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Nachsorgekosten fressen Gewinne der AVL auf

Die kreiseigene Abfallverwertungsgesellschaft AVL fuhr in den vergangenen Jahren fette Überschüsse ein – doch das ist erst einmal vorbei. Denn für die Nachsorge der Deponien werden millionenschwere Rückstellungen nötig.

Foto: privat
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Kreis Ludwigsburg. Als der Affalterbacher Bürgermeister und AVL-Aufsichtsrat Steffen Döttinger den Jahresabschluss der kreiseigenen Abfallverwertungsgesellschaft zum ersten Mal sieht, schießt ihm ein Gedanke durch den Kopf: „Da fehlen doch ein paar Nullen.“ Auf knapp 17.000 Euro beziffert die AVL den Überschuss für 2019 – ein Nasenwasser im Vergleich zu den Vorjahren. Da erwirtschafteten die Müllmanager Gewinne von bis zu sieben Millionen Euro. 2018 waren es immer noch 6,4 Millionen Euro. „Auf den ersten Blick wirkt der Jahresabschluss sehr ernüchternd“, räumte der AVL-Geschäftsführer Tilman Hepperle im jüngsten Kreistag ein. Tatsächlich zeige sich aber auch 2019 die „Leistungsfähigkeit der AVL“. Wie das?

In diesem März erreicht die Müllexperten des Kreises ein Gutachten eines Karlsruher Ingenieurbüros, wonach die Nachsorgekosten auf den Deponien wie Froschgraben in Schwieberdingen und Burghof in Vaihingen-Horrheim auf rund 47 Millionen Euro steigen. Daraus ergibt sich rechnerisch ein Zuführungsbedarf zu den Rückstellungen in Höhe von gut zehn Millionen Euro für alle bis Ende 2019 eingebauten Abfälle. Nach einem Gespräch mit dem Wirtschaftsprüfer gibt es für Hepperle dann „keinen Zweifel mehr, dass die AVL verpflichtet ist, zuerst die Nachsorgerückstellungen zu erfüllen, bevor eine Gewinnausschüttung infrage kommt“. Andernfalls hätte der Wirtschaftsprüfer den Jahresabschluss wohl nicht testieren dürfen.

Der Plan der kreiseigenen Abfallverwertungsgesellschaft sieht nun vor, 8,2 Millionen Euro aus dem laufenden Betrieb sofort zu finanzieren – und im kommenden Jahr 1,8 Millionen Euro nachzuschießen. „Damit können wir die Nachsorgekosten beinahe vollständig in 2019 auffangen“, stellte der Freie Wähler Döttinger fest, der im Kreistag für alle Fraktionen sprach.

Hepperle rechnet nach jetzigem Stand der Dinge damit, dass die AVL auch in diesem Jahr auf ein positives Ergebnis zusteuern wird – trotz Corona. „Wir registrieren keinen Rückgang der Mengen“, sagte er im Kreistag. Im Gegenteil: Am Schwieberdinger Froschgraben kamen sogar mehr Lieferungen an. Ob das so bleibt, ist für Hepperle allerdings nicht ausgemacht. „Die Bauwirtschaft reagiert erfahrungsgemäß mit Verzögerungen von sechs bis acht Monaten auf die aktuelle Lage.“ Laut seinem Abteilungsleiter Henning Makevic werde das Unternehmen im vierten Quartal schlauer sein.

Klar ist, dass die beiden Deponien, zu denen auch Hamberg im Enzkreis zu zählen ist, 2019 auf Rekordniveau gewirtschaftet haben. Die Deponieerlöse stiegen um satte 939.000 Euro auf 14,49 Millionen Euro.

Trotzdem erkennen die AVL-Aufsichtsräte dunkle Wolken am Horizont. Da wären zum Beispiel die Müllgebühren, die mit zu den höchsten im Land gehören – und wohl weiter steigen werden (wir berichteten). Auch wenn der Landrat Dietmar Allgaier auf die Beratungen im Herbst verweist.

Über Kreuz liegt die AVL immer noch mit der Gemeinde Schwieberdingen, die gar nichts von dem Plan hält, die Deponie auf ihrer Gemarkung über das Jahr 2025 hinaus zu verfüllen – etwa bis 2033. Im Kreistag bekannte Allgaier, dass eine Lösung des seit Oktober schwelenden Konflikts noch nicht in Sicht ist.

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