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Neue Schlosspläne vertreiben die Kunst

Nach über einem Vierteljahrhundert muss die Hochdorfer „Galerie im Kunsthof“ schließen. Die neuen Besitzer wollen die Scheuer, im Gegensatz zur ersten Planung, einer anderen Nutzung zuführen.

„Geöffnet“ ist die Galerie im Kunsthof nur noch einmal, am nächsten Wochenende – danach hoffen die fünf Künstlerinnen, woanders unterzukommen. Foto: Susanne Müller-Baji
„Geöffnet“ ist die Galerie im Kunsthof nur noch einmal, am nächsten Wochenende – danach hoffen die fünf Künstlerinnen, woanders unterzukommen. Foto: Susanne Müller-Baji
Das Schloss wird schon seit Monaten umgebaut. Foto: Alfred Drossel
Das Schloss wird schon seit Monaten umgebaut. Foto: Alfred Drossel

Eberdingen. Das Ensemble war jahrzehntelang wohl die idyllischste Ecke Hochdorfs, ganz sicher aber die bunteste: die historische Schloss-Scheuer mit der „Galerie im Kunsthof“, das benachbarte Atelier und die Kastenscheuer gegenüber. Letztere wird bereits seit geraumer Zeit nicht mehr kulturell genutzt. Jetzt kommt das Aus für Kunsthof und Atelier: Beide wurden zusammen mit dem Hochdorfer Schloss verkauft, und entgegen den ursprünglichen Zusagen wurde der Hauptmieterin Renate Leidner und ihren Künstlerkolleginnen nun gekündigt.

Die „Matini Verwaltungs-GmbH & Co. KG“ als neue Besitzerin des Hochdorfer Schlosses informiert in dem Schreiben, man beabsichtige, auch die Scheuer „umfassend zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen“. Hinter der Firmierung verbirgt sich das Unternehmerehepaar Dr. Nicola Leibinger-Kammüller und Dr.-Ing. Mathias Kammüller und damit der Laser-Konzern Trumpf, dessen Pressestelle bei Nachfrage zurückmeldet: Man beabsichtigte, das Schloss zum Sitz der Berthold-Leibinger-Stiftung zu machen und es „für repräsentative Zwecke und Schulungen“ zu verwenden. Bislang hat man dazu die Ministerpräsidentenvilla auf der Solitude angemietet, die weder der jetzige Amtsinhaber noch sein Vorgänger in Anspruch genommen haben (wir berichteten).

Beim Erwerb des Schlosses hatte man noch wenig Interesse an der zugehörigen Schloss-Scheuer bekundet. Zwischenzeitlich habe eine Bestandsaufnahme der Bausubstanz aber gravierende Mängel ergeben, die einer umfassenden, mindestens zweijährigen Sanierung bedürfen. Für die Künstlerinnen um Hauptmieterin Renate Leidner kommt das Ende unerwartet und vor allem nach eineinhalb finanziell kritischen Pandemiejahren, während der man nur mit Einschränkungen hatte öffnen können. Wegen der fehlenden Beheizbarkeit der Räume endet die Ausstellungssaison Ende Oktober. Diesmal wird aber aus der Finissage am kommenden Wochenende ein Abschiedsfest.

Damit endet auch die Geschichte des bei Ausflüglern sehr beliebten Hochdorfer Kunstwinkels. Denn auch die gegenüber gelegene historische Kastenscheuer, die vormalige Galerie des 2019 verstorbenen Malers Wolfgang Lämmle, wird ebenfalls nicht mehr kulturell genutzt. Auch dort hatte es kurz den Versuch einer Produzentengalerie gegeben, also einer von den ausstellenden Künstlern selbst betriebenen Galerie. Das Vorhaben wurde aber nach wenigen Wochen wegen der mangelnden Sicherheit im Brandfall gestoppt.

Peter Schäfer, Bürgermeister von Eberdingen, zeigt sich wenig interessiert am Wegfall gleich mehrerer Ausstellungsräume in Hochdorf: „Das ist Sache der jeweiligen Eigentümer.“ Die Künstlerinnen haben daher das Gespräch mit Matini gesucht; an der Kündigung konnten sie freilich nichts ändern. „So begrüßenswert es ist, dass durch die umfassende Sanierung ein in Württemberg fast einmaliges Ensemble erhalten bleibt, so traurig sind wir, dass eine weitere Nutzung bei unter Umständen jahrelangen Arbeiten für uns nicht mehr möglich ist“, schreiben sie in der Einladung zum Abschiedsfest.

Nach über 25-jähriger Ausstellungstätigkeit in der Schloss-Scheuer sucht das Team – Renate Leidner, Veronika Laussecker-Hoffman, Margit Schnorr-Gutmann, Ingrid Lemke und Brigitte Krüger – nun nach neuen Räumen in der Region: „Wir sind dankbar für jeden Hinweis, der es uns fünf Künstlerinnen zu annehmbaren Bedingungen ermöglicht, unsere Werke in einer neuen ‚Galerie im Kunsthof‘ auszustellen.“ Auch wenn die wohl nicht mehr so malerisch sein wird wie bisher.

Info: Die Galerie im Kunsthof, Hemminger Straße 4, ist am Samstag, 30. Oktober, noch einmal von 13 bis 17 Uhr geöffnet, am Sonntag, 31. Oktober, von 11 bis 17 Uhr. Info und Kontaktaufnahme: www.galerie-im-kunsthof.de.

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