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Mit Bürgerumfrage und „Schwätz-Eckle“

Stadt Ludwigsburg startet jetzt mit einem eineinhalb Jahre dauernden Beteiligungsprozess – Ideen sollen konkret werden und nicht nur Aktenordner füllen

Auf dem Platz, wo Schiller auf dem Podest steht, dürfen jetzt auch Bürger Reden schwingen. Regelmäßig wird Oberbürgermeister Knecht vor Ort sein. Foto: Holm Wolschendorf
Auf dem Platz, wo Schiller auf dem Podest steht, dürfen jetzt auch Bürger Reden schwingen. Regelmäßig wird Oberbürgermeister Knecht vor Ort sein. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Ist das jetzt der richtige Zeitpunkt, um über die Zukunft zu sinnieren? Das werden sich in der Coronapandemie, in der die Menschen stark belastet sind, viele fragen – und trotzdem sagt die Stadt: Es muss sein. Die Gesellschaft verändert sich, der Klimaschutz stellt Städte vor neue Herausforderungen. „Wir wollten schon letztes Frühjahr starten, jetzt ist es an der Zeit“, ist OB Matthias Knecht überzeugt.

Er und seine Mitarbeiter im Rathaus gehen es grundsätzlich an. Über eineinhalb Jahre hinweg soll ein Beteiligungsprozess gestartet werden, diesmal mit den verschiedensten Formaten wie einem Trialogsommer, Zukunftswerkstätten und Online-Formaten. Erstmals ist auch die lange verpönte Bürgerumfrage dabei, die künftig regelmäßig durchgeführt werden soll. Auch werden bei einzelnen Werkstätten „Zufallsbürger“ ausgewählt und angeschrieben, ob sie sich einbringen. Damit will die Stadt umgehen, dass immer nur dieselben Personen, die in Verbänden oder Institutionen organisiert sind, zu Wort kommen.

So lange das ist, Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass die Bürger nach wie vor mitmachen. „Wir probieren es einfach mal aus, wir experimentieren“, so Hannah Seyfang, Leiterin des Teams Nachhaltige Stadtentwicklung. Sie wollen es offen angehen, sie selbst zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass es keine Beteiligungsmüdigkeit gibt, auch wenn früher schon viele Konzeptpapiere vollgeschrieben worden sind. „Gerade bei Online-Formaten schalten sich mehr Teilnehmer zu als früher bei Präsenzveranstaltungen“, sagte sie.

Dass die Anregungen der Bürger zwischen irgendwelchen Aktendeckeln in den Amtsstuben verschwinden, sei nicht zu befürchten, so Knecht. „Was Bürger anregen, soll nicht irgendwo versanden.“ Es werde am Ende des Prozesses einen Punkt geben, an dem konkret Ergebnisse in die politische Beratung und in die Finanzdebatte einfließen werden. Der Gemeinderat wird also über die verschiedenen Themen und Vorschläge in aller Öffentlichkeit beraten und entscheiden. „Da geht es dann konkret darum, ob es ein Förderprojekt gibt, welche Schule saniert wird oder welcher Radweg gebaut wird“, sagte Knecht zu.

Mit den verschiedenen Veranstaltungen will der Oberbürgermeister etwas von den früheren Zukunftskonferenzen abrücken, bei denen die Verwaltung den Takt angab. Die Meinung der Bürger soll mehr zum Tragen kommen, weshalb Knecht lieber von einer Zukunftswerkstatt spricht. Dabei ist den Organisatoren in der Stadt klar, dass es nicht nur einlinig zugehen wird. „Wir werden streiten, über die Ziele diskutieren und wenn möglich auch einen Weg finden“, räumt Knecht ein. Sein Wunsch ist es, das „solidarische Miteinander“ voranzubringen, zumal der soziale Zusammenhalt einer der wichtigen Aspekte für die Stadtgesellschaft ist. Er will in aller Offenheit auch Raum für strittige Themen lassen.

Start für den Beteiligungsprozess ist bereits nächste Woche. Zum Auftakt des sogenannten „Trialogsommers“ (die drei Beteiligten Verwaltung, Gemeinderat und Bürger sind hier gemeint) geht man am 18. Juni in den Schlosshof zu den Schlossfestspielen, dort werden Grundsatzfragen wie „Wohin gehen wir?“ gestellt. Es gibt Videos der Schlossfestspiele und eine Live-Konferenz von OB und Citykirchenpfarrer Martin Wendte. Hundert Personen können teilnehmen, die Anmeldung läuft ab sofort.

Einfach so mal mit dem Oberbürgermeister reden

Über den Sommer hinweg wird es Gespräche mit der Jugend geben, ferner geht es um Geschlechtergerechtigkeit, klimaneutrales Ludwigsburg, nachhaltige Mobilität und Wohnen. Ergänzt werden die Gespräche durch Stadtspaziergänge., wie Hannah Seyfang berichtet. Auf dem Schillerplatz soll zudem ein „Schwätz-Eckle“ und ein „Zukunftscorner“ eingerichtet werden, abgeschaut von dem Speakers Corner in London. Jeder kann sich dort spontan einbringen. Man wird auch direkt mit OB Knecht diskutieren können, der regelmäßig aufs Holzpodest steigen will. Einfach so können Bürger vorbeikommen und mit ihm diskutieren.

Info: Eine Übersicht und alle Informationen zu den verschiedenen Informations- und Diskussionsangeboten des Trialogsommers sowie zum Stadtentwicklungsprozess „Ludwigsburg geht weiter – wir gestalten Zukunft“ bietet die städtische Internet-Beteiligungsplattform www.meinLB.de. Die Veranstaltungsübersicht wird laufend ergänzt und aktualisiert. Für einzelne Formate ist coronabedingt noch nicht endgültig klar, ob sie vor Ort stattfinden können. Am besten kurz vor dem geplanten Termin nochmals auf die Website schauen.

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