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Woche der Demenz

Mit dem Vergessen leben

Vor allem der demografische Wandel hat ehrenamtlich Tätige in Marbach dazu bewogen, in der Zukunftswerkstatt „Älterwerden in Marbach“ Ideen zu entwickeln, die den Bedürfnissen von Senioren Rechnung tragen. Ein Schwerpunkt dabei ist das Thema Demenz.

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Marbach. Demenz ist überwiegend eine Krankheit des Alters. Angesichts der steigenden Lebenserwartung gehen Experten davon aus, dass sich die Zahl der Erkrankten bis zum Jahr 2050 verdoppelt. Das bedeutet, dass jede zweite Frau und jeder dritte Mann an Demenz erkranken, sofern sie ein hohes Alter erreichen.

„Demenzkranke, die 50 Kilometer mit dem Fahrrad fahren, sich dabei am Leben erfreuen und hinterher an nichts mehr erinnern können, mögen uns erstaunen – umso wichtiger ist es, dass wir uns mit dem Thema beschäftigen“, sagt Andrea von Smercek, die seitens der Fachstelle für bürgerschaftliches Engagement die Projektgruppe „Demenzfreundliche Stadt“ in Marbach begleitet.

Ein zentrales Anliegen der Projektgruppe ist es, bereits bestehende sowie natürlich künftige Angebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen in Marbach zu bündeln und zu vernetzen. Von der Stadt Ostfildern, die Demenz schon vor mehr als zehn Jahren zu einem kommunalen Thema machte, will man sich eventuell den Kurs „Erste Hilfe Demenz“ abschauen, der Bürger, Ladenbesitzer, Vereinsvertreter oder Polizisten sensibilisiert und schult – eben all jene, die auch beruflich mit Demenzkranken in Kontakt kommen.

Dass die Krankheit raus aus der Tabuzone und hinein ins gesellschaftliche Leben gehört, zeigt auch die bundesweite „Woche der Demenz“ im September, zu der auch im Landkreis Ludwigsburg eine Vielzahl von Veranstaltungen stattfindet; sie sind in einem Programmheft gebündelt (siehe Text rechts unten).

Die Projektgruppe „Demenzfreundliche Stadt“ in Marbach beteiligt sich daran mit zwei Aktionen. Die erste Veranstaltung trägt den Titel „Lieder, die man nicht vergisst“ und findet am Sonntag, 15. September, von 15 bis 16 Uhr im katholischen Gemeindehaus statt. In dieser Stunde singen Jung und Alt gemeinsam unter der Leitung von Bärbel Häge-Nüssle und Melanie Bogisch von der Musikschule Marbach-Bottwartal. Unterstützt wird die Veranstaltung von Blockflöten- und Gitarrenschülern der Musikschule. Bekannte Volkslieder, vertraute Schlager und beliebte Evergreens sollen Erinnerungen wecken und ein Gemeinschaftserlebnis schaffen.

Die zweite Veranstaltung in Marbach findet bereits am Tag darauf, am Montag, 16. September, im Bürgersaal des Rathauses statt. Hartwig von Kutzschenbach, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg, wird von 18 bis 19.30 Uhr einen Vortrag zum Thema „Leben mit Demenz – Menschen mit Demenz verstehen“ halten.

Menschen mit Demenz leben oft in einer ganz eigenen – für Außenstehende oft unverständlichen – Welt. Diese Welt verliert die Anknüpfung an aktuelle Begebenheiten und kennt oft nur noch die Reise in die Vergangenheit, die vom Abschied von sich selbst und der Umgebung bestimmt wird. Ziel des Vortrags ist es, über das Krankheitsbild und den Verlauf von Demenzerkrankungen zu informieren, Mitmenschen für Auffälligkeiten zu sensibilisieren und sie im Umgang mit Betroffenen zu schulen.

Hartwig von Kutzschenbach, der bis Ende 2018 hauptberuflich Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes für alte Menschen (SOFA) im Landkreis Esslingen war, möchte außerdem Anregungen für einen hilfreichen Umgang mit Demenzkranken sowie Hinweise auf zentrale Ansprechpartner und professionelle Hilfen geben.

Das Projekt „Demenzfreundliche Stadt“ gehört zur Zukunftswerkstatt „Älterwerden in Marbach“, die die Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Krankenpflegeverein im März 2018 ins Leben gerufen hat. Wer Interesse daran hat, sich in dem Projekt aktiv einzubringen, kann sich an Andrea von Smercek wenden, Telefon (0 71 44) 10 23 41, E-Mail andrea.von.smercek@schillerstadt-marbach.de. Weitere Informationen sind im Internet unter www.schillerstadt-marbach.de/Aelterwerden-in-Marbach, zu finden. (fri)