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Neuer Radweg in der Oststraße in Ludwigsburg verdrängt 19 Parkplätze

Die Markierungen für die Autos, die halb auf dem Gehweg in der Oststraße parken konnten, sind noch zu sehen. Alles musste zugunsten des neuen Radwegs weichen. Foto: Holm Wolschendorf
Die Markierungen für die Autos, die halb auf dem Gehweg in der Oststraße parken konnten, sind noch zu sehen. Alles musste zugunsten des neuen Radwegs weichen. Foto: Holm Wolschendorf
Der neue Radweg in der Oststraße zwischen Alt-Oßweiler-Weg und Fuchshofstraße kommt nicht bei allen gut an. Einige Anwohner sind verärgert, dass zahlreiche Parkplätze – scheinbar – alternativlos weggefallen sind.

Ludwigsburg. Dass die Parkplätze in der Oststraße zugunsten eines Radwegs in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ weggekommen sein sollen – was ein Leser gegenüber unserer Zeitung so formuliert hat, stimmt so nicht. Ein Schreiben mit Hinweisen auf Alternativparkmöglichkeiten sei am 1. Juli den betroffenen Anliegern sogar in die Briefkästen gesteckt worden, erklärt Bürgermeister Sebastian Mannl auf Anfrage. Die neuen Markierungen sind am 8. September angebracht, die alten unlängst entfernt worden. Ein paar Reste zeugen von der einstigen Möglichkeit, das Auto wenigstens halb auf dem Gehweg parken zu können.

Radverbindung stößt nicht bei allen auf Verständnis

Es habe seitens der Stadt eine Abfrage gegeben, wie ein Kind in die neue Fuchshofschule kommt, bestätigt eine Anwohnerin. „Mein Kind besucht die vierte Klasse und würde zu Fuß hingehen“, erzählt sie. „Wir haben es ja nicht weit.“ Sie selbst habe zwar kein eigenes Auto, ergänzt die Mutter, dennoch finde sie es schade für „diejenigen, die bislang kostenlos vor der Haustüre parken konnten“.

Ja, vor etwa acht Wochen seien die Anwohner von der Stadt darüber informiert worden, dass die Parkplätze zugunsten eines Radwegs wegkommen würden. „Wann das allerdings sein wird, das hat niemand so richtig gewusst“, meint ein Mann, der aus dem Mehrfamiliengebäude kommt und zum Mülleimer geht. „Ich find’s beschissen“, gibt er offen zu. Wenn es nach ihm ginge, sollten die Radfahrer auf der Straße fahren – ebenso die Schüler.

Stadt will keinen gemeinsamen Weg für Fußgänger und Radfahrer

Die Frage, ob das nicht gefährlich sei, bejaht er, räumt aber ein: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand im Krankenhaus landet.“ Der Mann deutet auf die Parksituation beim gegenüberliegenden Lebensmittelgeschäft. „Wenn da ein Auto oder Transporter rückwärts fährt, gleichzeitig aber ein Radfahrer oder Kind vorbeifährt, dann wird’s lustig.“ Eine andere Lösung, den Radweg betreffend, hätte er besser gefunden. Und welche? „Der Gehweg hier ist breit genug. Da hätte ein Streifen für die Radfahrer markiert werden können.“ Nein, das hätte nicht funktioniert, widerspricht Mannl: „Der Fußweg ist 2,50 Meter breit. Das ist relativ viel. Aber es geht hier zudem um Barrierefreiheit oder wenn ein Rollator auf einen Kinderwagen trifft. Eine Mischnutzung wollten wir hier nicht.“

Er sei auf sein Auto angewiesen, arbeite in Hemmingen, ärgert sich der Anwohner, „es ist umständlich, mit dem Bus dorthin zu fahren“. 120 Euro pro Jahr bezahle er für den Bewohnerparkausweis. „Hier gibt es kaum Stellplätze, geschweige denn Tiefgaragen“, regt er sich auf, „manchmal muss ich ewig suchen, bis ich einen Parkplatz gefunden habe“ – oder er stelle sein Auto in der Fuchshofstraße ab, und „das ist auch nur noch eine Frage der Zeit, bis das erlaubt ist“.

Lediglich 19 Parkplätze sind weggefallen

Dem stimmt ein weiterer Anwohner zu. Er parke sein Auto immer irgendwo, wo „halt frei ist“ – ohne Anwohnerparkausweis, und ja, er riskiere es, einen Strafzettel zu bekommen. Den Radweg in dieser Form auf der Oststraße eingerichtet zu haben, halte er „für sehr gefährlich, da die Radler oft im Pulk fahren und die Straße gerade von Lkws stark frequentiert“ sei. Ob es hier allerdings so viele Radfahrer gebe, zweifelt der Mann an, wird aber eines Besseren belehrt: „Es gibt eine Zählstelle, die im Boden eingelassen worden ist. Täglich radeln hier rund 1000 Menschen durch“, sagt Sebastian Mannl und fügt hinzu, dass lediglich 19 Parkplätze weggefallen seien. Zudem gebe es eine Parkalternative hinter dem Stadionbad. Die Parkraumbewirtschaftung ende zwar an der Oststraße. Bürger, die vom Wegfall der kostenlosen Parkplätze betroffen seien, könnten ihr Auto auch „mal in der Senefelder oder Gutenbergstraße abstellen“, fügt Mannl hinzu.

Öfter mal aufs Auto verzichten und Rad fahren

Formal sei der aktuell eingerichtete Radschutzstreifen – wie er offiziell heißt – ein Provisorium, bestätigt Mannl. Wenn es mit der Aufsiedlung des Fuchshofquartiers weitergeht, fällt der Feldweg zwischen Alt-Oßweiler-Weg und Fuchshofstraße weg und wird zur Baustraße. „Die Hauptachse für die Radler aus Schlösslesfeld soll über die Oststraße zur Friedrich-Ebert-Anlage geführt werden.“

Sie könne die Aufregung um die weggefallenen Parkplätze nicht nachvollziehen, meint eine Mutter, die ihre Tochter von der Justinus-Kerner-Schule abgeholt hat. „Wir beschweren uns, dass sich die Kinder heutzutage zu wenig bewegen. Wir wollen was fürs Klima tun und suchen nach Einsparmöglichkeiten im Energiebereich. Vielleicht sollten manche aufs Auto verzichten und auch aufs Rad umsteigen oder zu Fuß gehen.“

Die Kosten

325000 Euro für neue Rad- und Gehwege

Die Anbindung der neuen Grundschule in der Fuchshofstraße hat – laut Fachbereich Tiefbau und Grünflächen – insgesamt rund 325000 Euro gekostet. Davon entfallen etwa 30000 Euro auf den Fußgängerüberweg und rund 70000 Euro für den nördlichen Gehweg in der Fuchshofstraße selbst. Den Knotenpunkt am Berliner Platz mit zusätzlicher Fußgängerfurt zu versehen sowie mit Aufstellflächen für die Radler zu vergrößern, schlägt mit rund 70000 Euro zu Buche, einen Gehweg entlang des Ludwig-Jahn-Stadions einzurichten kostet rund 20000 Euro. Die Änderungen des Knotenpunkts Alter Oßweiler Weg kosten rund 30000 Euro; auf die Asphaltarbeiten sowie die Fahrbahnmarkierungen in der Oststraße entfallen rund 105000 Euro. (red)