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Neuer Fahrplan sorgt weiter für Verdruss

Von Mitte Dezember an haben Bahnpendler, die morgens vom nördlichen Landkreis in Richtung Stuttgart wollen, drei Züge weniger zur Auswahl. Das sorgt, wie berichtet, für viel Kritik. Der Besigheimer Gemeinderat hat jetzt eine Resolution verabschiedet: Die entfallenen Halte sollen mittelfristig wieder in den Fahrplan aufgenommen werden. Die Chance dafür ist gering.

Besigheim/Walheim/Kirchheim. Die Pendler, die auf die Frankenbahn angewiesen sind, haben in der Vergangenheit immer wieder ihre Leidensfähigkeit unter Beweis stellen müssen: Mal gab es Ärger wegen Ausfällen und Unpünktlichkeit, mal wegen überfüllter und nicht klimatisierter Züge. Und jetzt? Jetzt fallen zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember in den frühen Morgenstunden gleich drei Halte dauerhaft weg. Wer beispielsweise von Besigheim aus in Richtung Stuttgart möchte, hat zwischen 6.17 und 7.40 Uhr nur noch drei Fahrtmöglichkeiten, bislang sind es sechs. Die Züge des Betreibers Go-Ahead um 6.29 Uhr, um 6.58 Uhr und um 7.35 Uhr fahren künftig zwar weiterhin durch Besigheim, doch sie halten dort nicht mehr. Von der Streichung der Zughalte sind auch Nordheim, Lauffen, Kirchheim und Walheim betroffen (wir berichteten).

Und in den dortigen Kommunen ist der Unmut darüber groß – vor allem auch mit Blick auf die Pandemie: Denn je weniger Züge zur Auswahl stehen, desto enger wird es in den Waggons. Ähnlich formulierte es auch Besigheims Bürgermeister Steffen Bühler in seinem Schreiben an Verkehrsminister Winfried Hermann, dessen Haus für die Fahrplanänderungen verantwortlich ist: Die Entscheidung, drei Halte zu streichen, passe in keinster Weise in die coronabedingten besonderen Verhältnisse unserer Zeit, „weil dann die Leute in den Zügen noch dichter gedrängt stehen werden und es noch mehr als seither zu Infektionen kommen könnte“. Das Verkehrsministerium sieht das jedoch anders. „Anhand von tatsächlichen Fahrgastzahlen wurde geprüft, inwieweit es durch die Umstrukturierung der Regionalzüge zu einer Überlastung kommen könnte. Die war nicht nachweisbar. Abgesehen von tagesspezifischen Nachfragespitzen“, teilt Edgar Neumann, Leiter der Pressestelle des Ministeriums, auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Die Auslastung der Frankenbahn-Züge liege in den Stoßzeiten bei etwa 80 Prozent – „durch die Umstrukturierung wird es nur zu Verlagerungen kommen“.

Wieso es überhaupt zu den Änderungen im Fahrplan kommt, erläutert der Behördensprecher folgendermaßen: „Zwischen Heilbronn und Stuttgart verkehren mit dem RE (Würzburg–Heilbronn–Stuttgart) tagsüber Expressverbindungen, die lediglich in Bietigheim und Ludwigsburg halten und eine attraktive Reisezeit bieten. In der morgendlichen Hauptverkehrszeit war dies in den vergangenen Jahren allerdings nicht so, es verkehren bislang vor 8 Uhr ab Heilbronn nur Züge mit Halt an allen Stationen zwischen Heilbronn und Bietigheim, teilweise im Abstand weniger Minuten. Das wird oft kritisiert.“ Das heißt: Üblicherweise legen die Regionalexpress-Züge (RE) nur wenige Zwischenstopps ein, das ist derzeit aber morgens zwischen Heilbronn und Stuttgart anders. Die Reisezeit für die Pendler ist dann also länger. Deswegen sollte jetzt die Anbindung von Heilbronn an Stuttgart im morgendlichen Berufsverkehr wieder attraktiver werden und die Zwischenhalte sollen wegfallen – „für die Unterwegshalte verbleibt der attraktive Halbstundentakt“. Dies sei der für solche Verbindungen vorgesehene Standard; etwa alle 30 Minuten stoppt in Kirchheim, Walheim und Besigheim ein Zug. Im abendlichen Pendlerverkehr gebe es keine Änderungen, dort bestehe bereits die Mischung aus halbstündigen Zügen mit allen Halten ab Bietigheim und Expresszügen ohne Halt zwischen Bietigheim und Heilbronn.

