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Neue Einrichtung

Neu: Praxis nur für Coronapatienten

Am Montag wird in Ludwigsburg eine sogenannte Fieberambulanz eröffnet. Diese Praxis soll sich ausschließlich um Coronapatienten kümmern. Viele Hausärzte kommen jetzt schon an ihre Grenze – vor allem weil ihnen ausreichend Schutzkleidung fehlt. Das Testzentrum am Krankenhaus hat seine Kapazität unterdessen vervierfacht.

Abstriche im Zwei-Minuten-Takt: Die Teststelle am Krankenhaus.Foto: Holm Wolschendorf
Abstriche im Zwei-Minuten-Takt: Die Teststelle am Krankenhaus. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Die Hausärzte und der Landkreis reagieren auf die rasante Ausbreitung des Coronavirus. Bis gestern haben sich nachweislich über 400 Bewohner des Landkreises infiziert. Das macht neue Schritte notwendig: Am Montag wird in Ludwigsburg in einer Arztpraxis eine Fieberambulanz eröffnen. Diese Einrichtung soll sich ausschließlich um potenzielle Coronapatienten kümmern, erklärt Dr. Carola Maitra, die Vorsitzende der Ärzteschaft Ludwigsburg. Um eine unkontrollierte Inanspruchnahme ohne hausärztliche Überweisung zu vermeiden, wird nicht öffentlich bekannt gegeben, in welcher Praxis die Fieberambulanz eingerichtet wird.

Engpässe bei der Schutzkleidung

Dieser Schritt ist vor allem deshalb notwendig geworden, weil sich erste Hausärzte im Kreis mit dem Coronavirus infiziert haben und ihre Praxis schließen mussten. Um weitere Ansteckungen zu vermeiden, können die Hausärzte ab Montag Patienten, bei denen sie von einer Coronainfizierung ausgehen, an die Schwerpunktpraxis überweisen.

Diese Einrichtung wird speziell ausgerüstet und auf die Patienten vorbereitet sein, erklärt Dr. Maitra. Geplant ist, dass die Ärzte dort in Vier-Stunden-Schichten arbeiten und dabei durch spezielle Schutzkleidung gesichert sind.

Denn auch für viele Hausärzte zeichnen sich Engpässe bei der Schutzkleidung ab. Und „ohne verfügbare Schutzkleidung mit Atemmasken, Schutzanzügen und Brillen besteht bei der ärztlichen Untersuchung die Gefahr der Infektübertragung vom Patienten auf den Arzt“, sagt Carola Maitra. Zudem: Nach jeder Untersuchung eines potenziellen Coronapatienten müssen die Ärzte ihre komplette Schutzmontur entsorgen.

Die Überweisung eines Patienten in die Schwerpunktpraxis könne jeder Arzt selbst entscheiden, sagt Dr. Maitra. „Wer genug Material und Schutzkleidung hat, kann die Untersuchung auch selbst vornehmen.“

210 Abstriche sind jeden Tag möglich

Bei der Corona-Teststelle am Ludwigsburger Krankenhaus wurden die Kapazitäten unterdessen erheblich ausgeweitet. Hat man vor zwei Wochen mit 50 Tests am Tag begonnen, sind mittlerweile vier Mal so viele machbar. „Aktuell sind 210 Abstriche täglich möglich“, so Landrat Dietmar Allgaier in einer Mitteilung des Landratsamts. Nun seien Tests im Zwei-Minuten-Takt machbar.

Laut Dr. Carola Maitra, die für die ärztliche Organisation der Teststelle zuständig ist, wurde diese massive Steigerung vor allem durch die Kooperation mit weiteren Labors – auch außerhalb Ludwigsburgs – möglich. Die Arbeit an der Teststelle habe sich sehr gut eingespielt. Die Anmeldung der Patienten wird in einem Container erledigt. Es gebe ausreichend Abstand zu den beiden Räumen, in denen die Abstriche gemacht werden. Die Patienten könnten beim Warten auf jeden Fall genug Distanz zueinander halten.

Die Auswahlkriterien der Patienten haben sich in den vergangenen Tagen geändert. Mittlerweile werden auch alle Personen getestet, die Symptome einer Coronainfektion aufweisen – etwa Geschmacksverlust, trockener Husten, Fieber. Sie müssen zuvor nicht in einem Risikogebiet gewesen sein oder in Kontakt mit einem Infizierten gestanden haben. Einen Termin bekommt man weiterhin über die Hotline des Landratsamts.

Dass sich auch gesunde Menschen vorsorglich testen lassen, schließt die Kassenärztliche Bundesvereinigung bislang aus. „Es macht keinen Sinn, gesunde, unauffällige Bürger zu testen“, sagte der KBV-Bundesvorsitzende Andreas Gassen am Donnerstag in Berlin. „Auch wenn das für den Einzelnen vielleicht interessant sein kann, ist es medizinisch sinnfrei.“ Man habe zwar große Kapazitäten, sie reichten aber nicht, „um 83 Millionen einfach mal eben durchzutesten“. Entscheidend sei das ärztliche Urteil. Seit dem 9. März seien in Deutschland 410.000 Tests vorgenommen worden.

Zum Corona-Schnelltest (Text rechts) warten die Ärzte im Landkreis noch auf die Einschätzung der zuständigen Behörden. Erst wenn diese grünes Licht geben, würden die Tests zum Einsatz kommen.

Das Regierungspräsidium Tübingen hatte gestern außerdem vorgeschlagen, zur Erhöhung der Laborkapazitäten auch Tierlabore einzubeziehen. Dies wurde vom Landratsamt geprüft, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. „Tierlabore in unserer Nähe haben dafür aber keine Zulassung“, so ein Sprecher.

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