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Ministerium bleibt bei Strategie für Vergabe der Impftermine

Leser kritisieren Terminvergabe bei den Impfzentren – Sozialministerium hält an Webseite und Hotline fest – Stadt und Kreis planen Information der Bürger per Post

Weil der Impfstoff gegen das Coronavirus knapp ist, gibt es auch kaum Termine. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Weil der Impfstoff gegen das Coronavirus knapp ist, gibt es auch kaum Termine. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Ludwigsburg. Die Corona-Impfung ist nach wie vor ein großes Thema. Vor allem bei Menschen, die älter sind als 80Jahre und deshalb schon jetzt gegen das Coronavirus geimpft werden können. Könnten. Denn in der Praxis läuft es nicht gut. Weil der Impfstoff knapp ist, gibt es nur wenige Termine in den zentralen Impfstellen. Und das führt dazu, dass Senioren oder ihre Angehörigen mitunter viel Zeit und vor allem Geduld aufbringen müssen, um an einen Termin zu kommen. Nach unserer Berichterstattung zum Ärger mit der Terminvergabe in der vergangenen Woche haben sich weitere Leser bei unserer Zeitung gemeldet.

Senioren ärgern sich darüber, dass ihnen vorgeworfen wird, zu wenige Kentnisse im Internet zu haben. „Ich kenne mich aus im Internet“, sagt nicht nur einer. Das Problem sei nicht der Nutzer, sondern die Plattform selbst. Dass Termine, die man anklickt, jemand anderes wegschnappen kann, bevor man seine Daten vervollständigt hat, gehe gar nicht. Die Terminvergabesoftware sei ursprünglich darauf ausgelegt worden, eine Vielzahl an Terminen zu vergeben, teilte das Sozialministerium mit. „Bei einer solchen Ausgangslage würde es praktisch nur sehr selten vorkommen, dass zwei Termine im Wettstreit um den schnelleren Klick vergeben werden“, so ein Sprecher des Ministeriums. Das Problem sei nun aber der derzeitige Impfstoffmangel.

Kein Durchkommen bei Hotline

Doch das Sozialministerium habe bereits auf die Kritik reagiert: „Wir haben die Softwarefirma, die den Terminservice im Auftrag des Bundes erstellt und betreibt, gebeten, dies zu optimieren.“ Ob die Kritik tatsächlich umgesetzt und damit die Online-Buchung von Terminen einfacher wird, werden Senioren oder deren Angehörige in den nächsten Wochen erleben.

An einer anderen Sache möchte das Sozialministerium nichts ändern: an der Impfterminvergabe über die Hotline 116117. „Die Hotline hat sich aus unserer Sicht bewährt“, so der Sprecher. Es sei vor allem eine Alternative für diejenigen, denen die Terminvergabe über das Internet schwerfällt. Einige unserer Leser finden, dass das Sozialministerium auch an der Hotline etwas ändern sollte. Aus mehreren Gründen: Zum einen halten es manche für eine schlechte Idee, für die Impfterminvergabe die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes zu nutzen. Andere ärgert es, dass sie nicht durchkommen oder keinen Termin ausmachen können, egal wie oft sie dort anrufen. „Die Wartezeiten bei der Hotline liegen derzeit übrigens nur bei wenigen Minuten, teilweise bei unter einer Minute“, so der Sprecher des Sozialministeriums. Das würden die Statistiken bestätigen. Dagegen stehen die Erfahrungen unserer Leser. Dass Senioren oder deren Angehörige über Tage mehrmals täglich die Nummer wählen müssen und doch zu keinem Termin kommen, sei nicht nur anstrengend, sondern auch sehr ärgerlich.

Gemeinsamer Termin für Paare?

Ob er einen Impftermin zusammen mit seiner Frau bekommen könnte, fragte einer unserer Leser. „Sobald ausreichend Impfstoff und damit genügend Impftermine zur Verfügung stehen, können auch zusammenhängende Termine vereinbart werden“, so der Sprecher des Ministeriums. Jeder Impfberechtigte müsste allerdings einen eigenen Termin ausmachen. Aufgrund der kurzen Zeitabstände zwischen den Terminen lasse sich dann auch eine gemeinsame Anreise organisieren. Jetzt seien gemeinsame Termine noch nicht möglich.

Einen Brief an alle, die sich jetzt bereits impfen lassen können, wie das andere Bundesländer machen, ist in Baden-Württemberg nach wie vor nicht geplant. Allerdings arbeite das Sozialministerium derzeit an einem Informationsbrief zur Corona-Impfung, der an alle Haushalte verteilt werden soll.

Auch die Stadt Ludwigsburg möchte die Bürger über die Schutzimpfung informieren. Dafür stehe man aktuell mit dem Landratsamt in Kontakt, so eine Sprecherin der Stadtverwaltung. „Wir werden in Abstimmung mit den Kreiskommunen eine Postwurfsendung an alle Haushalte im Landkreis austeilen“, so ein Sprecher des Landratsamtes. Allerdings sei diese noch nicht versandt worden, da noch nicht alle Eckpunkte zum Betrieb des Kreisimpfzentrums (KIZ) in Ludwigsburg vorliegen. Dort kann die Impfung, wie bereits berichtet, erst am 22.Januar statt eine Woche früher starten – weil der Impfstoff nicht früher geliefert wird. Das KIZ ist betriebsbereit, am 22.Januar könne es losgehen, so der Sprecher. „Sofern der Impfstoff durch das Land an uns geliefert wird“, fügt er hinzu.

Um die Impfberechtigten in die Impfzentren zu bringen, bietet zum Beispiel Berlin einen kostenlosen Taxi-Transfer für die Senioren an. „ Wir haben beim Innenministerium angeregt, dass beispielsweise Krankenwagen des Katastrophenschutzes für Transporte in die KIZ genutzt werden können“, teilte der Landratsamt-Sprecher mit. Auch der Mobile Soziale Dienst des DRK habe sich bereits gemeldet, dass dieser Transporte übernehmen könnte.

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