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Notruf kann Motorradfahrer retten

Mit der vernetzten Motorrad-Notruflösung Help Connect beschleunigt Bosch die Rettungskette. Fotos: Bosch
Mit der vernetzten Motorrad-Notruflösung Help Connect beschleunigt Bosch die Rettungskette. Foto: Bosch
Um die Funktionsfähigkeit von Help Connect nachzuweisen, wurden allein 18 Crashtests durchgeführt.
Um die Funktionsfähigkeit von Help Connect nachzuweisen, wurden allein 18 Crashtests durchgeführt.

Stuttgart. Bei einem Unfall zählt jede Sekunde. Je schneller Motorradfahrer Hilfe erhalten, desto größer sind ihre Überlebenschancen. Nach wie vor ist das Risiko, bei einem Crash getötet zu werden, für Motorradfahrer bis zu 20-mal höher als für Autofahrer. Mit Help Connect hat Bosch deshalb ein vernetztes Notrufsystem für motorisierte Zweiräder entwickelt und beschleunigt damit die Rettungskette.

„Help Connect ergänzt das breite Bosch-Portfolio an Motorrad-Sicherheitssystemen um einen digitalen Schutzengel“, sagt Harald Kröger, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. Das vernetzte Notrufsystem erkennt Unfälle mithilfe eines intelligenten Crash-Algorithmus in der Inertialsensoreinheit im Fahrzeug. Per Smartphone-App übermittelt Help Connect Informationen zu Unfallort und Fahrer über das Bosch Service Center an die Rettungskräfte und erleichtert ihnen das Auffinden des Unfallopfers.

Automatisierte Meldung

Eine automatische Meldung kann nach den Erkenntnissen des EU-Projekts „Harmonise eCall Europeas Deployment“ die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte am Unfallort in Einzelfällen um bis zu 50 Prozent reduzieren. Help Connect greift auf die Inertialsensoreinheit der Motorradstabilitätskontrolle MSC von Bosch zurück. Dieser im Fahrzeug verbaute Sensor misst 100-mal pro Sekunde Beschleunigung und Winkelgeschwindigkeit. Diese gibt an, wie schnell sich ein Winkel um eine Achse ändert. Der Sensor kann somit eindeutig berechnen, in welcher Bewegung und Schräglage sich das Motorrad befindet.

Durch den integrierten Crash-Algorithmus erkennt der Sensor automatisch, ob das Motorrad in einen Unfall verwickelt ist, oder ob es beispielsweise wegen eines Missgeschicks beim Abstellen umfällt. Es bedarf keines zusätzlichen Steuergerätes, was die Integration ins Fahrzeug erleichtert.

Per Bluetooth wird anschließend die Verbindung zur Bosch-Notfall-App Vivatar hergestellt. Es lassen sich auch andere Smartphone-Apps – etwa von Motorradherstellern – in die Notruflösung einbinden.

Neben den Standortinformationen übermittelt Help Connect auch vom Fahrer hinterlegte Gesundheitsdaten an das Bosch Service Center. Diese Daten können für die Rettung lebensnotwendig sein. Auf Wunsch werden zusätzlich persönliche Notfallkontakte automatisch informiert.

Im ersten Schritt ist der Notrufservice für Kunden aus Deutschland verfügbar. Dabei können die Nutzer mit dem Bosch Service Center auch im europäischen Ausland in Deutsch oder Englisch kommunizieren. Meldet sich ein Fahrer aufgrund eines schweren Unfalls nicht, werden die Rettungskräfte unverzüglich an den Unglücksort gelotst. Da das Smartphone in der Regel immer gut geschützt am Körper getragen wird, lassen sich verunfallte Motorradfahrer auch dann rasch auffinden, wenn sie beim Crash vom Fahrzeug getrennt wurden.

Impulse für Neuentwicklungen

Wie alle Bosch-Assistenzsysteme entspringt Help Connect der Zusammenarbeit von Entwicklungsabteilung und unternehmenseigener Unfallforschung. „Bevor wir Produkte entwickeln, die die Sicherheit von Motorradfahrern erhöhen, müssen wir kritische Situationen verstehen“, erklärt Kröger. Anhand realer Daten von Motorradunfällen können die Unfallforscher Impulse für neue Entwicklungen geben. Für das automatische Notrufsystem hat Bosch besonderen Aufwand betrieben: Um konkrete Unfallszenarien zu analysieren und die Funktionsfähigkeit von Help Connect nachzuweisen, wurden allein 18 Crashtests durchgeführt.

Keine Nachrüstung möglich

Allerdings kann das Help-Connect-System bei älteren Motorrädern nicht nachgerüstet werden. Die Motorradhersteller müssen die Sensoreinheit werksseitig in die Produktion neuer Maschinen integriert haben.

Die Sicherheit von Motorradfahrern zu verbessern, ist für Bosch schon seit vielen Jahren ein Anliegen. Mit seinem vor 25 Jahren eingeführten Motorrad-ABS und der Motorradstabilitätskontrolle MSC (seit 2013) hat der weltweit führende Anbieter von Sicherheitssystemen das Fahren auf zwei Rädern deutlich sicherer gemacht. Radarbasierte Assistenzsysteme wie adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung, Kollisionswarnung sowie Totwinkelassistent komplettieren das Sicherheitsportfolio. (red)