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Mit Holz in die Zukunft des Häuserbauens

Fertighausbranche lobt individuelle Gestaltungsmöglichkeiten mit dem Werkstoff aus Buche und Tanne – Ideales Material für die Verdichtung

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Das Gewinnerhaus in der Kategorie Green Design beim Golden Cube 2018. Foto: privat
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Ludwigsburg. Holz als Werkstoff ist inzwischen in Deutschland angekommen. So sieht es zumindest der Geschäftsführer von Schwörer Haus aus Hohenstein, Johannes Schwörer. Der Marktanteil von Holzhäusern sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. „Holz ist ein Werkstoff, der stetig nachwächst und CO bindet – ein tolles Material“, sagt Schwörer. Seine Firma hat mit dem Musterhaus Auggen beim großen deutschen Fertighauspreis in Ludwigsburg des Fachschriften-Verlags, Golden Cube 2018, den ersten Platz in der Kategorie Green Design gewonnen. „Sein flexibler Grundriss begünstigt eine lange Nutzerzufriedenheit. Zertifizierte, regionale und nachhaltige Baumaterialien trugen außerdem zur guten Bewertung der Jury bei“, hießt es in der Begründung der Juroren. Mit einer Wohnfläche von 188 Quadratmetern, kostet das Haus Auggen immerhin 390 500 Euro – nicht ganz billig, aber inklusive KfW-Effizienzklasse 40 Plus.

 

„Bei Holz muss man wissen, was man macht“, sagt Schwörer, „Dann kann es über mehrere Hundert Jahre nutzbar sein.“ Das könne man an den Fachwerkhäusern aus dem Mittelalter sehen. Doch der Werkstoff hat auch Tücken. Feuchtigkeit sei ein Problem, daher müssten die Bodenanschlüsse, die Fassade, sowie Fenster und Türen richtig gearbeitet sein. „Das Fachwissen ist kostbar“, sagt Schwörer. Schwörer Haus baut schon seit Mitte der 1960er Jahre Holzhäuser. Bisher hat das Unternehmen 40 000 Holzhäuser realisiert. Baden-Württemberg sei dabei das Hauptabsatzgebiet, mit ungefähr 25 000 Gebäuden, wie Johannes Schwörer schätzt. Er setzt auf regionale Produktion. Die Firma besitzt ein Sägewerk, das Holz kommt aus dem Umland, aus maximal 80 Kilometer Radius um das Werk. Alles andere sei weder aus ökologischen noch aus finanziellen Gesichtspunkten sinnvoll.

 

Aber sind die Holzfertighäuser wirklich so gut für die Umwelt und das Klima, wie die Branche behauptet? Johannes Enssle, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes Nabu in Baden-Württemberg, hält Holzbauten grundsätzlich für besser als solche aus mineralischen Baustoffen wie Stahl oder Beton. „Holz, das langfristig verbaut wird, speichert auch über lange Zeit CO“, erklärt er. Zudem sei es recycelbar. Aus Türen können nach dem Abschleifen beispielsweise Tischplatten werden und aus Balken Latten. „Entscheidend ist, dass heimische Holzarten verbaut werden“, sagt Enssle. Während die Holzbauquote ansteigt, geht jedoch der Fichtenbestand zurück. Daher müssten vermehrt Weißtannen und Buchen beim Bau eingesetzt werden.

 

Deutschlandweit liegt laut Achim Hannott, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Fertigbau, der Anteil an Fertighäuser aus Holz bei Ein- und Zweifamilienhäusern bei fast 20 Prozent. In Baden-Württemberg sogar bei über 33 Prozent. „Jedes dritte Familienhaus in Baden-Württemberg wird in Holzfertigbauweise gebaut“, sagt Hannot.

 

Der Branche geht es also gut. Johannes Schwörer sieht sie auch für die Zukunft gut aufgestellt. Das Thema Wohnraum und Verdichtung der Städte gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Für Schwörer ist Verdichtung das ideale Anwendungsgebiet für Holz. „Ich bin ein Fan von Verdichtung“, sagt er. Nach Schätzungen gebe es über eine Million Bauplätze auf Hochhäusern in Deutschland. Um dort Geschosse darauf zu setzen, sei Holz aufgrund der statischen Eigenschaften bestens geeignet. „Das muss den Behörden klarer werden“, sagt Schwörer. Da müsse man bei den Bauvorschriften mitdenken, denn die würden den Einsatz von Holz für Aufbauten erschweren. Auch Johannes Enssle sieht bei den Genehmigungen Hemmnisse für die Holzbauweise. „Die deutschen Normen sind zu streng“, sagt er.

 

Damit Holzhäuser aber wirklich umwelt- und klimafreundlich seien, müssten zwei Dinge beachtet werden. Zum einen, dass das Holz heimisch ist – am besten Buche oder Tanne. Zum anderen sei die Zertifizierung wichtig. „Eine FSC-Zertifizierung ist zu bevorzugen“, sagt Enssle. „Das Label der Waldbesitzer, PEFC, ist aber besser als nichts.“