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Nur die Abschlussklassen büffeln

Kultusministerin Susanne Eisenmann wollte partout keinen vorgezogenen Beginn der Weihnachtsferien. Jetzt müssen die Schulen wegen der weiter steigenden Coronazahlen doch schon morgen schließen. Wir haben in einigen Einrichtungen nachgefragt, wie die Verordnung umgesetzt wird.

Die Klassenzimmer bleiben von morgen an bis voraussichtlich zum 11. Januar leer. Foto: Corri Seizinger-stock.adobe.com
Die Klassenzimmer bleiben von morgen an bis voraussichtlich zum 11. Januar leer. Foto: Corri Seizinger-stock.adobe.com

KREIS LUDWIGSBURG. „Mehr als die Hälfte unserer rund 2300 Schüler hat von Mittwoch an Weihnachtsferien“, sagt Stefan Ranzinger, Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums Bietigheim-Bissingen. Und die anderen dürften auch nicht in die Schule kommen. Sie haben allerdings bis Dienstag nächster Woche Fernunterricht. So wie es der Stundenplan vorsieht, sollen sie zu Hause am Laptop sitzen und arbeiten. Von den Lehrern, mit denen sie chatten können, würden sie mit Unterrichtsstoff versorgt, so Ranzinger. Diesen Fernunterricht gibt es für alle 12. und 13. Klassen der beruflichen Gymnasien sowie alle Abschlussklassen der anderen Schularten. Die Lehrer können selbst entscheiden, ob sie von zu Hause aus arbeiten oder in die Schule kommen. „Die Schulleitung ist auf jeden Fall komplett bis zum eigentlichen Ferienbeginn vor Ort“, so Ranzinger. Aus heutiger Sicht geht er davon aus, dass die Termine für die Abschlussprüfungen im kommenden Jahr eingehalten werden können. Etwas problematisch sei allerdings die Notengebung zum Halbjahr. Denn vor Weihnachten sollten noch einige Klassenarbeiten geschrieben werden. Die könne man nicht einfach in den Januar verschieben – zumal man noch gar nicht wisse, wie es am 11. Januar weitergeht. Ranzinger rät seinem Kollegium, Ruhe zu bewahren, pragmatisch zu handeln, nach pädagogischem Ermessen und im Zweifelsfall wohlwollend Noten zu geben. So sei auch schon im vergangenen Schuljahr nach dem ersten Lockdown verfahren worden. Dass die Schulen nun doch vorzeitig geschlossen werden, habe er erwartet, sagt Ranzinger. Er habe sogar mit seinem Sohn gewettet – und nun eine Tafel Schokolade gewonnen.

Auch das Hans-Grüninger-Gymnasium in Markgröningen wird von Mittwoch an verwaist sein. Die Klassen 5 bis 10 werden in die verlängerten Weihnachtsferien geschickt. Für die Kursstufe gibt es Fernunterricht nach Stundenplan. Die Anwesenheit werde bei Videokonferenzen kontrolliert, kündigte Schulleiterin Karin Kirmse auf Nachfrage unserer Zeitung an. Dank engagierter Kollegen seien die technische Ausstattung und das nötige Know-how bei Lehrern und Schülern so, dass Fernunterricht gut funktioniere. „Er kann allerdings Präsenzunterricht nicht ersetzen“, so die Schulleiterin. Für die rund 350 Jungen und Mädchen der Unterstufe muss eine Notfallbetreuung angeboten werden. Den Bedarf abzufragen, ist so kurzfristig nicht möglich. Da die sogenannten Orientierungshilfen zur Umsetzung am Montagnachmittag immer noch fehlten, wurde eine nach Klassenstufen getrennte Betreuung organisiert. Karin Kirmse ist zuversichtlich, dass sich genug Lehrer freiwillig dafür zur Verfügung stellen. In den Klassen, die jetzt früher Ferien haben, hätten bis Weihnachten noch rund 30 Arbeiten geschrieben werden sollen. Und auch in der Kursstufe stehen noch Klausuren aus. Karin Kirmse hat beim Regierungspräsidium Stuttgart angefragt, ob der Notenschluss verschoben werden kann. Die Antwort steht noch aus.

Ihren Elfern und Zwölfern habe sie aber versucht klarzumachen, dass kein Grund zur Panik besteht. „Wir bekommen das hin“, so die Schulleiterin. Mit dem Unterrichtsstoff liege man gut in der Zeit. Schließlich seien Exkursionen, Studientage und viele andere Extras mehr in diesem Schuljahr der Pandemie zum Opfer gefallen.

Für Folkert Schröder, Rektor der Flattichschule in Freiberg, war gestern die Organisation der Notbetreuung das größte Problem. Die Grundschule ist ab Mittwoch komplett geschlossen. Es gebe noch keine Detailinfos dazu, wer Anspruch auf die Notbetreuung habe, monierte Schröder im Gespräch mit unserer Zeitung. Das ärgerte ihn. „Wir würden gerne bei den Eltern abfragen, wer Bedarf hat, können es aber nicht. Die Zeit wird knapp“, so Schröder. Wenn die Grundschüler beispielsweise nach Jahrgängen getrennt betreut werden müssten, wäre das für eine kleine Schule wie seine durchaus problematisch, weil personalintensiv. Die zehn Lehrkräfte hätten meist selbst Kinder, die betreut werden müssten.

Notbetreuung muss auch die Realschule Remseck anbieten, wenn Bedarf besteht. Schulleiterin Ulla Stütz vermisste gestern Mittag wie ihre Kollegen die erforderlichen Infos dazu. „Aber eigentlich ist es ja nichts Neues, dass wir erst kurz vor knapp erfahren, was Sache ist“. Stütz hofft indessen, dass Notbetreuung gar nicht benötigt wird. Die Schule habe jetzt monatelang die Klassen strikt getrennt und Stundenpläne umgestaltet, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. „Jetzt gemischte Betreuungsgruppen anbieten zu müssen, wäre schrecklich“, so die Schulleiterin.

Die Klassen 5 bis 9 haben ab morgen Ferien. Die Zehntklässler sowie die Schüler, die im kommenden Jahr ihren Hauptschulabschluss machen wollen, haben bis zum 22. Dezember Fernunterricht. Das funktioniere mittlerweise sehr gut, so Stütz. Die technische Ausstattung der rund 115 Jugendlichen sei gewährleistet – auch dank der Leihlaptops, die von der Stadt Remseck zur Verfügung gestellt werden. Da die Termine für die Abschlussprüfungen in diesem Schuljahr sowieso schon von April auf Juni verschoben wurden, sieht Ulla Stütz keine Nachteile für die Schulabgänger. Sie befürchtet auch nicht, dass die Notengebung zum Halbjahr Probleme macht. Die allermeisten Klassenarbeiten fürs erste Halbjahr seien schon geschrieben.

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