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PendlerBrezel nicht überall ein Hit

Ulrike Schulze gibt einem Radler eine Brezel. Foto: Andreas Becker
Ulrike Schulze gibt einem Radler eine Brezel. Foto: Andreas Becker
Die PendlerBrezel-Woche in Baden-Württemberg geht heute zu Ende. Das Zwischenfazit: durchwachsen, aber eine „schöne Aktion“.

Kreis Ludwigsburg. Nach der Premiere Im Jahr 2021 folgte diese Woche von Montag bis heute Morgen eine Neuauflage der Aktion. Damit belohnen die Initiative RadKULTUR und Bäckereien im Land Fahrradpendelnde mit einer Extra-Stärkung. Alle, die morgens vor 10 Uhr mit dem Rad unterwegs sind, bekommen eine leckere Brezel. 663 Bäckereifilialen im Land und rund 30 im Landkreis nehmen in diesem Jahr daran teil und verteilen Gratis-Brezeln an alle, die einen Fahrradhelm dabei haben. Wir haben hier und da einmal reingeschaut und gefragt, wie es läuft. Unter dem Strich ist die Aktion an belebten Standorten mit geschickten Fahrradstrecken gut angekommen, im Gewerbegebiet oder in Nebenstraßen war weniger bis fast nichts los.

„Letztes Jahr war es besser“, meint die Verkäuferin am Donnerstag in einer Filiale der Feinbäckerei Keil in Ludwigsburg-Eglosheim. Rekord hier: acht Gratisbrezeln. Im Einkaufszentrum gelegen, komme hier selten jemand mit Fahrrad vorbei, meint sie.

Zumindest etwas besser sieht es bei den Keil-Filialen in der Ludwigsburger Südstadt nahe Wüstenrot, in Bissingen an der Schillerstraße und in Markgröningen (bei CAP) aus. „Es spricht sich langsam rum“, vermutet Silke Ulrichs. Mittwoch hätten immerhin 16 Radelnde in der Markgröninger Filiale vorbeigeschaut. „Die Leute sind nett und begeistert und kommen teilweise nur wegen der PendlerBrezel zu uns“, berichtet sie.

Dass mangelnde Nachfrage wohl nicht mit der Beliebtheit der Backwaren zusammenhängt, zeigt das Beispiel der Bäckerei Stöckle. Im Laiern und in der Werner-Siemens-Straße in Bietigheim, ist die Nachfrage von drei bis 19 Brezeln gemischt, im Zentrum hingegen steppt der Bär. „Am Kronenplatz läuft’s sehr gut, da fahren viele mit dem Fahrrad, da sind auch viele Grundschüler“, berichtet Esra Özden, die in beiden Stöckle-Filialen arbeitet. „Die Kinder freuen sich, kommen ganz stolz mit dem Helm rein.“ An die 40 PendlerBrezeln seien da am Morgen über die Theke gegangen. Wie am belebten Kronenplatz in Bietigheim, läuft es auch in Aspergs Mitte wie geschnitten Brot: Ulrike und Henoch Schulze, die ihre Bäckerei am Marktplatz und an der Königstraße betreiben, sind begeistert. Etwa 25 bis 30 PendlerBrezeln pro Morgen, schätzt Ulrike Schulze, würden abgeholt und viele machten sogar extra einen Umweg. „Wir sind das erste Mal dabei. Es ist eine schöne Aktion, weil die Leute sich freuen“, resümiert die Inhaberin.

Wenig Resonanz meldet wiederum „der obere Beck“ an der Güntterstraße in Marbach. Vielleicht liegt es an der strategisch schwierigen Strecke, die Richtung Zentrum stetig bergauf führt? „Da braucht man schon ein E-Bike“, meint Sonja Siegle. Allerdings sei die Aktion auch hier 2021 besser gelaufen.

Begeistert äußerte sich Verkehrsminister Winfried Hermann, der den teilnehmenden Bäckereien für die Portion „Extra-Treibstoff“ an Radpendelnde dankte. „Ich hoffe, dass sich viele Menschen davon motivieren lassen, besonders häufig in die Pedale zu treten – abgasfrei, lärmfrei und mit 0,0 Litern Benzinverbrauch pro Kilometer“, ließ er verbreiten.

Dass sich allerdings tatsächlich jemand extra aufs Rad geschwungen hätte, ist zumindest nicht überliefert. Aber die Aktion hat neuerlich aufmerksam gemacht auf eine gesunde und auch klimafreundliche Fortbewegungsart.