen.

In den vergangenen Jahrzehnten wechselten immer wieder die Eigentümer. Seit einiger Zeit ist ihre Wohnung im Besitz der Firma Vonovia. Diese hat rund 400000 Wohnungen in Deutschland, Schweden und Österreich. Man könnte glauben, dass bei dieser Größenordnung, eine kleine Wohnung in Bietigheim-Bissingen nicht auffalle. Doch in diesem Punkt hat sich Anna La Mantia schwer getäuscht.

„Am Ende einen Cent bezahlt“

„Sie haben mir vorgeworfen, dass ich ihnen für die Jahre 2012 bis 2018 noch 7800 Euro Miete schulden würde. Ich habe die Sache meiner Anwältin übergeben. Am Ende musste ich einen Cent bezahlen. Mir ist schleicherhaft, wie sich die Sache rechnen soll“, sagt die 54-Jährige.

Ein anderes Mal wurde ihr vorgeworfen, dass sie illegalerweise eine Satellitenschüssel auf ihrem Balkon aufgestellt habe. Die Anschuldigung war zwar richtig, doch im ganzen Haus wurden die Schüsseln auf diese Weise aufgestellt. Die Anklage wurde fallengelassen. Immer wieder wurde ihr mit Kündigung gedroht, doch der Vonovia-Konzern konnte sich bisher nicht durchsetzen.

Seit Ende Dezember liegt eine neue Anklage vor. Das Unternehmen wirft diesmal Anna La Montia vor, für die Zeit von 2018 bis heute zu wenig Miete gezahlt zu haben. „Es ist unglaublich, wie Vonovia hier Druck auf die Mieter ausübt. Und das ohne jegliche Grundlage. Und ich bin mir sicher, wir werden auch dieses Mal gewinnen“, sagt die Anwältin Judith Hüther aus Marbach. Sie kann auch die Häufung der Vorwürfe nicht nachvollziehen, zumal diese das Unternehmen viel Geld kosten würden. Bisher sei lediglich ein Verfahren für Vonovia erfolgreich gewesen. Dabei habe es sich um eine Mieterhöhung gehandelt, die nicht gezahlt worden sei. „Ich habe manchmal den Eindruck, dass ein solches Vorgehen ohne jeglich ökonomische Vernunft passiert“, so die Anwältin.

Für den Mieterbund in Ludwigsburg ist das nichts Neues. Immer wieder mache man die Erfahrung, dass das Unternehmen schnell klagt und ebenso schnell verliert.

Das Unternehmen schweigt

Und die Firma Vonovia mauert. Sie beruft sich auf das laufende Verfahren und will zu den Vorgängen in Bietigheim-Bissingen nichts sagen.

Die Mieterin selbst hat eine ganz andere Vermutung. Sie habe sich noch nie wegen Reparaturkosten gemeldet und ihre Wohnung selbst saniert. Das wolle Vonovia jetzt abkassieren und sie deshalb aus der Wohnung haben. Doch eigentlich ist ihr das auch egal, sie will nur noch aus der Wohnung, doch das ist nicht so einfach. Wegen ihrer Behinderung braucht sie einen entsprechenden Zugang zu einer neuen Wohnung. Und dann wäre da noch das Geld. Bietigheim ist kein billiges Pflaster. Es fällt also sehr schwer, eine neue Unterkunft in der Stadt zu finden. „Das belastet mich alles sehr stark. Ich bin wirklich runter mit den Nerven“, sagt Anna La Montia.