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Nicht mehr Mülleimer der Region

Seit gut 20 Jahren entsorgt die AVL auch Abfall für den Stuttgarter Regionalverband – Die Kritik an dieser Praxis wird jetzt lauter.

Deponie Froschgraben in Schwieberdingen: Hier landen jedes Jahr auch S 21-Abfälle sowie Bauschutt und Schlacken im Auftrag des Verbandes Region Stuttgart. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Deponie Froschgraben in Schwieberdingen: Hier landen jedes Jahr auch S 21-Abfälle sowie Bauschutt und Schlacken im Auftrag des Verbandes Region Stuttgart. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Die kreiseigene Abfallverwertungsgesellschaft AVL blickt offenbar auf ein erfolgreiches Pandemiejahr 2020 zurück. In den Büchern stehen Deponieerlöse von fast 15 Millionen Euro, ein Jahresgewinn von mehr als einer Million Euro und Rückstellungen von gut acht Millionen Euro. Der ehemalige Ingersheimer Bürgermeister und FDP-Kreisrat Volker Godel jubelte zu Wochenbeginn im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Darunter versteht er, hohe Erlöse zu erzielen und die Kreisdeponien in Schwieberdingen und Vaihingen-Horrheim nicht so schnell wie möglich zu verfüllen.

Anders als in Ingersheim ist in Schwieberdingen keine Jubelstimmung zu vernehmen. Hier kämpfen die Menschen erbittert gegen die von der AVL angestrebte Laufzeitverlängerung ihrer Deponie Froschgraben bis weit über das Jahr 2030 hinaus. In Schwieberdingen (und Horrheim) landen seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht nur mineralische Abfälle oder Bodenaushub aus dem Landkreis, sondern auch aus der Region Stuttgart. Möglich macht das eine Aufgabenübertragung, die der Landkreis und der Regionalverband im Jahr 2000 geschlossen haben und die zum vorerst letzten Mal 2019 um fünf Jahre verlängert worden ist.

Rund 190000 Tonnen an Bauschutt und Schlacken kommen so jedes Jahr im Auftrag der Region im Landkreis an. Bis 2024 geht die AVL zudem von etwa 80000 Tonnen aus, die aus dem Bahnprojekt Stuttgart21 stammen.

Die Region zeigte sich bisher stets dankbar, dass Schwieberdingen und Vaihingen das Abfallgeschäft für die rund 177 anderen Kommunen mitstemmen. Doch im Landkreis scheint der Unmut über diese Praxis zu wachsen. Der Erdmannhäuser CDU-Kreisrat Horst Stegmaier erinnerte im Ausschuss daran, dass der Kreis bereits die Suche nach neuen Deponiestandorten eingeleitet habe, weil die zur Verfügung stehenden Flächen endlich seien. „Andere Kreise in der Region machen es sich bequem“, so Stegmaier weiter. „Da können wir mehr erwarten.“

Die Ditzinger Grünen-Kreisrätin Doris Renninger schaltete sich digital in die Sitzung und machte deutlich, dass der Kreis das Entsorgungsgeschäft des Verbandes Region Stuttgart „nicht auf ewig machen“ werde. Vom AVL-Geschäftsführer Tilman Hepperle wollte Renninger wissen: „Ist es dort angekommen, dass wir es ernst meinen?“

Hepperle ist mit dem Regionalverband nach eigenen Angaben im Gespräch. „Wir wollen nicht die Einzigen sein, die für Deponieflächen sorgen“, sagt er. Allerdings hält es der Müllmanager auch nicht für sinnvoll, wenn jetzt jeder Landkreis im Großraum Stuttgart eigene Deponien oder Müllverbrennungsanlagen im großen Stil vorhält. Sein Credo lautet: interkommunale Zusammenarbeit.

Der Vaihinger Linke Peter Schimke ist überzeugt, dass sich die Nachbarkreise nicht auf die Suche nach Entsorgungsalternativen machen, wenn der „Druck im Kessel nicht steigt“. Es dürften nicht nur im Kreis Ludwigsburg Anstrengungen unternommen werden. „Die anderen haben ebenfalls versprochen, einen Suchlauf zu starten.“ Der gestaltet sich aber offenbar schwierig. Im Kreis Böblingen etwa geriet eine Fläche für eine Erddeponie im Sindelfinger Stadtwald ins Visier der Politik. Das Ergebnis: Der dortige Landrat und der OB überwarfen sich, das Vorhaben wurde gestoppt.

Im Stuttgarter Stadtteil Hedelfingen steht die Deponie Einöd nur für den Notfall zur Verfügung, heißt es. Der könnte nach 2024 eintreten. Der Vaihinger AfD-Kreisrat Walter Müller: „Wir können nicht weiter zusätzliche Mengen aufnehmen.“

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