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Neues Wohnen

Minimalisten-Paar testet Mikrohofhaus

Shia und Hanno Su führen ein Leben, in dem sie auf viel verzichten – Derzeit wohnen sie in dem winzigen Gebäude auf der Sternkreuzung

Shia und Hanno Su sind schon lange ein Paar und haben auch schon oft in kleinen Wohnungen zusammengelebt. Ihr Leben im Mikrohofhaus dokumentieren sie. Fotos: Holm Wolschendorf
Shia und Hanno Su sind schon lange ein Paar und haben auch schon oft in kleinen Wohnungen zusammengelebt. Ihr Leben im Mikrohofhaus dokumentieren sie. Foto: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. Shia und Hanno Su sind aus voller Überzeugung Minimalisten. Sie fahren kein Auto, produzieren so gut wie keinen Müll und wohnen in der Kölner Altstadt in einer übersichtlichen 30 Quadratmeter Wohnung. Das Paar scheint also die Idealbesetzung zu sein, um das Mikrohofhaus in der Nähe der Sternkreuzung zu testen. Seine Eindrücke vom temporären Leben auf einer Fläche von 7,5 Quadratmetern hält es mit der Kamera fest. Bis April werden sich in dem Mikrohofhaus noch andere Testbewohner die Klinke in die Hand geben und ihre Eindrücke dokumentieren. Der Film mit dem Titel „Weniger ist mehr – nachhaltige Bau- und Wohnkultur“ von Sebastian Weimann wird beim Naturvision-Filmfestival im Juli gezeigt.

„Hier ist es ähnlich wie bei uns zu Hause, nur dass dort die Tür nicht so klackert“, schildert Shia Su die erste Nacht. Hanno Su hat dagegen die Zweiteilung der 105 Zentimeter breiten Matratze im Kreuz gespürt. „Siebeneinhalb Quadratmeter sind schon etwas wenig“, gibt er zu bedenken. Mit dem Platz für das Auslegen der Jogamatte sieht es schlecht aus.

Die beiden Mittdreißiger haben das Wohnen auf engstem Raum bereits für sich entdeckt, als Wohnraum noch nicht knapp und Mieten noch nicht so hoch waren wie heute. Schon während ihrer Studienzeit in Osnabrück lebte das Paar auf 19,5 Quadratmetern zusammen, teilte sich während eines Auslandssemesters auf Teneriffa ein WG-Zimmer, verbrachte in Tokio ein Jahr auf 36 Quadratmetern und lebte im kanadischen Vancouver auf 32 Quadratmetern.

Auf Druck der Eltern, für die es ein Alptraum gewesen sei, so beengt zu wohnen, suchte sich das Paar zwischendurch auch mal eine größere Wohnung mit immerhin mehr als 40 Quadratmetern. Doch schnell stellte das Paar fest, dass es sich darin etwas verloren fühlte. „Wenn man nach Hause gekommen ist, musste man erst mal rufen, um festzustellen, wo der andere ist“, erinnert sich Hanno Su. „Man stellt schnell fest, ob man zusammen passt“, findet die 35-Jährige. Das Zusammenleben auf engem Raum mache jahrelanges Testen einer Beziehung überflüssig.

„Es kommt darauf an, wie man die Fläche nutzt“, so Shia Su, die als Buchautorin und Bloggerin vor allem über die Idee vom Leben ohne Müll schreibt und gefragte Expertin ist. Ehemann Hanno ist als Dozent an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster tätig. Mit Kennerblick schaut Shia Su sich im Mikrohofhaus um. Der Schrank über der kleinen Kochecke könnte besser genutzt werden, stellt sie fest. Vor allem für Lebensmittel, denn das Paar kocht leidenschaftlich gerne. Vom Tisch würde sie ein Stück absägen, weil er zu weit in den Raum ragt. Und auch mit der Toilette, die die Hinterlassenschaft einfriert, kann sie sich nicht wirklich anfreunden. Eine Komposttoilette würde ihr besser gefallen. „Und es gibt hier kein W-Lan“, so die 35-Jährige. Für sie als Bloggerin ( www.wastelandrebel.com) ist das ein Muss. Dafür findet sie die riesigen Fensterflächen und den Hof genial.

Das Leben ohne Konsum, ohne Auto und ohne Müll hat sich entwickelt, erzählt Hanno Su. Wenn die beiden einkaufen gehen, lassen sie sich das Gewünschte in Marmeladengläsern abfüllen. Biomüll wird kompostiert. Die jährliche Restmüllmenge passe in ein Einmachglas mit einem Volumen von 750 Millilitern. Für jedes Teil, das neu hinzukommt, muss ein anderes Teil raus. „Man fühlt sich so leicht, wenn man nicht viel aufbewahrt“, sagt Hanno Su im Brustton der Überzeugung. Die beiden verschwenden ihre Zeit nicht für Shoppingtouren.

Ihren Aufenthalt in Ludwigsburg wollen beide nutzen, um ganz normal zu arbeiten – er für die Uni, sie für ihren Blog. Und natürlich wollen sie die Stadt erkunden.

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