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Mozart im Flur mit YouTube als Begleitung

Die Ausrichtung des Wettbewerbs Jugend Musiziert, der Mitte Juli seinen Abschluss findet, war diesmal ein nervenaufreibendes Unterfangen. Manfred Frank, der Ditzinger Jugendmusikschulleiter und Regionalausschuss-Vorsitzender von Jugend Musiziert im Kreis, blickt zurück auf die Herausforderungen während der Pandemie.

Nur digital konnte diesmal der musikalische Nachwuchs sein Können beweisen. Das war beträchtlich, obwohl auch der Unterricht meist digital sein musste. Foto: Florian Schuh/dpa
Nur digital konnte diesmal der musikalische Nachwuchs sein Können beweisen. Das war beträchtlich, obwohl auch der Unterricht meist digital sein musste. Foto: Florian Schuh/dpa

Ditzingen. Am Wochenende konnten endlich auch die jüngsten Teilnehmer noch zeigen, was sie drauf haben. Die Besten kommen weiter zum Landeswettbewerb.

Doch zunächst ein Blick zurück: Erst sollte Wettbewerb zur Entzerrung auf verschiedene Spielstätten in Ditzingen aufgeteilt werden. „Wir wollten den Wettbewerb unbedingt in Präsenz abhalten“, erinnert sich Frank. Aber alles Zuwarten half nichts, sicherheitshalber entschieden die Organisatoren, die Beiträge der Altersgruppen III und älter lieber in digitaler Form einzusammeln – der Worst Case aller Planungsoptionen.

Manfred Frank erlebte das Prozedere als Juryvorsitzender für Klarinette bereits in der Landesakademie in Ochsenhausen zur Bewertung der Älteren (AG III und älter; 167 Teilnehmer). Das Pensum war stramm: 20 bis 30 Beiträge schauten die Jurorinnen und Juroren täglich in getrennten Räumen an. Dass sich überhaupt so viele auf den digitalen Wettbewerb einlassen wollten, findet Manfred Frank „fantastisch“. Es sei wohltuend zu sehen, wie kreativ und unterschiedlich die Beiträge ausgefallen seien. Beispiel Mozarts Klarinettenkonzert: „Da steht einer im Hausflur, ein Handy vor sich und spielt. Dann zählt er 60 Takte Pause für die Klavierbegleitung – und spielt weiter.“ Andere hätten sich mit YouTube-Ausschnitten geholfen. Bedingung war, dass innerhalb der Sätze nicht geschnitten werden durfte.

„Wir als Jury wollten es angucken, wie live gespielt, und ich dachte: Können wir uns wirklich freimachen von den Rahmenbedingungen?“ Es funktionierte so gut, dass die Juroren gesagt hätten: „Wow! Klasse!“ Und das, obwohl man laut Frank im Online-Unterricht wohl bestimmte technische Dinge vermitteln kann, es aber eher schwierig wird mit klanglichen Dingen, Emotion, Ausdruck. Manfred Frank hat die Motivation der Teilnehmer gerührt. Auch wenn die Jury sich einig war, dass die Leistungen auch aus der Konserve gut zu beurteilen gewesen seien – digital ist eben doch nicht live. „Was nicht entstanden ist, ist dieses Gänsehautgefühl, das bleibt auf der Strecke“, meint Frank.

Das große Ziel sei es gewesen, die Qualifizierungsrunde rechtzeitig bis zum Bundeswettbewerb über die Bühne zu bringen. Dass der Bundeswettbewerb im Mai dann doch nicht wie erhofft live in Bremen, sondern wiederum nur digital über die Bühne gehen konnte, sei natürlich schade gewesen. Kurzum, es war eine Hängepartie mit Hoffen und Bangen, Planen und Umplanen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es sich so hinzieht“, resümiert der Jugendmusikschulleiter.

Zum Schluss waren Ende Juni auch die jüngeren Musizierenden der Altersgruppe I und II dran. Sie hatten ebenfalls zumeist nur online mit ihren Lehrkräften üben können. 27 Teilnehmer aus der Region Ludwigsburg der Altersgruppe II haben mindestens 23 von 25 möglichen Punkten erreicht und fahren zum Landeswettbewerb nach Calw (16. bis 18. Juli). Mit ordentlich Rückenwind, 25 Punkten, reisen an: Micha Faude (Fagott), Kjell Kluge (Gitarre), Lovis Roser und Max Roser (beide Klavier). 24 Punkte erreichten Lina Daub (Blockflöte), Noemi Kestin (Querflöte), Klara Loriz (Querflöte), Jule Störl (Horn), Clara Maria Rieger (Klavier), Amelie Chiara Flandi (Klavier).

Insgesamt überwiegt die Freude über einen bislang gelungenen Wettbewerb. Besonders freut Manfred Frank und das JMS-Team die Erkenntnis, „dass die Musik ein sehr wichtiger Teil für die Familien ist – das haben wir wirklich gemerkt und das ist sehr schön“.

Die hohe Teilnehmerzahl trotz Corona zeige, dass die Kinder und Jugendlichen durch Corona eher motiviert seien als gefrustet. Und sehr treu: Es habe kaum Abmeldungen gegeben. Was heuer leider ausfallen muss, ist das Preisträgerkonzert als krönender Abschluss. Wegen der Vorgabe, im Schachbrettmuster zu bestuhlen, hätten höchstens 250 Stühle in die Stadthalle gepasst – viel zu wenig.

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