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Stadtbahn

Mittendrin statt nur am Rand

Die Markgröninger Kommunalpolitik winkt erwartungsgemäß den Stadtbahn-Kompromiss durch – erwartet aber, dass die Züge in den Ludwigsburger Bahnhof einfahren.

Bahnhof in Ludwigsburg: Hier soll die Stadtbahn nach dem Willen der Stadt Markgröningen auf den Gleisen fünf oder sechs ankommen, damit ein schneller Umstieg auf Regionalzüge oder S-Bahnen möglich ist. Foto: Holm Wolschendorf
Bahnhof in Ludwigsburg: Hier soll die Stadtbahn nach dem Willen der Stadt Markgröningen auf den Gleisen fünf oder sechs ankommen, damit ein schneller Umstieg auf Regionalzüge oder S-Bahnen möglich ist. Foto: Holm Wolschendorf

Markgröningen. Wie genau die Verständigung des Landrats Rainer Haas und des Ludwigsburger Oberbürgermeisters Werner Spec, gemeinsam eine Stadtbahn zwischen Markgröningen und Pattonville sowie BRT-Schnellbusse voranzutreiben, zu bewerten ist, darüber gibt es in Markgröningen unterschiedliche Ansichten. „Der Weg ist jetzt frei“, sagte der Bürgermeister Rudolf Kürner am Dienstagabend im Gemeinderat. „Wir haben einen Durchbruch erzielt.“ Die Freien Wähler, stärkste Fraktion in Markgröningen, sehen eine „historische Entscheidung“. Dem widerspricht allerdings der Markgröninger SPD-Fraktionschef Pedro Fernandes: „Davon sind wir noch meilenweit entfernt.“ Er verweist darauf, dass noch Jahre vergehen, bis vielleicht 2025 tatsächlich Vorläuferstadtbahnen über Möglingen nach Ludwigsburg fahren. Der GAL-Fraktionschef Arndt Zwicker bemängelt mit Blick auf den Pakt, den Haas und Spec zu Jahresbeginn geschlossen haben: „Wir fühlen uns übergangen.“

Dennoch spricht sich der Markgröninger Gemeinderat am Dienstagabend einstimmig für den Kompromiss für Stadtbahn und Schnellbusse aus. „Es ist endlich Zeit, dass es zu einem Beschluss kommt“, so der Fraktionschef der Freien Wähler, Matthias Reutter. Er erinnert daran, dass seit rund 20 Jahren über das Projekt debattiert wird. „In dieser Zeit gab es viele Rückschläge.“ Die Markgröninger CDU sieht das. Vorhaben als große Chance für den ÖPNV und die weitere Stadtentwicklung. Die Christdemokratin Claudia Thannheimer: „Deshalb geben wir jetzt gerne den Startschuss.“

Der Rathausspitze erteilen die Fraktionen allerdings auch Arbeitsaufträge für künftige Verhandlungen, die in einem noch zu gründenden Zweckverband geführt werden sollen. Die Mitglieder neben Markgröningen: die Stadt Ludwigsburg, das Landratsamt sowie die Anrainer Möglingen, Schwieberdingen, Remseck und Kornwestheim.

Auf Betreiben der SPD soll eine Stadtbahn möglichst in den Ludwigsburger Bahnhof fahren, damit ein schneller Umstieg auf Regionalzüge oder S-Bahnen erfolgen kann. Dafür vorgesehen: die Gleise fünf und sechs. Der Fraktionschef Fernandes: „Das ist ein Thema, das die Bürgerschaft bewegt.“ Bisher ist die Lage für Markgröninger Pendler nämlich außerordentlich unkomfortabel. Der nächste Schienenanschluss führt sie in der Regel über den Asperger Bahnhof.

Darüber hinaus hält es die Stadt für unabdingbar, dass die Anbindung Schwieberdingens an das Stadtbahnnetz mit einer Machbarkeitsstudie untersucht wird. Die Voraussetzung dafür: eine Trasse über den Markgröninger Bahnhof und das Bildungszentrum Benzberg mit Gymnasium und Realschule in die Nachbarkommune zu Bosch.

Kürner und sein Stadtbaumeister Klaus Schütze reagierten am Dienstagabend zunächst zurückhaltend auf die Forderung, die Stadtbahn in den Ludwigsburger Bahnhof zu führen. Schütze: „Dafür ist es jetzt noch zu früh.“ Er fürchtet, dass das Anliegen negative Auswirkungen auf einen möglichen 15-Minuten-Takt für die Stadtbahn haben könnte. Er führt Kapazitätsengpässe im Ludwigsburger Bahnhof ins Feld.

Der Freie Wähler Rainer Gessler stellte schließlich klar, dass die Stadt in den weiteren Verhandlungen die Bahn nicht blockieren solle. „Wir alle wollen sie haben.“ Kürner möge lediglich für die Positionen einstehen, die der Politik wichtig seien. Damit kann der Rathauschef offenbar leben. Nach dem einstimmigen Beschluss seines Gemeinderats für den Stadtbahn-Kompromiss sagte er: „Ich bin sehr glücklich darüber.“

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