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Opposition gegen den Amtsinhaber formiert sich

Für Marbachs Bürgermeister Jan Trost wird seine (Wieder-)wahl Anfang 2021 kein Selbstläufer. Im Gemeinderat hat sich eine Opposition formiert, in der Stadtverwaltung knirscht es gewaltig.

Marbach. Als sich Jan Trost 2012 um die Nachfolge des scheidenden Marbacher Bürgermeisters Herbert Pötzsch bewirbt, spricht er von einem Lebenstraum, der in Erfüllung ginge, sollte er zum Chef der Stadtverwaltung gewählt werden. Wenig verwunderlich, dass Trost acht Jahre später seinen Hut für eine zweite Amtszeit in den Ring wirft. Für den 44-Jährigen, der in diesen acht Jahren in Marbach sesshaft und Vater von drei Kindern geworden ist, ein ebenso logischer wie alternativloser Schritt. Für Teile des Gemeinderats nicht.

Jene Stadträte, die sich eine zweite Amtszeit Trosts nicht vorstellen können und wollen, haben dies in der jüngsten Gemeinderatssitzung ziemlich beispiellos artikuliert: durch ihre Zustimmung zum CDU-Antrag, den Passus „Der Amtsinhaber bewirbt sich erneut“ aus der Stellenausschreibung zu streichen. Während die offizielle Begründung rechtliche Bedenken lautet, heißt die inoffizielle Botschaft: Bewerbungen willkommen. Denn in den ungeschriebenen Gesetzen von Ausschreibungstexten gilt der Hinweis auf die Wiederbewerbung des Amtsinhabers als klares Zeichen dafür, dass der Gemeinderat mit dessen Arbeit zufrieden ist und weitere Interessenten nicht zwingend mit Unterstützung rechnen können.

So sieht sich Jan Trost ein knappes halbes Jahr vor dem Wahltermin am 24. Januar einer Opposition im Gemeinderat gegenüber, der CDU und Grüne angehören, ihrem Abstimmungsverhalten nach auch die SPD-Stadträtin Ute Rößner und Rielingshausens Ortsvorsteher Jens Knittel (Freie Wähler).

Diese Opposition hält Trost zum einen vor, keine Ideen, schon gar keine Visionen zur Entwicklung Marbachs zu haben, „keiner weiß, wo er mit der Stadt hin will“, sagt einer aus dieser Riege. Zum anderen – und das mag schwerer wiegen – werden dem 44-Jährigen mangelnde Führungsqualitäten angekreidet. Er lasse den Rathausmitarbeitern zu wenig Freiraum, bringe ihnen kaum Wertschätzung entgegen.

Ein Beispiel: Das Holdergassenfest, das wegen Sicherheitsauflagen auf der Kippe stand – Trost erkennt ein populäres Thema und erklärt das beliebte Altstadtfest zur „Chefsache“. Damit stellt er sich öffentlich gegen seinen Ordnungsamtsleiter Andreas Seiberling, der nun mal für ausreichenden Brandschutz geradestehen muss.

Ein weiteres Beispiel für die mittlerweile mehr als schlechte Stimmung in der Stadtverwaltung ist die Kündigung des stellvertretenden Bauamtsleiters Ralf Lobert (wir berichteten). Er hat die Gründe für seine Entscheidung schonungslos öffentlich gemacht und Jan Trost heftig kritisiert. Es werde immer schwieriger, Projekte innerhalb der Verwaltung abzuschließen, weil ständig neue hinzukämen und vor allem der Bürgermeister nicht in der Lage sei, Prioritäten zu setzen, klagt er, sieht die Mitarbeiter mehr und mehr vom Informationsfluss abgeschnitten.

Der Leidensdruck muss enorm sein, wenn ein anerkannter Fachmann nach 28 Jahren bei der Stadtverwaltung die Brocken hinwirft und sich mit 55 Jahren beruflich neu orientiert. Mittlerweile ist von weiteren, bereits vollzogenen Kündigungen die Rede, bei denen ebenfalls Trosts zunehmend einsames Agieren eine Rolle gespielt habe.

Der 44-Jährige gilt zudem als völlig konfliktscheu, als jemand, der es jedem recht machen will. So würden statt Grenzen zu ziehen, Zusagen gemacht, die wiederum zusätzliche Arbeit für die Verwaltungsmitarbeiter bedeuten und am Ende für Sand im Getriebe sorgen.

Dass der frühere Kämmerer der Stadt Sachsenheim im Vergleich zu seinem kommunikativ hochbegabten Vorgänger Pötzsch eher hölzern und steif daherkommt, kann man ihm nicht vorwerfen. Vorgeworfen wird ihm aber, mehr und mehr Entscheidungen an sich zu ziehen, Vorgänge nicht zu kommunizieren, auf E-Mails nicht zu antworten.

Eine Entwicklung, die sich Beobachtern zufolge im vergangenen Jahr verschärft hat. Sie sehen einen klaren Zusammenhang mit dem Abschied von Gerhard Heim aus dem Rathaus. Dass der in gleichem Maße wie Ralf Lobert integre und fachlich unumstrittene Erste Beigeordnete mit gerade mal 58 Jahren in den Ruhestand ging, spricht für sich – allen offiziellen Begründungen zum Trotz. Seitdem, so heißt es, fehle Trost in der Verwaltung die Leitplanke und den Mitarbeitern ein Ansprechpartner an der Verwaltungsspitze, der sie in Entscheidungen einbezieht.

Die Marbacher Kommunalpolitik steht vor einem spannenden Herbst. Die Opposition im Gemeinderat wird zeigen müssen, ob sie nur kritisieren oder auch einen Gegenkandidaten organisieren kann, der das Zeug hat, den Amtsinhaber aus dem Sattel zu heben. Hinter den Kulissen, so ist zu hören, gebe es derzeit viel Bewegung.

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