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Neuer Vorschlag: Ludwigsburger Stadtbahn-Linie soll an Alt-Oßweil vorbei

Die Debatte um die Linienführung für die Stadtbahn hört nicht auf, erneut gibt es einen Vorschlag, der so bislang nicht auf dem Tisch lag. Die FDP möchte, dass durch Alt-Oßweil keine Schiene führt, sondern seitlich am Ortskern vorbei. Das wird jetzt geprüft.

In Ulm fährt die neue Linie inzwischen. In Ludwigsburg muss noch entschieden werden, wo eine Bahn überhaupt fahren könnte. Foto: privat
In Ulm fährt die neue Linie inzwischen. In Ludwigsburg muss noch entschieden werden, wo eine Bahn überhaupt fahren könnte. Foto: privat

Ludwigsburg. Noch vor dem Sommer braucht die Stadt Ludwigsburg eine Entscheidung, wie denn nun die Stadtbahn, die auch Straßenbahn genannt werden kann, durchs Stadtgebiet geführt werden soll. Erst dann kann das Projekt angemeldet werden und hat eine Chance auf Verwirklichung. Frank von Meißner, der Experte im Zweckverband Stadtbahn, hatte stets in den Kommunen und insbesondere in der Barockstadt darauf gedrängt, sich nicht in weiteren Alternativen und Streckenführungen zu verheddern.

Erst jüngst ist der sogenannten Knecht-Linie beim Salonwald, die Ludwigsburgs OB ins Gespräch gebracht hatte, ad acta gelegt worden. Doch die FDP macht ein neues Fass auf – das bislang bei den Planern nicht im Blick war und nun durchaus „ernsthaft und mit Wohlwollen“ geprüft werden soll, wie es FDP-Fraktionschef Jochen Eisele formuliert. Noch wird das Thema beim Zweckverband unterm Tisch gehalten, bei einer Bürgerinfo der Liberalen im Evangelischen Gemeindezentrum in Oßweil hielt man damit nicht hinterm Berg.

„Es ist nicht nur schwer vorstellbar, wie die Stadtbahn in der Ortsmitte um die enge Kurve herumkommt“, so Stadtrat Sebastian Haag. Man dürfe auch nicht vergessen, was die lange Bauzeit im Ort anrichten würde. Dass die Linienführung für Ludwigsburg und insbesondere für Oßweil nicht einfach ist, machte auch Eisele deutlich.

Bauphase wäre für die Geschäfteim Ort schwierig

Das alte Oßweil habe einen gut funktionierenden Ortskern, die Geschäfte reihen sich hier an der Straße entlang: Schuhgeschäfte, Elektrohandel, Supermärkte. Auch eine Tankstelle ist dabei, die laut Eisele bei einer Bauzeit von drei Jahren für die Stadtbahn auf der Innenstadtlinie Schwierigkeiten bekomme. „Ein Zeitraum, der für eine Tankstelle, aber auch die anderen Geschäfte verheerend ist“, so Eisele. Abgesehen vom Platz in der schmalen Straße würde der Ortskern enorm leiden.

Die Lärmbelästigung, so versichern Bahnexperten, sei gering, berichtete Eisele auf Nachfrage eines Zuhörers. Allerdings habe man eingeräumt, dass die Straßenbahn in der engen Kurve im Ortskern durchaus quietschen würde.

Der Vorschlag der Liberalen: Sie wollen die Stadtbahn wie geplant durch die Schorndorfer Straße fahren lassen, allerdings nur bis zum Kreisel Comburgstraße am Ortseingang und nicht mehr durch die Ortsmitte. Sie soll auf Höhe des Areals, auf dem ein Wohnblock mit Hochhaus und Einkaufsmöglichkeiten gebaut werden soll, in Richtung Fuchshofstraße abbiegen und von dort über die Kornwestheimer und Fellbacher Straße weitergeführt werden.

Oberbürgermeister Matthias Knecht bestätigte auf der Bürgerinfo, dass dies geprüft werde, Ende Mai sollen die Details vorgestellt werden. „Mit dieser Lösung am alten Ortskern vorbei könnte Oßweil ein Stück weit aufatmen“, sagte er. Mit der von der FDP neu vorgeschlagenen Strecke würden ebenfalls ausreichend Wohngebiete erschlossen. Auch künftige Wohngebiete, wie aktuell der Fuchshof oder das Gebiet Oßweil Süd-Ost in Verlängerung der Fellbacher Straße, das als eine der Ludwigsburger Erweiterungsflächen gilt.

Auf die Frage eines Teilnehmers, ob man bei der guten Andienung durch Busse überhaupt eine Stadtbahn in Richtung Oßweil benötige, fiel die Antwort zweischneidig aus. Ohne den innerstädtischen Ast wäre es eine „An-der-Stadt-vorbei-Bahn“, so Eisele, das wolle man nicht. Andererseits sei man nicht verpflichtet, diese Linie zu bauen.

Zunächst wird bekanntlich die Strecke Markgröningen-Ludwigsburg reaktiviert, dies soll bis 2028 erfolgen. Bis 2032 wären die Innenstadtstrecken dran, an erster Stelle die Verlängerung über die Hindenburgstraße nach Grünbühl und Pattonville. Erst im dritten Schritt wäre die Linie nach Oßweil und ins Schlösslesfeld vorgesehen.

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