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Mit Fragen und Klebern zu neuen Ideen fürs Sanierungsgebiet

Bei der Neugestaltung der Stuttgarter Straße sollen auch die Bürger mitreden. Ein Planungsbüro hat dazu Bögen entwickelt, mit denen man eigenständig und coronakonform einzelne Bereiche genauer unter die Lupe nehmen kann.

Vielleicht ein paar Blumen auf den Stiegelplatz? Einfach mal zur Veranschaulichung ein paar auf den Fragebogen aufkleben. Und sicher ließe sich einige Meter daneben auch noch so einiges verschönern... Abschließend werden die Fragebögen in die Urnen i
Vielleicht ein paar Blumen auf den Stiegelplatz? Einfach mal zur Veranschaulichung ein paar auf den Fragebogen aufkleben. Und sicher ließe sich einige Meter daneben auch noch so einiges verschönern... Abschließend werden die Fragebögen in die Urnen im Rathaus oder am Freizeitbad eingeworfen. Foto: Ramona Theiss
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Korntal-Münchingen. Auf der Stuttgarter Straße hat sich an jenem Nachmittag ein kleiner Stau gebildet. Hinter einem Bagger, der mitten auf der Spur ortseinwärts steht und in einer Hauseinfahrt gräbt, warten einige Autos, bis der Gegenverkehr vorbei ist. Und Stillstand passt irgendwie auch zur Gesamtsituation – in die nun aber Bewegung kommt. Denn ungeachtet dessen, dass sich das große Projekt eines Vollsortimenters im Münchinger Ortskern auch zuletzt wieder mehrfach verzögert hat, soll die Straßensanierung in diesem Abschnitt jetzt in die Gänge kommen. Im Februar hat der Gemeinderat dazu wie berichtet eine Bürgerbeteiligung genehmigt – und die wird nun ganz praktisch.

Seit wenigen Tagen kann man im Rathaus eine Tasche samt Klemmbrett und Umfragebögen abholen – und dann ist eigene Bewegung angesagt. Ein paar Schritte die Hauptstraße runter zum Wetteplatz. „Wie bewegen Sie sich am häufigsten durch die Stuttgarter Straße?“ Zu Fuß, per Bus, mit dem Auto oder anderem, kann man ankreuzen. Und dann: „Was würden Sie an dieser Kreuzung in Zukunft anders gestalten, damit diese sicher und attraktiver für Fußgänger ist?“ Auch hier kann man ankreuzen, etwa bei „Gehwegsbreiten“ oder „Bepflanzung“. Doch dann: Stillstand. Frage 4. „Was würden Sie bei der zukünftigen Gestaltung der Bushaltestellen ändern oder ergänzen?“ Hm. Selbst wenn ich Busnutzerin wäre – würden die Haltestellenpositionen passen? Was würde eine Verlegung, so überhaupt möglich, bedeuten? Und stünden die Kosten im Verhältnis zum Nutzen? Ich lasse das Feld leer.

Weiter geht’s Richtung Stiegelplatz, der nächsten vorgegebenen Station. Würden nicht auch hier an gefühlt jedem Mast die Werbeplakate der Stadt für die Teilnahme an dieser Bürgerbeteiligung hängen, so wäre die auf dem Fragebogen als „geschäftig“ bezeichnete Fläche komplett grau und leer. Denn am frühen Nachmittag ist hier kaum etwas los. Liegt es daran, weil viele Geschäfte zu sind? An Corona? Und was möchte man hier gerne in Zukunft machen können? Sport machen, einkaufen und Feste feiern sind nur einige der Anregungen, die beispielhaft aufgeführt sind. Ich überlege, in welcher Form hier Sport möglich sein könnte. Und pule währenddessen schon mal von dem angetackerten Klebebogen ein paar Blümchen ab, setze sie auf das Straßenpanorama, aufgenommen nach einem Regenschauer – etwas Farbe kann ja nicht schaden.

Nun geht es weiter, die Stuttgarter Straße entlang. Gibt es Hindernisse für Fußgänger, etwa Blumenkübel, Unebenheiten im Boden, hohe Bordsteine? Kreuzchen bei Ja, während ich eng an einer Hauswand vorbeimuss, bis ich wieder an eine breitere Stelle komme – wie es das auch vor dem geplanten und auf dem Bogen schon mal dargestellten Vollsortimenter sein sollte, so der Wunsch.

Denn so unterschiedlich wie die Gehwege sind (wenngleich aktuell nicht so breit, wie das auf dem Werbeplakat dargestellt ist), so verschieden sind auch die einzelnen, teils schon vor rund zehn Jahren sanierten Abschnitte der Stuttgarter Straße. Und so stehen vor allem im östlichen Abschnitt schöne, herausgeputzte Fachwerkhäuser neben halb verfallenen Gebäuden, manche Flächen dazwischen ähneln eher Müllhalden, und im Hof des Kronenstübles, das dem Komplex mit Supermarkt und Wohnungen weichen soll, liegt Schutt. Hier war bis vor kurzem ein Schuppen, der dann aber wie ein weiterer abbrannte – geht die Neugestaltung an der Stelle schon mal schneller als geplant, denke ich mir. Weiter Richtung Ortsausgang stehen dagegen einige neue Mehrfamilienhäuser.

Doch etwas fehlt, fällt mir nun bei genauerer Beschäftigung auf: Sitzmöglichkeiten. Jetzt, um vernünftig auf dem Klemmbrett schreiben und einen Aufkleber mit einer Bank drauf abpulen und auf der großen Karte befestigen zu können, aber auch in Zukunft, vor allem an den Bushaltestellen rund um die Ziegeleistraße. Und ein paar Bäume könnten auch nicht schaden, etwa als Sichtschutz dort, wo ungepflegte private Gelände sind, die nicht Teil der Umgestaltung sein werden.

Der letzte Teil des Fragebogens befasst sich mit dem Gelände rund um den Bahnübergang – wie soll die Ortseinfahrt wirken, historisch oder modern, urban oder, oder, oder? Und was würden Kinder zu der gesamten Straße sagen? Denn auch sie sollen mitreden, hatte das mit der Bürgerbeteiligung beauftragte Büro Schreiberplan im Gemeinderat gesagt, weshalb es für sie extra Aufgaben gibt.

Für Klein wie Groß gilt aber: Die ausgefüllten Bögen kommen in einem beigefügten Umschlag in die Wahlurnen im Rathaus oder am Freizeitbad, werden dann ausgewertet und bei einem Onlinetermin am 18. Mai präsentiert. Denn stillstehen soll das Sanierungsvorhaben nun nicht mehr für so lange Zeit.

Info: Die Erkundungspakete können bis 14. April am Rathauseingang abgeholt werden, und zwar montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr sowie montag- bis donnerstagnachmittags von 14 bis 16, mittwochs bis 18 Uhr.

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