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Neue Fragen nach der Unfallursache

Zwei junge Männer in Berufungsverhandlung wegen eines verbotenen Autorennens angeklagt

Gerlingen. War es ein rücksichtsloses Fahren oder war es gar ein illegales Rennen, bei dem ein junger Mann im November 2019 in Gerlingen getötet wurde? Oder hat ein heute 20-Jähriger nur Tempo gemacht? Mit dieser Frage muss sich nun ein zweites Gericht befassen – denn die Staatsanwaltschaft war gegen ein Urteil des Ludwigsburger Amtsgerichts in Berufung gegangen. Das hatte den 20-Jährigen wegen verbotenen (Allein)Rennens mit Todesfolge zu einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung plus 1600 Euro Geldbuße und mindestens einem Jahr Führerscheinentzug verurteilt, während der damals 18-Jährige freigesprochen wurde, weil das Amtsgericht den Vorwurf des Rennens mit dem Älteren – anders als die Polizei und die Staatsanwaltschaft, die deshalb in Berufung gegangen war – nicht bestätigt sah.

Die Berufungsverhandlung vor der 4. Großen Jugendstrafkammer am Stuttgarter Landgericht begann heute mit Hindernissen. Insgesamt zehn Zeugen hatte die Gerichtsvorsitzende geladen, um vor allem die Hintergründe des Geschehens damals aufzuhellen und festzustellen, ob es ein absprachegemäßes Rennen gegeben habe, wie es die Staatsanwaltschaft meint. Ebenso soll ein technischer Kraftfahrzeug-Sachverständiger über den Unfallhergang gehört werden. Doch die beiden Verteidiger der Angeklagten wollen auf das komplette Zeugenprogramm verzichten, um den Prozess nicht zu verzögern. Der zu der Jugendstrafe von einem Jahr und acht Monaten Verurteilte habe ja bereits im ersten Prozess seine Fahrweise und damit seine Schuld am Tod eines 18-Jährigen eingeräumt, der damals nicht angeschnallt auf der Rückbank saß. Notfalls könne man die damaligen Zeugenaussagen über eine Verlesung einbringen, so die Anwälte.

Damit stieß die Verteidigung aber auf den Widerstand des Anklägers und auch der Richter. Man einigte sich schließlich darauf, fünf der Zeugen zu hören und die restlichen fünf abzuladen. Sie sollen am heutigen Dienstag gehört werden, ebenso der Sachverständige.

Im Vergleich zum ersten Prozess nichts geändert hat sich an dem Geständnis zum Prozessauftakt. Auch diesmal hat der 20-Jährige seine Schuld an dem Tod des 18-Jährigen zugegeben: Man habe sich in jener Halloween-Nacht zuerst mit Freunden in Gerlingen getroffen, dann habe er drei seiner Kumpel mit seinem Opel auf die Fahrt in die Feuerbacher Straße mitgenommen: „Wir sind da zu schnell gefahren“, sagt der angeklagte Unglücksfahrer aus. Sein Kumpel sei mit dessen Fahrzeug bereits rund 500 Meter vor ihm losgefahren, den wollte man noch einholen – statt der erlaubten 50 Stundenkilometer sei man eben über 100 gefahren. Der Angeklagte gibt an, er kenne die Straße, die habe er schon oft allein mit rund 100 km/h befahren, ohne dass etwas passierte. Doch in jener Nacht war das anders, denn ein entgegenkommendes Auto zwang ihn in der Kurve bei der Stadtbahn-Haltestelle, nach rechts auszuweichen.

An viele Einzelheiten erinnert sich der Angeklagte auch im zweiten Prozess nicht. Fest steht aber: In der Folge verlor er die Kontrolle, kollidierte mit einem Lichtmast, sein Auto wurde zurückgewiesen und prallte gegen eine Gartenmauer. Dort blieb das vollkommen zerquetschte Fahrzeug auf der Seite liegen. Zwei der Insassen wurden schwer verletzt. Ein 18-jähriger Freund, der auf der Rückbank saß, erlitt tödliche Kopfverletzungen und starb noch an der Unfallstelle. Der Fahrer selbst wurde nur leicht verletzt.

Info: Drei Verhandlungstage hat das Landgericht terminiert. Am 23. März will die Strafkammer ein Urteil fällen.

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