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Neue Sirenen und ein Krisenplan

Mehrere Standorte in Oberstenfeld

Sirenen können vor schlimmen Ereignissen warnen. Foto: dpa/Jens Büttner
Sirenen können vor schlimmen Ereignissen warnen. Foto: dpa/Jens Büttner

Oberstenfeld. Starkregen, Terroranschläge, große Unfälle, Stromausfälle und Pandemien: Die Liste möglicher Katastrophenszenarien ist lang und unvorhersehbar. Die Gemeinde will nun einen Krisenplan für den Katastrophenschutz erstellen. Auslöser war ein Antrag der Freien Wähler, auf dem Rathaus eine Sirene zur Bevölkerungswarnung zu installieren und ein Konzept auszuarbeiten.

Katastrophenschutz ist genau wie Brandschutz operativ originäre Aufgabe der Gemeinden und des Kreises. Integrierte Leitstellen organisieren die Einsätze der Feuerwehren und der privaten Rettungsdienste wie Deutsches Rotes Kreuz oder Technisches Hilfswerk. Die Gemeinde muss Katastrophenschutzstäbe aufbauen, diese mit ausgebildeten und geübten Personen besetzen und entsprechende Pläne erarbeiten.

Themen für das Konzept sollten sein die Krisenplanung mit Blick auf die ortstypischen Besonderheiten, der Krisenprozess von der Handlungsfähigkeit der Personen bis hin zu Alarmierung und Evakuierung, die Krisenkommunikation zur Prävention, aber auch als Analyse sowie szenarioorientierte Maßnahmen: Für einen Stromausfall gilt ein anderes Handlungsmuster als für ein Starkregen-Ereignis.

Um alle Einwohner von Oberstenfeld warnen zu können, benötigt es laut Einschätzung von Hauptamtsleiter Hansjörg Neumann und Feuerwehrkommandant Jürgen Beck eine Sirene auf dem Rathaus und zwei weitere in Oberstenfeld, zwei in Gronau und eine auf dem Kindergarten Prevorst. „Eine Sirene kostet 12000 Euro, in Gronau sind aber bereits zwei vorhanden“, informierte Neumann den Gemeinderat in der Sitzung am Donnerstagabend.

Ob es Fördermittel gebe, wollte der Gronauer Ortsvorsteher Eberhard Wolf wissen. Aus eigener Erfahrung konnte er zudem berichten, dass die Sirenen durchaus hörbar seien: „Wir in Gronau hören die Sirenen aus den benachbarten Teilorten Beilsteins.“

Ganz besondere Erinnerungen an Sirenen hat Hanns-Otto Oechsle (SPD). Früher habe die Schicht bei Werzalit um 7 Uhr begonnen. Die Sirene, die darauf hinwies, habe man überall gehört. „Das hat schon Tragweite“, betonte er. Deshalb brauche man vielleicht doch nur zwei in Oberstenfeld. Und als besonderer Sparfuchs ging er sogar noch einen Schritt weiter: Vielleicht habe Werzalit die Sirene ja noch und die Gemeinde könne sie bekommen. Als Lehrer habe ihn der Lärm um diese Uhrzeit nicht aus dem Bett geschreckt, scherzte Bürgermeister Markus Kleemann. Abgesehen davon wolle die Gemeinde es richtig machen und mit der notwendigen Anzahl von Sirenen planen. Sirenen seien zudem sicherlich beständig, aber sie müssten auch den neuesten Anforderungen gerecht werden, so dass er die Auferstehung der Werzalit-Sirene doch infrage stellte. Michael Meder begründete als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler nochmals den Antrag: Neben den Wetterkapriolen und dem schiefgegangenen Bundeswarntag, wo man vielerorts nichts hörte, erinnerte er auch an den Chlorgas-Unfall im Freibad, als man Glück hatte, dass erstens wenig Wind ging und dieser das Gas von der Bebauung wegtrieb. „Da ist eine Sirene schneller als eine Feuerwehralarmierung“, sagte er. Und manchmal falle eben auch das Handynetz aus. Darauf wies auch Erich Scheer (SPD) hin: Eine Sirene habe eine geringe Aussagekraft. „Man weiß nicht, ob man das Fenster aufmachen muss, um zu gucken, was los ist, oder ob man es besser zu lässt, wie beim Chlorgas.“ Man brauche sicherlich eine Kombination mit den modernen Medien, damit die Bürger wüssten, was sie tun müssen. Andreas Fender (Freie Wähler) riet dazu, sich auf die Experten zu verlassen: Die wüssten nicht nur, welche Sirenen man brauche, sondern auch, wo der beste Standort sei.

Zum Abschluss der Diskussion mahnte Michael Schilpp (CDU): „Ein Krisenplan muss auch umgesetzt werden. Man muss dem Plan auch folgen.“

Hintergrund: Im Kreis gibt es einige Gemeinden, die keine Sirenen mehr besitzen: Ludwigsburg, Kornwestheim, Korntal-Münchingen, Marbach, Vaihingen, Ditzingen, Freiberg und Oberstenfeld (außer Gronau und Prevorst) sowie in Bietigheim-Bissingen die Ortsteile Bissingen und Untermberg. Eberdingen ist mit seinen Sirenen nicht ans allgemeine Katastrophenalarmnetz angeschlossen, sondern kann diese nur für die Alarmierung der örtlichen Feuerwehr einsetzen. In diesen Orten wird nach Angaben des Landratsamts die Bevölkerung im Ernstfall mit Lautsprecherdurchsagen informiert.

Die Stadt Großbottwar hat jüngst mit Experten der EnBW ein Krisenhandbuch erarbeitet. Es soll helfen, wenn der Strom über längere Zeit ausfällt.

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