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Mit Abi ins Handwerk

Mehr Azubis mit Hochschulberechtigung – 4255 neue Lehrverträge in der Region Stuttgart

Nach wie vor begehrt: eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker. Foto: stock.adobe.com
Nach wie vor begehrt: eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker. Foto: stock.adobe.com

Stuttgart/Ludwigsburg. „Die Situation zeigt, dass die Ausbildung im Handwerk als qualitativ hochwertig anerkannt und dank einer anhaltend guten Konjunktur in vielen Branchen sehr zukunftsorientiert ist“, kommentierte der Chef der Handwerkskammer Region Stuttgart, Thomas Hoefling, am Donnerstag in einer Mitteilung den Ausbildungsmarkt 2021. Viele Betriebe in der Region hätten erkannt, dass die Ausbildung der beste Weg ist, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen. So ist trotz Corona-Belastungen im vergangenen Jahr die Gesamtzahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge um 1,3 Prozent auf 4255 gestiegen. Dabei ist die Zahl der Abiturienten, die sich fürs Handwerk entschieden, weiter gestiegen auf 755 Berufsstarter (plus 5,2 Prozent).

Den stärksten Zuwachs an Lehrlingen in der Region verzeichnete das Handwerk im Kreis Ludwigsburg: 786 junge Frauen und Männer unterschrieben bei einem Handwerksbetrieb einen Lehrvertrag, ein Plus von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und damit liegt der Kreis sogar über dem Niveau vor der Pandemie, als im Jahr 2019 insgesamt 781 Verträge neu abgeschlossen wurden. Auf regionaler Ebene ist dagegen das Niveau vor der Pandemie noch nicht erreicht, denn Ende 2019 lag die Zahl der Azubis im Handwerk regionalweit noch bei 4345 neuen Ausbildungsverhältnissen.

In der Region Stuttgart sind derzeit insgesamt 10936 (Vorjahr: 10762) Handwerkslehrlinge (über alle drei Lehrjahre hinweg) beschäftigt: Im Kreis Ludwigsburg sind es 1912 (Vorjahr: 1923). „Wer junge Menschen ausbildet, hat es selbst in der Hand, ihre Entwicklung positiv zu beeinflussen, so dass ein Azubi am Ende der Lehre die passende Fachkraft fürs Unternehmen ist“, sagt Hauptgeschäftsführer Hoefling an die Adresse der Betriebe. Im Rahmen der Personalentwicklung des Unternehmens sei es für junge Handwerkerinnen und Handwerker nach der Gesellenprüfung ein logischer Schritt, sich weiter zu qualifizieren und Führungsfunktionen zu übernehmen. „Die Chancen, auf der Karriereleiter nach oben zu kommen, sind ausgezeichnet“, so Hoefling.

„Wenn wir die Fachkräftelücke schließen wollen, müssen wir den Hebel jetzt umlegen und noch mehr ausbildungswillige und ausbildungsfähige junge Menschen nach der Schule ins Handwerk holen und qualifizieren. Mit dem derzeitigen Personalbestand gelingt uns weder die Energiewende, noch können wir mithelfen, die Wohnungsnot zu lindern“, betont Hoefling. Und ergänzt: „Wer soll denn den Estrich legen, die Fliesen anbringen oder die Bäder einbauen – wer montiert die Anlagen für die Solarthermie auf die Dächer, um die Solarpflicht zu erfüllen?“ Es brauche sicherlich die vielen Masterabschlüsse an unseren Hochschulen. Die wichtigen Meisterabschlüsse im Handwerk dürfen aber darunter nicht leiden, mahnt er. Hoefling: „Hier muss ein Umdenken bei vielen Eltern, Lehrkräften und vor allem der Politik einsetzen.“ Das Handwerk eröffne jungen Menschen mit allen Schulabschlüssen eine Chance, betont er. So kamen im vergangenen Jahr 1856 Schulabgänger (plus 3,2 Prozent) mit einem mittleren Bildungsabschluss ins Handwerk, gefolgt von 1383 Hauptschülern (minus 1,2 Prozent). Und die Zahl der Absolventen mit Abitur oder Fachhochschulreife, die sich fürs Handwerk statt Studium entschieden, ist 2021 auf 755 nach 718 im Vorjahr gestiegen. Damit ist diese Zahl weiter gestiegen, nachdem sie 2018 bei 640 und 2019 bei 691 lag. Gründe für die jüngste Zunahme sieht Hoefling unter anderem auch in dem für viele Abiturienten „weniger beliebten Online-Studium an den Hochschulen in den Pandemiemonaten“, aber ebenso im Wunsch nach Berufen mit hoher Sinnstiftung.

Das Interesse bei jungen Frauen an einem Handwerksberuf war im vergangenen Jahr ziemlich konstant, so gab es 851 Berufsstarterinnen (plus 0,2 Prozent). Der Anteil weiblicher Lehrlinge an der Gesamtzahl der derzeit 10936 Auszubildenden liegt bei 18,5 Prozent. Und der Anteil der Ausländer unter allen Lehrlingen liegt bei 22,7 Prozent.

Für das kommende Lehrjahr sind laut Kammer bereits fast 300 freie Ausbildungsplätze in der Lehrstellenbörse gelistet. Ausbildungs- und Praktikumsplätze gibt es online unter www.hwk-stuttgart.de/lehrstellenboerse.

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