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Neues Pflege-Angebot schafft Abwechslung für Senioren und Angehörige

Hell und freundlich ist das Erdgeschoss des Neubaus an der Hauptstraße, wo früher das alte Gebäude der Volksbank stand. Hier hat jetzt unter anderem die Tagespflege ihre neue Heimat gefunden. Es ist die vierte Einrichtung einer teilstationären Art der Kleeblatt gGmbH im Landkreis.

Die neuen Räume sind großzügig und hell, mit Zugang zur Terrasse. Fotos: Andreas Becker
Die neuen Räume sind großzügig und hell, mit Zugang zur Terrasse. Foto: Andreas Becker
Auch ein Ruheraum mit zwei Betten ist vorhanden.
Auch ein Ruheraum mit zwei Betten ist vorhanden.
Werner König und Geschäftsführer Carsten Schüler von der Bietigheimer Wohnbau), Natalie Ndoping (Pflegedienstleitung), Stefan Ebert (Kleeblatt-Geschäftsführer und Bürgermeister Thomas Schäfer (von links).
Werner König und Geschäftsführer Carsten Schüler von der Bietigheimer Wohnbau), Natalie Ndoping (Pflegedienstleitung), Stefan Ebert (Kleeblatt-Geschäftsführer und Bürgermeister Thomas Schäfer (von links).

Hemmingen. Die ersten Besucher sind schon da: Nicht nur jene Interessierten, die den Samstag zur Besichtigung der neuen Tagespflege nutzten, sondern auch einige Senioren. Obwohl die Kleeblatt-Einrichtung in dem von der Bietigheimer Wohnbau errichteten Neubau mit Volksbank-Filiale und 21 betreuten Wohnungen erst seit einer Woche in Betrieb ist, wurden bereits sieben Personen fest angemeldet, vier weitere haben einen Schnuppertag zum Ausprobieren gebucht.

Es ist ein Angebot für Ältere, die Unterstützung brauchen, aber weiter daheim wohnen bleiben. Morgens werden sie von Angehörigen gebracht und abends wieder abgeholt. Alternativ ist gegen einen Kostenbeitrag auch ein Fahrdienst eingerichtet. So kommen die Senioren unter die Leute, statt zunehmend zu vereinsamen. Pflegende Angehörige werden entlastet.

Abwechslungsreich werden die Tage gestaltet. Er beginnt um acht nach einem Corona-Test mit dem gemeinsamen Frühstück. Das wird wie im Hotel serviert. Bei Bedarf wird dem Gast auch das Brötchen geschmiert. Eine Mitarbeiterin liest aus der Ludwigsburger Kreiszeitung vor. Es wird über die Schlagzeilen gesprochen. „Aktuell interessiert besonders, was es bei den ‚englischen Royals‘ wieder an Neuigkeiten gibt“, erzählt Natalie Ndoping, die Leiterin der Tagespflege.

Dann wird miteinander gesungen, gebastelt, das Gedächtnis trainiert, Gymnastik angeboten, vorgelesen. Das Programm wechselt täglich. „Wir richten uns, wenn es umsetzbar ist, nach den Wünschen der Gäste“, betont Ndoping und sagt: „Jeder kann, aber keiner muss mitmachen.“ Um die Mittagszeit riecht es schon nach Essen. Es wird frisch in der eigenen Küche zubereitet. Die wird auch von den Senioren genutzt. Hier werden zum Beispiel Kekse miteinander gebacken oder Marmelade gekocht. Nach der Mittagsruhe geht es, wenn das Wetter mitspielt, nach draußen. Pflegerinnen begleiten die älteren Herrschaften beim Spazierengehen etwa im nahe gelegenen Schlosspark. Im Anschluss wird frisches Obst gereicht.

Wieder startet ein Beschäftigungsangebot. Zwar hängt ein Fernseher im Gemeinschaftsraum, aber der wird so gut wie nie eingeschaltet. „Wir wollen die Menschen aktivieren, statt sie vor der Glotze abzustellen“, betont Ndoping. Mit Kaffee und Kuchen neigt sich der Tag dem Ende. Dann geht es um 17 Uhr zurück in die eigenen vier Wände – und das von Montag bis Freitag. „Unser Angebot kann aber auch tageweise in Anspruch genommen werden“, sagt Ndoping.

Die gepolsterten Sessel sind in Lindgrün und sanftem Orange gehalten. Außerdem stehen bequeme und mobile Liegestühle zur Verfügung. Mit denen können die Gäste auf die große Sonnenterrasse gefahren werden. Und es gibt eine abgetrennte Nische mit zwei Betten, für die, die einen richtigen Mittagsschlaf bevorzugen. Ein Friseurtisch wurde eingerichtet, an dem man sich die Haare machen lassen kann. Ndoping hat vor, ebenfalls professionelle Fußpflege anzubieten.

Um die – je nach Corona-Einschränkungen – bis zu 16 Gäste kümmern sich acht Mitarbeiter. Davon sind vier examinierte Pflegekräfte und zwei ausgebildete Tagesgestalter. Der Eigenanteil an den Kosten beträgt 30 Euro am Tag, „all inclusive“.

Eine halbe Million Euro hat die Gemeinde Hemmingen zu den Gesamtkosten von 1,4 Millionen beigesteuert. „Der Gemeinderat unterstützte das Projekt ohne Vorbehalte“, berichtet Bürgermeister Thomas Schäfer. Er betrachtet die Tagespflege als eine sinnvolle Ergänzung des bestehenden Angebots im Ort. Sie biete Abwechslung und entlaste die Angehörigen. „Die Gelegenheit war günstig für eine gute Sache.“ Schäfer kann sich für das Programm auch eine Kooperation mit dem ortsgeschichtlichen Verein vorstellen. „Der Etterhof liegt schließlich gleich gegenüber.“

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