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Noch fehlen die Coupons für FFP2-Masken

Die zweite Ausgabe von FFP2-Masken an alle über 60-Jährigen und Risikopatienten hätte eigentlich am 1. Januar beginnen sollen, doch die Gutscheine vom Bundesgesundheitsamt sind noch nicht einmal bei den Krankenkassen angekommen. Derweil stellen sich die Apotheken auf den Bedarf ein, teils auch mit Werbeaktionen.

Wohl fälschungssicher auf Spezialpapier: die Gutscheine für FFP2-Masken.Foto: Bundesdruckerei
Wohl fälschungssicher auf Spezialpapier: die Gutscheine für FFP2-Masken. Foto: Bundesdruckerei
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Ludwigsburg. „Das ist mal wieder ein Schnellschuss der Regierung“, wettert Frank Eickmann vom Landesapothekerverband (LAV). „Wieder ist alles ins Trudeln gekommen.“ Schon bei der Abgabe von kostenlosen FFP2-Masken zum Jahreswechsel hätten sich die Apotheker mächtig ins Zeug legen müssen, um in kurzer Zeit genügend FFP2-Masken zur Verfügung zu haben. Während dort jetzt genug auf Lager liegt, entsteht das Problem am anderen Ende. Die Gutscheine, die über die Bundesdruckerei vom Bundesgesundheitsministerium an die Krankenkassen gehen, wurden in einer ersten Charge erst Ende vergangener Woche verschickt. Auch der Bundesverband der Apotheker kritisiert, wie schleppend die Aktion läuft.

Die Techniker Krankenkasse (TK) gehört zu denjenigen, die offenbar Glück hatten. Schon am 7. Januar, so die Pressereferentin Nicole Battenfeld seien die ersten Schutzmasken-Coupons angekommen, nun gehe es an den Versand. Diese werden beide gleichzeitig verschickt, an über 60-Jährige und vom Bundesgesundheitsministerium definierte Risikogruppen (siehe Faktenbox unten). In dieser Woche beginne der Versand, „nach und nach erhalten die Anspruchsberechtigten ihre Coupons“. Die Reihenfolge aller Krankenkassen, ob privat oder gesetzlich: Erst kommen alle ab 75 Jahre dran, dann ab 70 Jahre und chronisch Kranke, danach alle ab 60. Battenfeld bittet um Geduld: „Betroffene müssen nichts unternehmen.“ Laut TK wird sich der Versand an ihre bundesweit rund 3,5 Millionen Versicherte noch bis Februar hinziehen.

Bei der AOK Baden-Württemberg sind es laut dem Pressereferenten 1,6 Millionen von 4,5 Millionen Mitgliedern, die in näherer Zukunft Post mit zwei Gutscheinen bekommen sollen. Der Weg über die Krankenkassen sei aufwendig, sagt Gerd Fleischer, aber der einzig sinnvolle. „Wir haben die Daten und Informationen zu ihren Krankheiten, dürfen sie aber nicht rausgeben.“ So seien die Patienten und ihre Daten geschützt.

Mit dem heutigen Beschluss Bayerns, FFP2-Masken beim Einkaufen und im Öffentlichen Nahverkehr zur Pflicht zu machen, rechnet Frank Eickmann vom Apothekerverband mit „einem rasanten Anstieg der Nachfrage“ auch im benachbarten Bundesland. Mit der jetzigen Aktion allein rechnet der LAV mit durchschnittlich 1250 Kunden pro Apotheke.Schon das „Apothekenhopping“ bei der ersten kostenlosen Ausgabe von Masken, wie er es nennt, habe gezeigt, dass der Bedarf da sei. Auch seien die FFP2-Masken vermehrt im Gebrauch. Es sei möglich, dass auch Baden-Württemberg nachziehe, so Eickmann, dann aber bedürfe es deutlicher Verbesserungen.

Die wünschte sich auch Eberhard Klünder von der Marktapotheke. Von der ersten FFP2-Vergabe seien genug Masken vorrätig, nur die Gutscheine fehlten. „Die Kunden fragen nach“, sagt der Apotheker, der Bedarf sei ganz klar da. Er wünschte sich eine FFP2-Maskenpflicht, um die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Auch die medizinischen Einwegmasken, Mund-Nasen-Schutz (MSN) genannt, ließen seitlich noch genug Aerosole und Partikel ein und aus. „In Deutschland gibt es für alles eine Norm, warum nicht endlich auch hier?“

Wie er bei seinen Kollegen beobachtet hat, ist im Zuge der neuen Corona-Schutzmaskenverordnung des Bundes eine Art Wettbewerb ausgebrochen. Mit den sechs Euro Vergütung bei einem Einkaufspreis von rund einem Euro hätten die Apotheken großen Spielraum, denn die Masken sind kein Arzneimittel und können ausgegeben werden wie das Gratispäckchen Taschentücher oder Gesichtscreme. Da geht dann auch mal eine Maske über die Theke. „Der Markt ist in Bewegung“, sagt Eickmann vom LAV leicht ironisch dazu. Der Verband beobachtet viele Spielarten des Marketings, die häufigste: den Kunden zu den Gutschein-Masken noch kostenlos welche draufgeben. Solche Masken haben eine begrenzte Lebenszeit.

So praktiziert es auch Alexander Meyer von der Myliusapotheke mit einem 6+4-Modell. Zu einem Gutschein gibt es vier Masken dazu. „Die Masken werden immer günstiger und die Vergütung ist ausreichend, um auch mehr rauszugeben“, sagt der Apotheker. Er begrüßt die Möglichkeit, die Kunden auch beraten zu können, etwa zur Tragedauer. Trägt man solch eine Maske eine Stunde am Tag, kann und sollte die nach einer Woche auch im Müll landen.

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