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Neue Haltungsform kommt ins Rollen

Drei Landwirte haben Bauanträge für mobile Hühnerställe in Nussdorf, Hemmingen und Markgröningen gestellt. Bei den Gemeinderäten fand das viel Zustimmung – doch ganz so einfach ist die Umsetzung in Baden-Württemberg nicht.

Auf den Flächen von Jürgen Pflugfelder steht seit vergangenem Sommer ein Hühnermobil, ein zweites soll dazukommen. Archivfoto: Andreas Becker
Auf den Flächen von Jürgen Pflugfelder steht seit vergangenem Sommer ein Hühnermobil, ein zweites soll dazukommen. Foto: Andreas Becker

Strohgäu. Hühner gehören eigentlich nicht unbedingt zu der Gruppe der Zugvögel. Doch in jüngster Zeit – und in Zukunft noch mehr – sieht man immer mehr von ihnen auf Wanderschaft. Mal sind sie auf einem Grundstück entlang eines Weges, am nächsten Tag wieder etliche Meter weitergezogen. Immer mit dabei: ihr Stall als sicherer Rückzugs- und Legeort. Denn der ist auf Rädern gebaut und kann jeweils dorthin versetzt werden, wo die Hühner wieder frisches Gras finden.

Das bringt nicht nur den Tieren und ihrer Legeleistung sowie der Eierqualität etwas, sondern auch den Grundstücken, weil die Pickerei und der Kot die Bodenfruchtbarkeit fördern. Argumente, die weitere Landwirte überzeugen: Allein in den vergangenen Wochen sind in drei Strohgäukommunen Bauanträge für die Aufstellung von Hühnermobilen gestellt worden – und für alle zumindest von den jeweiligen Gemeinderäten das Einvernehmen erteilt worden.

Nach Nussdorf kommt demnach ein solcher Stall für bis zu 232 (Bio) beziehungsweise 348 Tiere bei konventioneller Haltungsform, nach Markgröningen ins Gewann Schafwiesen/Steinböß ziehen bis zu 340. „Uns gefällt die Haltungsform. Und der Verbraucher fordert ja schließlich auch zu Recht eine tiergerechte Haltung ein“, begründet Michael Glaser die Wahl. Ebenso viele wie auf seine Flächen nach Markgröningen sollen bald zusätzlich ins Möglinger Kornfeld kommen, beantragt hat Jürgen Pflugfelder ein zweites Mobil schon mit dem ersten im vergangenen Jahr und war damit neu eingestiegen, verkauft werden die Eier direkt ab Hof. So macht es auch der Schulbauernhof Zukunftsfelder in Korntal seit anderthalb Jahren, und weil die „Eier-Vermarktung super läuft“, wie Andreas Abrell sagt, überlege man, ob man noch ein zweites Hühnermobil kauft.

Der Hemminger Haldenhof hingegen hat unlängst gleich zwei rollende Ställe beantragt, für je bis zu 464 Tiere. Damit kann man auch dort künftig Eier kaufen – schließlich sei die Versorgung derzeit nicht gedeckt, so Sven Müller. Gänzlich Neuland ist die Hühnerhaltung für den Hemminger nicht: Sie war Teil seiner landwirtschaftlichen Ausbildung, zudem ist seine Frau damit aufgewachsen, seine Schwiegereltern in Markgröningen haben ebenfalls zwei mobile Hühnerställe.

Das Mobil gilt als Immobilie

Was vor allem für ihn aber neu ist: Dass man für einen mobilen Stall einen Bauantrag stellen muss. „Das war relativ viel Arbeit“, sagt er. Arbeit, die aber noch nicht abgeschlossen ist, denn noch verhandelt er mit der zuständigen Stelle beim Landratsamt. Denn weil er für die Hühner eine insgesamt besonders große Fläche vorgesehen hatte, sollte er noch Ausgleichsmaßnahmen leisten und Büsche pflanzen, auch damit das Fahrzeug in der Landschaft nicht so präsent ist. „Wir wollen es aber eh extra in Grün kaufen“, so Müller.

Auch Michael Glaser aus Markgröningen war über die rechtliche Anforderung überrascht. „Viel bürokratischer Aufwand“ bedeute der Bauantrag – den es in einigen anderen Bundesländern gar nicht bedarf, wie er weiß. In Bayern brauchen kleine Varianten – so wie sie im Strohgäu gewollt sind – keinen Bauantrag, in Hessen ist das sogar größenunabhängig. Aber in Baden-Württemberg, ebenso in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, herrscht die Ansicht vor, dass der Stall ja überwiegend stationär sei. Denn, so definiert es das Landratsamt: „Ortsfest ist ein Hühnermobil dann, wenn es mit Geflügel bestückt und auf einem Grundstück abgestellt wird, das ganz oder in Teilen als Auslauffläche für die Tiere genutzt wird. Als bauliche Anlage bedarf das Hühnermobil daher einer Baugenehmigung.“ Das sei zudem sinnvoll, damit nicht jeder einfach irgendetwas aufstelle – zumal die mobilen Hühnerställe „häufig zweckmäßig umfunktionierte (See-)Container oder ähnliche in unserer Landschaft bisher untypische Baulichkeiten sind, die durchaus störend wirken können“.

Immerhin: Ausgleichsmaßnahmen forderte die Behörde von Glaser aufgrund der geringeren Größe nicht – allerdings wartet auch er noch auf die letztendliche Genehmigung durch das Landratsamt. Und das könne bis zu drei Monate dauern. Er hofft, dass es schneller geht, denn als Beitrag zu einer ökologischen Landwirtschaft gibt es für diese Art der Tierhaltung eine Förderung – der Antrag dafür muss, samt Genehmigung, im Oktober vorliegen. Allerdings hatte sein Korntaler Kollege länger darauf warten müssen, bei ihm sei es etwa ein halbes Jahr gewesen – weshalb Abrell nun bedauert, nicht gleich prophylaktisch ein zweites beantragt zu haben. Denn das Genehmigungsverfahren durch das Landratsamt sei aufgrund der zunächst geforderten Auflagen und der dann laufenden Verhandlungen so aufwendig gewesen, dass er zu einem Verantwortlichen gesagt habe: „Wenn das so weitergeht, mache ich nichts mehr für den Naturschutz.“

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