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Offenes Atelier unter freiem Himmel

Die kleine keltische Siedlung in Hochdorf ist eingehüllt in eine Wolke aus feinstem Staub und Lärm. Drei Bildhauer sind dort gerade zugange. Besucher können ihnen noch bis zum kommenden Wochenende bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.

Künstler beim Schaffensakt: Christoph Traub, Claudia Dietz und Heike Endemann haben ihr Atelier auf das Freigelände des Keltenmuseums verlegt. Fotos: Holm Wolschendorf
Künstler beim Schaffensakt: Christoph Traub, Claudia Dietz und Heike Endemann haben ihr Atelier auf das Freigelände des Keltenmuseums verlegt. Foto: Holm Wolschendorf
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Eberdingen. Es ist bereits das dritte Skulpturensymposium, das der Kulturverein Eberdingen auf die Beine stellt. Nicht das fertige Kunstwerk steht dabei im Mittelpunkt, sondern der Weg dorthin, der Schaffensakt. Eine seltene Gelegenheit. Zehn Tage lang verlegen Claudia Dietz, Heike Endemann und Christoph Traub ihr Atelier auf das Freigelände des Hochdorfer Keltenmuseums. Finanziert wird das Projekt von Sponsoren und je zur Hälfte aus dem Topf von Leader-Heckengäu und der Gemeinde, der diese außergewöhnliche Aktion ebenfalls 17500 Euro wert ist.

Auf einen riesigen Sandsteinklotz hat Claudia Dietz ihre Idee mit Kreide skizziert. Drei Tonnen wiegt der Koloss, der im Laufe der Woche 1000 Kilogramm abnehmen wird. Die Reste werden aufgelesen, recycelt und fein gemahlen. Daraus wird zum Beispiel Farbe pigmentiert, mit der alte Häuser restauriert werden.

Dietz greift zu Hammer und Meißel und fängt an zu klopfen. Die schweißtreibende Arbeit erleichtern druckluftbetriebene Werkzeuge. Die freischaffende Künstlerin aus Eberdingen will den natürlichen Schwung des Klotzes herausarbeiten und verstärken. Abschließend wird das Objekt unaufdringlich weiß koloriert.

Den Winkelschleifer setzt Christoph Traub an. Er bearbeitet damit schwedischen Granit mit seiner markanten roten Farbe. Der Sockel aus grauem, bayrischem Granit ist bereits fertig, ebenso der konische Stiel aus Stahl – das sieht aus wie ein Weinglas. Beide werden den in sieben Stufen polierten, kugeligen Bauch mit Nabel tragen. „Der wird glatt wie ein Babypopo“, verspricht der Künstler aus Schorndorf. Schwer vorstellbar angesichts der harten Kanten und Brüche im Anfangsstadium. Auch hier ist der Schwund erheblich. Roh wiegt das Objekt eine gute Tonne, am Ende bleiben vielleicht 700 Kilogramm übrig. Bei Heike Endemann aus Radolfzell riecht es säuerlich nach Essig. Es ist die Gerbsäure der 80-jährigen Eiche, die sie gerade bearbeitet. Den drei Meter langen Stamm hat ihr der Eberdinger Förster bringen lassen. So wird aus Brennholz ein Kunstwerk. Sie höhlt den Baum aus, schnitzt mit Kettensägen Formen hinein. Das verleiht dem Holz transparente Leichtigkeit. Später, wenn er aufgestellt ist, wird sich im Spiel mit Licht und Schatten, mit den Jahreszeiten und dem Wetter sich ständig wandelnde Perspektiven eröffnen. Holz lebt, auch wenn der Baum gefällt ist. Knöcheltief steht Endemann im groben Sägemehl. „Wo gehobelt wird, fallen Späne“, sagt sie die Bildhauerin aus Radolfzell lachend.

Das Besondere an dem ganzen Projekt: Die Skulpturen verschwinden nicht in Galerien, Museen oder privaten Sammlungen. Nein, sie werden in den Ortsteilen Eberdingens aufgestellt, damit jeder etwas davon hat. Kunst im öffentlichen Raum.

Und das nicht nur dieses Wochenende. Am kommenden Samstag um 19.30 Uhr geben Thomas Roth und Harald Scharpfenberger im Langhaus des Keltenmuseums ein Konzert mit der Nyckelharpa, einem alten Streichinstrument aus Schweden. Am Sonntag wird das Symposium dann mit einem Festakt beendet (11 Uhr).

Bis dahin liegt vor den Künstlern allerdings noch eine ganze Strecke. Die Bildhauer freuen sich auf Besuch zwischendurch. Dann nehmen sie auch ihren Schutz – den Kopfhörer, die Brille, die Maske – ab, um Fragen der interessierten Besucher zu beantworten: Man muss sich nur vorsichtig bemerkbar machen. Aber: Bitte nicht von hinten anschleichen.

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