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Jahresbilanz

Musikschule erntet Lob und Kritik

Auch 2017 hat die Ludwigsburger Jugendmusikschule wieder mehr Kinder erreicht als im Jahr zuvor. Insgesamt waren es 3146. Aber der Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Musik- und Gesangvereine befürchten, dass das Wachstum der Musikschule zusehends auf ihre Kosten geht.

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Möglichst früh sollen Kinder Rhythmus und Musik spielerisch kennenlernen, so eine der Devisen der städtischen Bildungspolitik. Archivfoto: Bürkle

Ludwigsburg. Tolle Zahlen und viel Grund zur Freude hatte die Vorsitzende des Trägervereins der Jugendmusikschule, Sandra Stegmann, unlängst für die Stadträte im Wirtschafts- und Kulturausschuss des Gemeinderats dabei. Die im Wesentlichen von der Stadt finanzierte Einrichtung blickt auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2017 zurück, so die scheidende Vereinsvorsitzende. Vor allem bei den Elementar- und Einstiegsangeboten für Grundschüler und Kindergartenkinder legt die Jugendmusikschule immer weiter zu.

Ausschlaggebend dafür sind die sogenannten Ludwigsburger Musikimpulse. Im vergangenen Schul- und Kindergartenjahr wurden insgesamt 1463 Kinder in den Kindertagesstätten und Grundschulen erreicht und dabei vor allem von Lehrkräften aus der Jugendmusikschule unterrichtet. Über die Hälfte der Kindergärten und fast alle Grundschulen machen mittlerweile bei den Musikimpulsen mit.

Die Musikimpulse gelten als großer Fortschritt in der musikalischen Frühbildung und auch als wichtiger Pfeiler in der Arbeit der Jugendmusikschule. Viele Kinder werden mit den Angeboten der Musikimpulse erstmals an Musik und Instrumente herangeführt. So gelingt ein Brückenbau zum Kerngeschäft der Schule, dem Angebot von Musik- und Gesangsunterricht für Kinder und Jugendliche.

Finanziell steht die Jugendmusikschule solide da. Der Jahresabschluss bringt einen Überschuss von 5400 Euro. Für das laufende Jahr 2018 haben die Stadträte einen städtischen Zuschuss von 821 300 Euro bewilligt.

Auch die Leiterin der Jugendmusikschule, Christiane Schützer, ist mit dem Ergebnis zufrieden. Ihre Devise für die kommenden Jahre lautet: „Wir wollen immer mehr Kinder erreichen.“

Doch was bedeutet diese Entwicklung für die Musik- und Gesangvereine in den verschiedenen Stadtteilen? Dort grassiert offenbar die Sorge, dass die eigene Suche nach jungen Mitgliedern immer schwieriger wird, je erfolgreicher die Jugendmusikschule Kinder und deren Eltern mit ihren Angeboten umwirbt.

Neben ihrem bisherigen Engagement ist die Jugendmusikschule außerdem dabei, den neuen Gesangsbereich auszubauen. „Zum 1. Oktober 2017 wurde eine neu geschaffene Zweidrittel-Stelle für Gesang mit zwei Gesangspädagoginnen besetzt“, heißt es dazu im Jahresbericht. Seit dem vergangenen Schuljahr könne man eine hochwertige Gesangsausbildung für Kinder und Jugendliche anbieten. Das Angebot ist für Kinder ab fünf Jahren gedacht.

Von den Stadträten gab es eine Menge Lob für die Wachstumszahlen der Musikschule und deren Arbeit bei den Musikimpulsen, aber mit Blick auf die Vereine auch einige nachdenkliche Anregungen.

„Das Ergebnis 2017 ist großartig, vielen Dank. Gut, dass die Schulen sich so intensiv beteiligen“, meinte etwa Maik-Stefan Braumann von der CDU. Annegret Deetz (SPD), Laura Wiedmann (Grüne) und Jochen Eisele (FDP) sind mit der Leistung der Jugendmusikschule ebenfalls sehr zufrieden. Auch Florian Lutz (Freie Wähler) meinte: „Die Zahlen sprechen für sich.“ Gleichzeitig stellte er aber die Frage, wie die Vereine mit ins Boot geholt werden könnten.

Vor allem in den Stadtteilen haben die Musikvereine nämlich mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. Ein Problem mit möglicherweise weiterreichenden Folgen. „Denn die Vereine sind der soziale Kitt der Gesellschaft“, so Lutz. „Die Kinder sind dann für die Vereine weg“, fasste Reinhardt Weiss von den Freien Wählern seine Sicht auf die Entwicklung zusammen. Kinder, die ihr Instrument oder das Singen in der Jugendmusikschule lernen, seien für die Vereine verloren. Das findet auch Wilfried Link (CDU): „Die Kinder haben nur einmal Zeit.“ Er sprach sich für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Jugendmusikschule und Musikvereinen aus.

Christiane Schützer wehrte sich gegen diese Vorwürfe (siehe auch Infobox). Oberbürgermeister Werner Spec regte an, dass alle Beteiligten aufeinander zugehen sollten. Er schlägt ein Gespräch mit allen Beteiligten vor.