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Neues Aushängeschild für die Begabtenförderung

Stolz auf die neue Hector-Kinderakademie (von links): Petra Simmat vom Kultusministerium, Eberhard Kammerer, Thomas Schäfer und Konstanze Aßmann für die Grundschule und Monika Lichtenfeld vom Schulamt. Foto: wo
Stolz auf die neue Hector-Kinderakademie (von links): Petra Simmat vom Kultusministerium, Eberhard Kammerer, Thomas Schäfer und Konstanze Aßmann für die Grundschule und Monika Lichtenfeld vom Schulamt. Foto: wo
In Hemmingen ist die kreisweit vierte Hector-Kinderakademie feierlich eröffnet worden. Sie will den Wissensdurst von Grundschulkindern stillen.

Hemmingen. Ein Auto nähert sich der Einfahrt eines Parkhauses, die Schranke geht hoch, die Belüftung und Beleuchtung gehen in der Folge ein. Dazu gibt es die fachmännische Erklärung, was gerade geschieht – durch einen kleinen Jungen. Denn der Grundschüler sitzt gerade in einer besonderen Unterrichtsstunde: in einem Kurs der nach den Herbstferien neu an den Start gegangenen Hector-Kinderakademie in Hemmingen. Und die wurde am Montag eröffnet.

Der Stolz darüber ist den Geschäftsführern der kreisweit vierten und landesweit 67. Einrichtung der Begabtenförderung, der Grundschulrektorin Konstanze Aßmann und ihrem Vorgänger Eberhard Kammerer, deutlich anzumerken. Zwei Jahre sind seit der Anfrage durch das Schulamt vergangen, um für das stark nachgefragte Angebot nach Marbach, Bissingen und Ludwigsburg eine nahegelegene Möglichkeit für Kinder im Süden des Kreises zu schaffen – und eben mehr Plätze für diejenigen, die von ihren Lehrern ausgewählt werden. Viel Arbeit haben die beiden Hemminger seitdem geleistet – „aber die strahlenden Augen“ der Kinder hätten gezeigt, dass sich das gelohnt habe, so Aßmann. Etwa, als sie – jeweils in Kleingruppen maximal zu zehnt – schon mal mit Thomas Knopf, Leiter des Keltenmuseums, ein Miniskelett ausgraben durften, oder erste englische Begriffe mit einer Australierin lernten. Stolz zeigt Aßmann die Liste der Kurse, die von Mathematik über Programmierung mit Roland Oberle, der mit den Kindern das Parkhaus simuliert, bis zum Thema Luftfahrt, von der Trickfilmproduktion bis zum Schach mit einer Großmeisterin reichen.

Als sie für die Geschäftsführung angefragt wurde, habe sie gerade ganz frisch die Verantwortung für die Schule übernommen. Doch nicht ohne Grund wurde der Neuling gefragt, Aßmanns Begeisterung und Qualitätsanspruch seien bekannt, so Monika Lichtenfeld vom Schulamt. Zudem sei der Standort „vom allerfeinsten ausgestattet“. Denn ursprünglich war das Gebäude Heimat einer Werkrealschule, und verfügt damit auch über laut Aßmann „gigantische Räume“ für den naturwissenschaftlichen Unterricht, der im Hector-Programm den Großteil einnimmt. Und weil man keine Ganztagsschule sei, habe man auch den nötigen Platz.

Kooperation mit Universitäten

Vorbereitet wurden die 25 Kursleiter zum einen durch Workshops an der Schule, für die Leiter der „Core-Kurse“ – inhaltlich noch einmal eine Steigerung – auch in Zusammenarbeit mit Universitäten. Sventje Foditsch, eigentlich Gymnasiallehrerin für Geschichte und Biologie, hat sich in Tübingen für ihren Kurs zum wissenschaftlichen Arbeiten fortbilden lassen, der ehemalige Trumpf-Ingenieur Michael Eppinger, der in Pneumatik den Kindern schon gezeigt hat, wie Unterdruck funktioniert, war in Karlsruhe. Und Eberhard Kammerer – er will vor allem die Bandbreite seiner Physik zeigen und Begeisterung wecken, ist aber auch zur Kursübernahme in Chemie bereit – hat in Heidelberg einen Spezialkurs besucht, um zu erfahren, wie man den Kleinen Experimente zeigen kann, obwohl offene Flammen im Unterricht nicht erlaubt sind. Möglich mache das eine spezielle Konstruktion mit kleinem Heizer und Metallblock, berichtete er beeindruckt – wohl auch von dem Preis der verfügbaren Versuchskisten über 1700 Euro.

Doch das wie auch die Kosten für die Kursleiter – Aßmann: „Sie tun das aber nicht, um zu verdienen, sondern aus Passion, um in Kindern Begeisterung zu wecken“ – übernimmt die gleichnamige Stiftung des SAP-Mitbegründers (geschätzt 64000 Euro jährlich). Finanzielle Unterstützung gibt es auch von der Gemeinde, schließlich wisse man von der Begeisterung und dem Engagement des „Dreamteams“ Aßmann und Kammerer, aber ebenso des Kollegiums, lobte Bürgermeister Thomas Schäfer. Ohne Diskussion hatte der Gemeinderat deshalb vor einem Jahr die Aufstockung der Sekretariatsstunden genehmigt.

Konstanze Aßmann jedenfalls zeigte sich dankbar über all diese Unterstützung, die nun zum erfolgreichen Start der Kinderakademie führte. Nun sei alles erledigt, sagte sie zufrieden. Nur eines noch nicht: das Mitbringsel von Petra Simmat vom Kultusministerium aufhängen, das sprichwörtliche Aushängeschild für die Begabtenförderung, zu dem Hemmingen nun werde.