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Netzwerker engagieren sich für eine gute Nachbarschaft

Das Nachbarnetz Ludwigsburg unterstützt den Aufbau nachbarschaftlicher Netzwerke. Die Coronakrise hat die Initiative zurückgeworfen. Ab 21. September aber soll das Quartiersbüro in der Schorndorfer Straße wieder öffnen. Dafür sucht das Nachbarnetz ehrenamtliche Mitarbeiter.

Wolfgang Rothenbacher und Cornelia Graf sorgen mit dafür, dass man sich in seinem Quartier wohlfühlt. Foto: Ramona Theiss
Wolfgang Rothenbacher und Cornelia Graf sorgen mit dafür, dass man sich in seinem Quartier wohlfühlt. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Als Cornelia Graf aus dem Raum Sigmaringen nach Ludwigsburg zog, wollte sie sich in ihrem neuen Umfeld ehrenamtlich einbringen. Nach der Teilnahme an der Zukunftswerkstatt entschied sie sich 2012, mit dem Nachbarnetz Ludwigsburg ein eigenes Projekt auf den Weg zu bringen. Ziel war es, in einer Stadt mit über 90000 Einwohnern, zunächst in der Oststadt und angrenzenden Quartieren, dörfliche Nachbarschaftsstrukturen aufzubauen.

In Wolfgang Rothenbacher fand Graf ein Jahr darauf einen Mitstreiter, der die Internetplattform www.nnlb.de entwickelte. Dort können Bewohner nach Registrierung Angebote einstellen. Ob Unterstützung beim Einkauf, Spazierengehen oder Kinobesuche in Gesellschaft, Nachhilfe für Schüler, ein Besuchsdienst oder das Ausleihen einer Bohrmaschine: Das Nachbarnetz ist eine Plattform für ganz unterschiedliche Anliegen und Interessen. Informieren kann man sich über die Angebote auch ohne Registrierung.

„Wir beschränken uns aber nicht auf das Digitale“, betont Rothenbacher. „Es geht um echte, gelebte Nachbarschaft. Auch für Menschen, die sich nicht über digitale Medien vernetzen können oder wollen.“ Die Kontaktaufnahme erfolgt im Quartiersbüro in der Schorndorfer Straße 42, das mit Zuschüssen aus dem Landesprogramm „Quartier 2020“ eingerichtet wurde. Als die Förderung für Miete und eine Halbtagsstelle im Dezember 2020 auslief, übernahm die Stadt die Miete.

Weitere ehrenamtliche Helfer werden gesucht

In der Pandemie war das Quartiersbüro lange geschlossen. Ab kommender Woche aber wird der Betrieb, der nun ehrenamtlich organisiert werden muss, wieder aufgenommen. Acht Freiwillige haben bereits ihre Unterstützung zugesagt. „Wir suchen aber noch weitere ehrenamtliche Mitarbeiter“, sagt Graf. „Dann könnten wir auch an mehr Tagen öffnen.“

Nach derzeitigem Stand sind ab 21. September folgende Öffnungszeiten vorgesehen: dienstags in den ersten drei Wochen eines Monats von 10 bis 12 Uhr sowie in der vierten Monatswoche von 16 bis 18 Uhr, donnerstags in der ersten und dritten Monatswoche von 10 bis 12 Uhr, in der zweiten und vierten Woche von 16 bis 18 Uhr. Wer das Nachbarnetz unterstützen will, müsste gemeinsam mit einem weiteren Freiwilligen zweistündige Schichten übernehmen und dabei Kontakte zwischen Nachbarn herstellen oder Fragesteller bei Problemen an spezialisierte Beratungsstellen vermitteln. „Wir können natürlich nicht alle Probleme lösen“, meint Graf. „Probleme können aber auch gelöst werden, indem man Kontakte zu den richtigen Stellen vermittelt – häufig wissen die Leute einfach nicht, an wen sie sich wenden müssen.“

Die Mitarbeit im Quartiersbüro erfordere keine besonderen Vorkenntnisse, sagt Graf, Freiwillige würden auch geschult. „Hilfreich ist es, wenn man gerne mit anderen Menschen kommuniziert. Dann ist es eine abwechslungsreiche ehrenamtliche Tätigkeit, bei der man auch selbst neue Leute kennenlernt.“

In den vergangenen Jahren konnte das Nachbarnetz viele Projekte anstoßen, die sich ausdrücklich an alle Altersgruppen richten. Die Initiatoren schätzen, dass Kontakte zu mindestens 150 Bewohnern aufgebaut wurden. Diese begegneten sich zum Beispiel bei Konzerten oder Innenhoffesten, in der Weihnachtszeit wurden Glühweinfeiern organisiert.

Neue Kontakte, Boule-Spiele und Walking-Gruppen

„Es ist uns gelungen, die Bewohner der City-Ost zusammenzubringen“, zeigt sich Graf zufrieden. Die regelmäßigen Feiern hätten viel bewirkt, ergänzt Rothenbacher: „Nach dem ersten Abtasten hat man schnell gemerkt, wie sehr die Leute diese Möglichkeit des Austauschs schätzen. Man begegnet sich jetzt ganz anders.“

Eine Walking-Gruppe trifft sich immer mittwochs um 9.30 Uhr auf der Bärenwiese, ebenfalls mittwochs wird ab 17 Uhr auf dem Platz vor dem Seniorenstift an der Ecke Thouret-/Gebhard-Müller-Allee Boule gespielt. Dort trifft sich montags, 11 Uhr, auch eine Qigong-Gruppe. Dabei handelt es sich um das einzige kostenpflichtige Angebot des Nachbarnetzes, die Teilnahme kostet fünf Euro pro Termin.

Die Coronakrise habe vieles ausgebremst, sagt Rothenbacher, jetzt aber wolle man wieder durchstarten. Geplant sind unter anderem ein Erzählcafé, eine internationale Teezeremonie, Vorträge und eine „English-Conversation“-Gruppe. Eine Bewohnerin will im Stadtteilbüro eine Krabbelgruppe aufbauen; ein monatlicher Kaffeenachmittag soll zur Anlaufstelle für Besucher werden, die sich mit einem Problem herumschlagen. Graf: „Wir hoffen, dass wir nach Corona auch wieder enger mit Kirchen und Institutionen zusammenarbeiten können.“

Info: Kontakt zu den Öffnungszeiten des Quartiersbüros, Schorndorfer Straße 42, unter Telefon (0151) 51838590, sonst auch unter (07141) 1330713. Internet: www.nnlb.de.

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