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Neue Linien für die Stadtbahn im Osten der Stadt Ludwigsburg

Noch wächst das Moos auf den Schienenbolzen zwischen Markgröningen und Ludwigsburg: Eineinhalb Jahre für die Bauzeit, viereinhalb Jahre für Planung und Genehmigung – so sieht der lange Weg bis zur Reaktivierung der alten Strecke aus. Foto: Jans
Noch wächst das Moos auf den Schienenbolzen zwischen Markgröningen und Ludwigsburg: Eineinhalb Jahre für die Bauzeit, viereinhalb Jahre für Planung und Genehmigung – so sieht der lange Weg bis zur Reaktivierung der alten Strecke aus. Foto: Jans
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Wo die Stadtbahn einmal fahren soll, darüber gingen (und gehen) die Meinungen auseinander. Immer wieder gab es alternative Vorschläge. Inzwischen steht die Linienführung fest – doch kurz vor Torschluss gibt es jetzt doch noch zwei wichtige Änderungen. Sie betreffen die Oststadt und Oßweil.

Ludwigsburg. Großes Aufgebot im Landratsamt. Landrat und Ludwigsburgs Oberbürgermeister demonstrieren Schulterschluss in Sachen Stadtbahn, mit dabei sind der Geschäftsführer des Zweckverbands Stadtbahn und der für Mobilität in Ludwigsburg zuständige Bürgermeister. Das gegenseitige Vertrauen geht so weit, dass sich Landrat Dietmar Allgaier, wie er beim Pressetermin sagt, „getrost vorzeitig verabschieden“ kann, weil ein dringender Zahnarzttermin anstand.

Bei der Stadtbahn sind sich Planer und Verwaltungen einig, was noch fehlt, ist die politische Entscheidung in Ludwigsburg, die noch vor der Sommerpause getroffen werden soll. Landrat und OB Matthias Knecht sind optimistisch, dass der Gemeinderat mehrheitlich mitzieht. Man habe viel Zeit und Kraft darin investiert, alle Problempunkte und offenen Fragen anzugehen. Aus den Reihen des Gemeinderats gebe es auch „klare Signale“. Die Entscheidung steht kurz vor der Sommerpause am 27. Juli an.

Neu ist, was jetzt noch kurz vor der Planungsvergabe im Sommer vorgelegt wird. Wie die LKZ berichtete, soll Alt-Oßweil nicht direkt angeschlossen werden. Mit Rücksicht auf den Einzelhandel, der drei Jahre Bauzeit verkraften müsste, und wegen der engen Kurve in der Ortsmitte. Durch diese könnte eine Stadtbahn nur quietschend fahren, „die Geräusche machen eine Gänsehaut“, so Mobilitätsbürgermeister Sebastian Mannl. Der Zweckverband hat das Anliegen geprüft und stimmt dem neuen Vorschlag zu. „Wir empfehlen das ausdrücklich“, so Frank von Meißner beim Pressegespräch. Die Anbindung des Gebiets Fuchshof wie auch die überbreiten Straßen (Kornwestheimer und Fellbacher Straße) seien ideal, auch werden genügend Wohngebiete und das Schul-, Sport- und Kulturareal in der Ortsmitte angeschlossen (siehe Grafik).

Neu ist auch die Änderung der Linienführung über die Oststraße. So soll eine Bahn vom Bahnhof nach Pattonville fahren, die zweite Linie aber im Endausbau über die Oststraße abbiegen und nach Oßweil fahren. Der Abschnitt Oststraße verursacht zusätzliche Kosten. Vorteil sei jedoch ein verdichteter Takt und die Anbindung von Oßweil an die Hindenburgstraße mit den dortigen Ämtern. Auch das empfiehlt der Zweckverband, beide Neuerungen sollen in die Planung einfließen.

Die innerstädtischen Äste der Stadtbahn werden allerdings auf sich warten lassen. So detailliert schon die Strecke definiert wird, politisch wird es vorerst nur einen Beschluss für die Reaktivierung der Strecke Markgröningen-Ludwigsburg geben, ebenso für die Strecke vom Bahnhof Ludwigsburg nach Pattonville. Die innerstädtischen Linien sind bei CDU und Freien Wählern noch umstritten. Sie werden jedoch als „Option“ aufgenommen, könnten zu einem späteren Zeitpunkt beschlossen und gebaut werden.

Das Vorgehen wird als „Stufenkonzept“ gesehen, die ersten zwei Maßnahmen werden als Stammstrecke bezeichnet. Im ersten Schritt wird auf der reaktivierten Strecke auch noch keine Straßenbahn fahren, sondern ein Zug. Als Zeitpunkt für den Betriebsstart wird weiterhin mit dem Jahr 2028 gerechnet. Erst im zweiten Schritt bis 2032 wird Pattonville angebunden, dann wird auch eine Straßenbahn eingesetzt. Schwieberdingen mit dem dortigen Gewerbepark soll dann bereits eingetaktet sein. Die innerstädtischen Äste sind für die Zeit danach vorgesehen.

EU-weite Ausschreibung noch diesen Sommer

Sobald der Ludwigsburger Gemeinderat zustimmt, können Vorplanungen beauftragt werden. Die Kosten belaufen sich auf zwei bis drei Millionen Euro. Dabei werden technische Entwürfe für die Trasse erstellt, auch wird definiert, wo Haltestellen und Umstiege sein werden. „Man hat dann ein konkretes Bild, wie die Stadtbahn fahren wird“, so von Meißner. Diese Angaben benötigt man auch für die Nutzen-Kosten-Berechnung, also die Frage, ob die Bahn wirtschaftlich betrieben werden kann. Von Meißner ist da zuversichtlich, auch wegen des Aspekts Klimaschutz werde die Bewertung wohl besser ausfallen als bisher angenommen.

Die Finanzierung durch den Bund sei besser als je zuvor, betonte er. „Die Gelder sind sicher, das ist kein Himmelfahrtskommando“, sagte er mit Blick auf dieses für Stadt und Landkreis gigantische Investitionsprojekt. Will heißen, dass der Bund genug vorhält und die Planungen in Ludwigsburg nicht umsonst gemacht werden.