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01 Uhr

Nachtaktive Seelentröster und Helfer in der Not

Das mobile Telefon klingelt. Der Schwesternnotruf des Albert-Knapp-Heims ist auf Cristian Blesch und Lars Todorovic umgestellt. Sie haben Nachtdienst im Pflegeheim und kümmern sich auch zu später Stunde um die individuellen Bedürfnisse der Bewohner. Bis der Tag anbricht und die reguläre Schicht sie ablöst.

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Cristian Blesch (links) und Lars Todorovic arbeiten als Nachtwächter im Albert-Knapp-Heim und kümmern sich um die Belange der Bewohner. Foto: Holm Wolschendorf
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Cristian Blesch (links) und Lars Todorovic arbeiten als Nachtwächter im Albert-Knapp-Heim und kümmern sich um die Belange der Bewohner. Foto: Holm Wolschendorf
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Cristian Blesch (links) und Lars Todorovic arbeiten als Nachtwächter im Albert-Knapp-Heim und kümmern sich um die Belange der Bewohner. Foto: Holm Wolschendorf
01 Uhr. Ein Bewohner in Zimmer 38 des Albert-Knapp-Heims möchte um ein Uhr nachts noch einen Joghurt, eine Bewohnerin im anderen Wohnbereich muss auf die Toilette. Die zwei examinierten Altenpfleger von der Nachwache sind viel unterwegs. In dieser Schicht werden sie von zwei Hilfskräften unterstützt.

Es gibt Bewohner, zu denen werden sie nachts fünfmal und öfter gerufen. „Hinter dem Klingeln steckt manchmal auch nur der Wunsch nach Nähe“, erklärt Bernhard Wandel. Er ist Vorstand der Stiftung Evangelische Altenheime und Leiter dreier solcher Einrichtungen in Ludwigsburg.

Der Diakon schätzt die Arbeit in der Pflege sehr. „Neben der hohen fachlichen pflegerisch-medizinischen Kompetenz muss man unbedingt auch psychosoziale Empathie mitbringen.“

Die Spannbreite der Aufgaben ist groß. Sie reicht von der Insulinspritze für Diabetiker über die Inkontinenzvorsorge bis hin zur abendlichen Toilette mit Zähneputzen und Co. Manchmal stürzen Bewohner und müssen wieder zu Bett gebracht und versorgt werden, bis ein Arzt kommt.

Und dann sind da noch die ganz persönlichen psychischen Krisenmomente, oft an den Festtagen oder Geburtstagen, wenn die Senioren ihr Leben Revue passieren lassen oder sich Sorgen um Angehörige machen. Dann werden Blesch und Todorovic zu Seelentröstern, denen sie ihr Herz ausschütten, an deren Schultern sie sich ausweinen können.

„Es zahlt sich aus, dass sich in der Nachtwache immer die gleichen, bekannten Pfleger um dieselben Personen kümmern“, betont Wandel. Das schaffe Vertrauen und gebe Sicherheit. Gerade nachts, wenn es um einen herum so unheimlich still und dunkel ist.

Besonders wird auch auf die Schwerkranken und Sterbenden geachtet. Das Augenmerk auf sie geht weit über die Medikation zur Schmerzlinderung und die Versorgung hinaus. Hier ist oft Trost und Beruhigung gefragt, nicht nur für die Patienten, auch für die Angehörigen, die manchmal mitten in der Nacht Abschied nehmen.

Rund 140 Zimmer hat das Quartett auf seinem Rundgang durch das Albert-Knapp-Heim regelmäßig zu visitieren. Leise öffnen sie die Türen und lauschen in das Zimmer, ob alles in Ordnung ist.

Ist ein Senior noch wach, werden immer ein paar freundliche Worte gewechselt und gefragt, ob man noch etwas für ihn tun könne. In den drei Einrichtungen der Stiftung Evangelische Altenheime — Albert-Knapp, Gerok und Geschwister Cluss – bestimmt nämlich jeder Bewohner selbst, wann er sich

schlafenlegt. Dann kann es eben auch ein Uhr nachts werden, bis einer „Nachteule“ geholfen wird, den Schlafanzug anzuziehen.

Die wenigen Lücken im Zeitplan werden im Stationszimmer mit dem Herrichten der Medikamente für jeden Einzelnen gefüllt und mit Dokumentationen. Zeit für Fernseher mit Knabberzeugs gibt es nicht.

Die Glocken der Friedenskirche schlagen fünfmal. Es ist eins. Ein an Demenz Erkrankter steht plötzlich vor dem Festsaal, will erst einen Rostbraten haben und dann eine Pizza bestellen. Er wird schließlich zurück in sein Zimmer begleitet.

Als ein paar Stunden später die Sonne aufgeht, neigt sich eine Zehn-Stunden-Schicht dem Ende entgegen. Es war eine vergleichsweise ruhige Nacht. Es wurde nur 20- mal nach den Pflegern gerufen und lediglich einmal löste die spezielle Sturzmatte vor dem Bett aus. An Spitzentagen können das auch bis zu 60 Rufe sein.

Blesch und Todorovic haben einen flexiblen Biorhythmus. Sie können rasch umschalten vom Wechsel zwischen Nachtarbeit zu den freien Tagen mit der Familie. Die beiden lieben ihren Beruf. Sie sagen: „Er ist sinnhaft und erfüllend, weil wir den älteren Menschen Geborgenheit geben.“ Das sehen sie als Privileg.

Kontakt

Stiftung Evangelische Altenheime Ludwigsburg
Mühlstraße 22
71640 Ludwigsburg

Gerokheim und Geschwister-Cluss-Heim
Mömpelgardstr. 8 und 8/1
71640 Ludwigsburg
Telefon: (0 71 41) 93 06-0
info@stiftung-ev-altenheim.de
www.stiftung-ev-altenheim.de