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Pappkameraden und Schaufensterpuppen als Platzhalter

Statt auf den Höhepunkt der närrischen Tage hin zu feiern, entwickeln Fasnets- und Brauchtumsvereine coronakonforme Ideen – Heute virtueller Rathaussturm

Zunftmeister Thomas Lutsch mit den Urzeln aus Pappe.Foto: Alfred Drossel
Zunftmeister Thomas Lutsch mit den Urzeln aus Pappe. Foto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Heute ist der „schmotzige Donnerschtich“, in normalen Zeiten jener Tag, an dem Närrinnen und Narren auf die Zielgerade des Faschings und der Fasnet einbiegen. Doch die Pandemie verbietet alle närrischen Umtriebe. Fast alle. Denn manche der Faschingsvereine im Kreis haben sich ein coronakonformes Ersatzprogramm ausgedacht.

Die Sachsenheimer Urzelzunft zum Beispiel hätte am kommenden Samstag ihren traditionellen Urzellauf mit mehr als 400 zottigen Gestalten in der Stadt organisiert. Stattdessen stehen nun Pappfiguren in vielen Schaufenstern. Thomas Lutsch, Zunftmeister und Oberurzel, sieht darin eine Möglichkeit, auf den alten Brauch aufmerksam zu machen.

In der ganzen Stadt hängen Plakate, mit denen die Zunft ihre Freunde aufs nächste Jahr vertröstet. „Bleibt gesund“, heißt es da. „Das ist das Wichtigste“, sagt Thomas Lutsch. Drei Dutzend Pappfiguren mit den Urzeln und Brauchtumsfiguren wie das Schneiderrößchen, die Reifenschwinger und der Karpatenbär stehen jetzt in der Stadt.

Nachdem das Maskenabstauben nur online stattfand, wurde eine weitere Aktion coronakonform auf die Beine gestellt: Statt der üblichen Kindergartenbesuche vor dem Urzellauf bekamen die Kinder in der Notbetreuung dieser Tage geschmückte Truhen. Darin liegen Urzelanzug mit Schelle, Quetsche, Luftschlangen und Malvorlagen. „So können sich die Kinder schmücken“, sagt Thomas Lutsch.

Für die Faschingswoche, die nach dem Urzelntag losgeht, will die Zunft einen Fasnetskalender auf ihre Internetseite und in die sozialen Netzwerke stellen. Täglich sollen dann Freunde des Brauchtums mit Videos, Malvorlagen und anderen Dingen überrascht werden.

Mit ähnlichen Aktionen behilft sich auch der 1. Fasnetsverein Steinheim, der 2021 die „Fasnet im Herzen“ ausgerufen hat. Wie der Vorsitzende Dany Arnold berichtet, hat der Verein zusammen mit der Stadtverwaltung einen Malwettbewerb ins Leben gerufen. Auf der Homepage www.fasnetsverein-steinheim.de gibt es die beiden Brauchtumsfiguren, die Gloschd’rhex und den Bebbelesdrescher, als Malvorlagen. Am Sonntag treffen sich die Mitglieder virtuell und für den Faschingsdienstag haben sich Arnold und seine Mitstreiter eine Alternative zum traditionellen Bonbonwurf am Rathaus ausgedacht. Wie die aussieht, will der Vereinsvorsitzende aber noch nicht verraten. Aus seinem Herzen macht er derweil keine Mördergrube: „Eigentlich wären wir ab heute bis Dienstag ständig auf Achse, so sitzen wir zuhause. Und hoffen alle, dass es nächstes Jahr wieder besser wird.“

Diese Hoffnung eint sie mit den Carnevalsfreunden aus dem benachbarten Murr, die weder Prunksitzung noch Faschingsumzug ausrichten können. Sie haben als klitzekleinen Ersatz in einer Bäckereifiliale im Langen Feld Schaufensterpuppen aufgestellt, die den Verein repräsentieren: Der Murr‘mer Narr ist ebenso dabei wie ein Vertreter des Elferrats und ein Gardemädchen.

Der traditionelle Rathaussturm der Schwieberdinger Gagerbach-Hexen findet heute um 10Uhr virtuell statt und ist auf der Gemeindehomepage unter www.schwieberdingen.de zu sehen, außerdem auf der Facebook-Seite der Gagerbach-Hexen.

Bürgermeister Nico Lauxmann: „Wir freuen uns, mit dem virtuellen Rathaussturm eine Alternative für diese beliebte Traditionsveranstaltung gefunden zu haben. Wir sind gespannt, was sich unsere Hexen ausgedacht haben.“

Oberhexe Wanda von der Stiegel: „Es ist super, dass wir wenigstens virtuell das Rathaus stürmen können, Bürgermeister Lauxmann und sein Team müssen sich auf einiges gefasst machen. Uns fehlen die gemeinsamen Veranstaltungen sehr. Nun freuen wir uns auf nächstes Jahr und hoffen, dass wir am 24. Februar 2022 mit Unterstützung der Guggenmusik, den befreundeten Vereinen und vielen Kindern wieder das Rathaus stürmen können.“ (ad/fri)