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Pächtersuche wird noch schwieriger

Am 1. Oktober soll die Lemberghalle wieder eröffnen – wegen Corona aber ohne große Feier.Archivfoto: Oliver Bürkle
Am 1. Oktober soll die Lemberghalle wieder eröffnen – wegen Corona aber ohne große Feier.Archivfoto: Oliver Bürkle
Lemberghalle in Affalterbach eröffnet im Oktober – In Steinheim und Marbach stehen Gaststätten leer

Affalterbach/ Steinheim/ Marbach. Vergangene Woche war Schlüsselübergabe, am 1. Oktober will Gezim Lika die Lemberghalle in Affalterbach eröffnen. „Wir haben einen guten Koch gefunden, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“, berichtet er. Durch Corona habe sich einiges verzögert, dennoch habe er nie mit dem Gedanken gespielt, das Projekt Lemberghalle nicht anzugehen. „Ich stehe zu meinen Verträgen“, sagt er. Die Gemeinde habe zudem seit Vertragsunterzeichnung im Februar noch keine Pacht verlangt. Ein Zugeständnis, denn die Pächtersuche hatte sich nicht einfach gestaltet. Zwei Jahre lang stand die Halle leer. Sie ist zwar dank eines großen Parkplatzes, der Lage im Naturschutzgebiet und der Größe der Wirtschaft mit 50 Plätzen interessant, andererseits ist die versteckte Lage auch ein Nachteil, weshalb man sich erst einen Ruf erarbeiten muss. Man habe natürlich Respekt vor der Situation mit Corona, sagt Lika, scheue aber auch das Risiko nicht. In der Lemberghalle habe man die Möglichkeit, Abstände einzuhalten, und die Bürger seien auch neugierig. In Rielingshausen, wo die Gastronomenfamilie die Gemeindehalle betreibt, habe man die ersten Erfahrungen nach Corona gesammelt und es laufe gut. Wie auch im Marbacher Teilort setzt die Familie in Affalterbach auf deutsche, regionale Küche, teils modern interpretiert.

Leer steht derzeit die Melchior-Jäger-Stube im Steinheimer Teilort Höpfigheim. Der bisherige Pächter hatte den Vertrag nach Ablauf von drei Jahren alters- und gesundheitshalber nicht mehr verlängert, im Mai lief das Pachtverhältnis aus. Wegen Corona suchte die Stadt zunächst nicht nach einem neuen Pächter für die Gaststätte, die an die Melchior-Jäger-Halle angeschlossen ist. „Die Gastronomen waren ja ohnehin schon gebeutelt und wir wollen jemand, der auch verlässlich ist“, erklärt Bürgermeister Thomas Winterhalter. Deshalb mache sich die Stadt keinen Stress. Es gebe aber einen Interessenten, diese Woche werden erste Gespräche geführt. Vor drei Jahren erst ist die Gaststätte mit Sanitärbereich renoviert und neu möbliert worden.

Die FC-Klause in Marbach steht ebenfalls seit Jahresbeginn leer. Die seitherige Pächterin hatte kurzfristig aus privaten Grünen den Betrieb eingestellt, informiert FC-Vorstandsmitglied Lars Kohler – dem Fußballclub gehört die Vereinsgaststätte. Und dann kam Corona. Jetzt hat der Verein einen Makler beauftragt, der die Gaststätte inseriert hat, es gibt Interessenten aus ganz Süddeutschland. Die ersten Gespräche laufen, „aber wir wollen nicht an den Erstbesten verpachten, sondern es soll ein langfristiges Pachtverhältnis werden“, so Kohler. Die FC-Klause sei ein interessantes Objekt, auch wenn sie vom Äußeren nicht ganz so viel hermache. Die Lage in der Nähe des Schulzentrums und des Wohngebiets Marbach-Süd habe ihren Reiz: „Es laufen viele auf dem Weg in die Stadt daran vorbei.“ Auch der Verein habe einige Veranstaltungen, auch gebe es eine Kegelbahn und eine Terrasse, auf der es sich gut sitzen lasse, da sie schön mit Grün eingewachsen sei. Durch den großes Gastraum und die Nebenräume ließen sich auch die Abstandsregeln gut einhalten.

„Die Verpachtung von Gaststätten war schon vor Corona schwierig und ist nicht einfacher geworden“, sagt auch der Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Baden-Württemberg. Die Gastronomie habe große Sorgen mit Blick auf den Herbst und Winter. Die Außengastronomie falle weg, um die Abstandsregeln einhalten zu können, reduziere sich die Anzahl der Sitzplätze im Innern um durchschnittlich 40 Prozent, hat eine Umfrage der Dehoga ergeben. Und dann sei noch nicht garantiert, dass die Plätze auch alle belegt werden können. „Unter diesen Umständen tut man sich schwer, eine Gaststätte neu zu pachten“, findet auch der Dehoga-Sprecher. Manche Verpächter, auch die Vereine, hätten teilweise zudem ganz eigene Vorstellungen, die schwer zu erfüllen seien. Andere Privatverpächter riefen wiederum hohe Pachtpreise auf. Aus diesem Grund fände man in den großen Innenstädten fast nur noch Ketten und kaum noch inhaber- oder pächtergeführte Lokale. Um in den Städten die Pacht erwirtschaften zu können, müsse der Betreib von morgens bis nachts durchlaufen. „Da kann man nicht nur ein paar Stunden mittags und dann wieder abends aufmachen“, so der Dehoga-Sprecher.