Doch gerade das Argument der Zeitersparnis für die Pendler aus Würzburg/Heilbronn sehen Kritiker mit Skepsis und widersprechen. Die Zeitersparnis durch die fünf wegfallenden Haltepunkte auf der Strecke von Lauda beziehungsweise Neckarsulm nach Stuttgart liege in zwei Fällen bei null Minuten und in einem Fall bei einer Minute. Das sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Achim Schober am Dienstagabend im Verwaltungsausschuss des Besigheimer Gemeinderats. Er legte eine Resolution vor, mit der sich der Gemeinderat dafür einsetzt, dass das zuständige Verkehrsministerium und die Nahverkehrsgesellschaft kurz- und mittelfristig Lösungen präsentieren, um die von Mitte Dezember an geltende Situation zu verbessern.

Konkret werden darin Ministerium und Verkehrsgesellschaft aufgefordert, Nachbesserungen vorzunehmen. „Aus Gründen des Gesundheitsschutzes während der aktuellen Coronapandemie fordert der Gemeinderat zum Start des neuen Fahrplans auf der Frankenbahn kurzfristig zwischen 6 und 8 Uhr eine Kompensation durch verlängerte Züge oder Sonderzüge mit Halt in Besigheim, um die Kapazität zu erhöhen und damit einen größeren Abstand zwischen den Bahnfahrerinnen und Bahnfahrern zu ermöglichen“, steht in der Resolution, die einstimmig beschlossen wurde. Das Unverständnis über die Streichung ist groß. Helmut Fischer (BMU) hatte sich in den vergangenen Tagen ans Ministerium und die Nahverkehrsgesellschaft gewandt, um zu erfahren, „wie so etwas passieren konnte“. Eine Antwort habe er allerdings noch nicht erhalten. Der Verkehrsausschuss des Landtags sei in solche Entscheidungen nicht involviert – „unsere Landtagsabgeordneten waren auch sehr überrascht“.

Der Besigheimer Gemeinderat fordert zudem, dass die entfallenen Halte mittelfristig wieder in den Fahrplan aufgenommen werden. Auch Bürgermeister Bühler bat zuvor in seinem Brief an den Verkehrsminister, dass die vorgesehenen Streichungen nicht umgesetzt beziehungsweise so schnell als irgend möglich rückgängig gemacht werden. Das dürfte jedoch kaum möglich sein. „Die Entscheidung ist definitiv und es sind keine Änderungen mehr vorgesehen“, teilt das Verkehrsministerium auf Nachfrage unserer Zeitung mit und verweist auf die höhere Betriebsstabilität und die vorhandenen Züge, die nur wenige Minuten versetzt abfahren.

Info: Seit Mittwoch gibt es eine Online-Petition, die sich dafür einsetzt, die drei Zughalte zwischen Heilbronn und Bietigheim umgehend wieder in den Fahrplan aufzunehmen. „Nur so können die dringend benötigte Kapazität und der notwendige Schutz der Gesundheit gewährleistet werden“, teilen die Initiatoren mit. Die Petition ( www.openpetition.de/fahrplanwechsel) auf den Weg gebracht haben Christian Schäuffele (Bietigheim-Bissingen), CDU-Landtagsabgeordneter Fabian Gramling (Bietigheim-Bissingen), Tobias Vogt (Kirchheim), Achim Schober (Besigheim) sowie die Bürgermeister Steffen Bühler (Besigheim), Uwe Seibold (Kirchheim), Klaus-Peter Waldenberger (Lauffen) und Volker Schiek (Nordheim) sowie Bürgermeisterin Tatjana Scheerle (Walheim).

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