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Nur mit negativem Test in die Schule

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. In dieser Woche liefen die umfangreichen Vorbereitungen für den geplanten, teilweise regulären Unterricht ab Montag.

Schulleiter René Coels mit Testkits. Ab Montag müssen die Schüler getestet werden, bevor sie in die Schule gehen. Foto: Andreas Becker
Schulleiter René Coels mit Testkits. Ab Montag müssen die Schüler getestet werden, bevor sie in die Schule gehen. Foto: Andreas Becker

Freiberg. Ab kommender Woche soll es für die Schüler in Baden-Württemberg teilweise wieder regulären Unterricht geben. Unterhalb einer Corona-Inzidenz von 200 sollen die Schulen ab Montag einen Wechselbetrieb aus Präsenz- und Fernunterricht oder einen reinen Präsenzunterricht anbieten. Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz drei Tage lang bei über 200 Neuinfektionen pro 100000 Einwohner, ist verpflichtend Fernunterricht angesagt. „Wir planen also wieder zweigleisig“, so Schulleiter René Coels.

So findet am Montag an der Oscar-Paret-Schule entsprechend der aktuellen Inzidenzlage Wechselunterricht statt. Die Abiturienten bleiben allerdings bis zum Prüfungsbeginn am 4. Mai aus Schutzgründen zu Hause. Sollte die Schule bei entsprechender Inzidenz für den Präsenzbetrieb wieder geschlossen werden müssen, gilt das nicht für alle Schüler. Die Jahrgangsstufe 1 des Gymnasiums, die Abschlussklassen von Realschule und Gemeinschaftsschule sowie die Kinder der Notbetreuung dürfen in die Schule gehen. Für sie hält die OPS laut Coels „ein reduziertes Präsenzangebot unter verschärften Sicherheits- und Hygienebedingungen“ parat. Zweimal pro Woche müssen sie getestet werden.

Bereits in den Osterferien hat sich die Schulleitung Gedanken über eine Form des Wechselunterrichts unter Berücksichtigung einer Testpflicht gemacht, die sie in dieser Woche gemeinsam mit den Lehrkräften konkretisiert hat.

Da ab Montag alle Schüler, die vor Ort sind, zweimal pro Woche getestet werden müssen, haben Schule und Verwaltung neben dem bereits bestehenden Bürgertestzentrum in der Stadthalle ein weiteres für Schüler und Schulpersonal eingerichtet. Weil pro Person etwa 15 bis 30 Minuten auf ein Testergebnis gewartet werden muss, reicht die Kapazität in der Stadthalle nicht aus. Also wird teilweise auch in eigens dafür eingerichteten Klassenzimmern der Schule getestet. „Wir schaffen es sonst nicht, alle Schüler zu testen“, sagt Coels. Er gehe von rund 1700 Tests pro Woche aus.

Die Schüler müssen für die Durchführung des Selbsttests eine Einverständniserklärung der Eltern mitbringen. Wer einen Nachweis darüber erbringt, dass er innerhalb der vergangenen sechs Monate an Covid-19 erkrankt war oder bei ihm seit 14 Tagen ein vollständiger Impfschutz vorliegt, muss nicht getestet werden. Legt ein Schüler nichts davon vor, wird er wieder nach Hause geschickt. Für die Tests werden die Schüler von geschulten Lehrkräften angeleitet. Wer ein positives Ergebnis hat, wird von der Klasse getrennt. Dafür stehen eigens Lehrkräfte bereit, welche die Schüler mit positivem Ergebnis in Empfang nehmen. Die Schulleitung informiert dann die Eltern und das Gesundheitsamt. Coels rechnet mit vier bis fünf positiven Ergebnissen pro Tag, von denen sich nach erfolgten PCR-Tests wohl die Hälfte doch noch als negativ entpuppen können. Da alle Schüler zweimal pro Woche drankommen und nicht alle gleichzeitig vor Ort sind, wird täglich getestet.

Insgesamt 3300 Testkits hat das Land der Stadt Freiberg in einer ersten Marge geliefert. Die Zufriedenheit darüber hielt sich in Grenzen, weil es sich dabei laut Peter Müller, Leiter des Fachbereichs Recht und Ordnung, um Tests mit langen Stäbchen handelt, die über die Nase bis in den Rachen geschoben werden sollen. Der Verpackung würden aber auch kleinere Stäbchen beiliegen. Um sie benutzen zu können, sei ein gewisser Bastelaufwand nötig. „Die Tests sind dann nur für den vorderen Bereich der Nase gedacht“, sagt Müller. Um künftig dem Mehraufwand zu entgehen, ist die Stadt in Kontakt mit Apotheker Jan Siegel von der Palm’schen Apotheke am Rathaus getreten. Er betreibt das Bürgertestzentrum in der Stadthalle und signalisierte, die Schüler mit eigenen Kits testen zu können. „Das wäre uns das Liebste“, sagt Peter Müller. Doch dafür müssten zuerst die rechtliche Seite und die Frage der Abrechnung geklärt werden. Für die Grundschulen habe die Stadt weitere Testkits „in kleinerem Format“ bestellt.

Für den Wechselunterricht wurden alle 60 Klassen in zwei Gruppen geteilt, von denen die einen eine Woche lang in die Schule gehen und die anderen zu Hause bleiben. Somit werden rund 650 Schüler vor Ort sein. Im Präsenzunterricht geht es in erster Linie um die Erarbeitung von Themen und das Schreiben von Klassenarbeiten. Wer in dieser Zeit daheim ist, bekommt keinen digitalen Unterricht, sondern übt den Stoff anhand von Arbeitsmaterialien. „Das erfordert vor allem seitens der Lehrkräfte viel Flexibilität“, sagt der Schulleiter. Das Testen reduziere außerdem die Lernzeit.

Dass die Schüler ab nächster Woche teilweise wieder in die Präsenz zurückkehren, führt bei René Coels nicht zu Begeisterungsausbrüchen. „Bei der aktuellen Ansteckungsdynamik und Inzidenzlage wäre es für alle sicherer und gleichzeitig besser zu planen gewesen, wenn man früher die Reißleine gezogen hätte“, sagt er. Außerdem wäre es seiner Meinung nach wichtig gewesen, die Lehrkräfte insbesondere bei der Durchführung der Tests durch medizinisch geschultes Personal zu entlasten und spezielle Testzentren einzurichten. In der seiner Meinung nach bisher schwierigsten Phase der Pandemie werde der Riss zwischen den Menschen, die sich an die Regeln halten, und denen, die dieser Belastung müde sind, immer größer. Coels: „Deshalb kommt es jetzt darauf an, die Solidarität untereinander beizubehalten.“

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