Logo

Müssen vier Gartenhäuschen weg?

Bastian Bossert (rechts) will erreichen, dass die im Vertrauen auf den Bauträger errichteten Gartenhäuschen bleiben dürfen. Die Landtagsabgeordneten Konrad Epple und Andreas Kenner (Zweiter und Dritter von rechts) sehen sich für den Petitionsausschus
Bastian Bossert (rechts) will erreichen, dass die im Vertrauen auf den Bauträger errichteten Gartenhäuschen bleiben dürfen. Die Landtagsabgeordneten Konrad Epple und Andreas Kenner (Zweiter und Dritter von rechts) sehen sich für den Petitionsausschus
Laut Bebauungsplan sind Gartenhäuschen nicht erlaubt, doch das Bauunternehmen hatte es in den Verträgen anders dargestellt: Seit sieben Jahren beschäftigt Betroffene und Behörden die Frage, ob die Häuschen in der Oberriexinger Straße in Sachsenheim abgerissen werden müssen. Nun war der Petitionsausschuss des Landtags vor Ort.

Sachsenheim. Der Garten von Andreas Adler ist schon winterlich dekoriert, am weißen Gartenhäuschen hängen Schneeflocken aus Holz. Doch es könnte das letzte Weihnachten mit diesem Ausblick werden. Denn solche Häuschen sind in den Gärten der Mehrfamilienhäuser in der Oberriexinger Straße 36 in Sachsenheim laut dem Bebauungsplan nicht erlaubt. Weil die Firma Wohnbau Layher als Bauträger dies aber in Vertrag und Teilungserklärung offenbar anders dargestellt hatte, errichteten acht der Parteien ein Häuschen, darunter auch Bastian Bossert. Weil er es behalten will, hat er eine Petition beim Landtag eingereicht. Am Freitag haben nun die beiden Landtagsabgeordneten Konrad Epple (CDU) und Andreas Kenner (SPD), der zudem stellvertretender Vorsitzender des Petitionsausschusses ist, vor Ort mit den Beteiligten gesprochen.

„Wir haben uns eine Wohnung im Erdgeschoss ausgesucht, weil wir einen eigenen Garten wollten“, sagt Bastian Bossert bei der Besichtigung. Doch weil dafür diverse Gartenutensilien verstaut werden müssen, wollten er und seine Familie ein Gartenhäuschen. Der vom Bauträger beauftragte Landschaftsbauer habe die Fundamente gebaut, berichten die Betroffenen. Sie alle hätten die vertragliche Vorgabe von maximal neun Kubikmetern Größe eingehalten.

Doch schon bald nach dem Einzug im Jahr 2014 meldete sich die Stadt Sachsenheim zu Wort: Die Häuschen müssten wieder abgerissen werden. Ein Versuch, den Bebauungsplan zu ändern, bei dessen Aufstellung die Firma Layher nach Angaben der Stadt von Anfang an beteiligt gewesen war, fand im Gemeinderat keine Mehrheit. „Ich bedauere die Situation, auch wenn die Rechtslage klar ist“, so der Sachsenheimer Bürgermeister Holger Albrich, der damals noch nicht im Amt war. Er geht davon aus, dass eine Änderung auch heute keine Mehrheit finden würde.

„Ist man denn nicht auf die Idee gekommen, dass man einen Rasenmäher nicht ins Wohnzimmer stellt?“, warf Bastian Bossert ein und vermutete gar: „Wahrscheinlich wollte man dem Layher eins auswischen, weil er sich über den Bebauungsplan hinweggesetzt hat.“ Günter Dick (Grüne Liste Sachsenheim), damals wie heute Gemeinderatsmitglied, wollte das so nicht stehen lassen: „Das ist Ihre Interpretation.“ Die Mehrheit habe das damals so beschlossen. Christina Thum vom Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen konnte die Entscheidung des Gremiums nachvollziehen: „Es ist ja sehr verdichtet hier, die Gärten sind nicht groß. Warum soll man es noch enger machen?“ Das Regierungspräsidium verortet das Problem in der Zuständigkeit der Stadt.

Andreas Kenner konnte nachvollziehen, dass die Betroffenen dem Bauträger vertraut hatten. Die Firma Wohnbau Layher war zu dem Ortstermin nicht eingeladen und konnte am Freitag kurzfristig auf Anfrage unserer Zeitung keine Stellungnahme abgeben. Auch Konrad Epple zeigte Verständnis dafür, dass einem solch eine Diskrepanz nicht auffällt, da man bei einem Umzug ohnehin sehr beschäftigt ist: „Da geht man leider nicht aufs Rathaus oder Landratsamt und nimmt Einsicht in den Bebauungsplan.“ Von den ursprünglich acht Betroffenen haben inzwischen vier ihre Gartenhütten zurückgebaut, einige haben sie durch kleinere Plastikboxen ersetzt. „Das sieht nicht schön aus. Ich weiß nicht, wo da der Mehrwert ist“, kommentierte Andreas Kenner diese Alternative. Zudem bleibe die Fläche ja versiegelt, wenn man das Fundament im Boden lasse.

Bürgermeister Holger Albrich begrüßte, dass die Bürger ihre Rechte selbst in die Hand nehmen: „Der Petitionsausschuss ist der richtige Ort, um solche Angelegenheiten zu besprechen, wenn auch nicht immer zu lösen.“ Das sei ein Beispiel für lebendige Demokratie und fördere das Verständnis füreinander.

Allzu große Hoffnungen wollten bei den Betroffenen aber nicht aufkommen, als sie nach dem Termin noch zusammenstanden und sich – halb im Scherz, halb im Ernst – schon mal Alternativen überlegten. Ob es besser wäre, wenn sie Rollen unter die Hütten bauen, gleich zehn Plastikkisten aufstellen oder die Gartengeräte in einem Zelt aufbewahren? „Wer sein Ziel kennt, findet den Weg“, steht auf einem Metallschild im Garten von Andreas Adler. Solange die Petition ihren Weg durch die Gremien geht, können die vier verbleibenden Gartenhäuschen erst mal noch stehen bleiben.