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Geburten

Per Internet in den Kreißsaal

Maike Wentz ist Hebamme und verkauft online außerdem kleine Filme für die Vor- und Nachsorge

Die Hebamme Maike Wentz aus Bietigheim-Bissingen erklärt in Videos, wie sich junge Mütter verhalten sollen. Foto: Ramona Theiss
Die Hebamme Maike Wentz aus Bietigheim-Bissingen erklärt in Videos, wie sich junge Mütter verhalten sollen. Foto: Ramona Theiss

Bietigheim-Bissingen. Eine Frau, die weiß, von was sie spricht: Maike Wentz ist seit 30 Jahren Hebamme. Sie kennt die Nöte junger Mütter, besonders wenn das Timing nicht stimmt. Der richtige Zeitpunkt bedeutet vor allem, sich möglichst früh um eine Hebamme zu kümmern, möglichst kurz nachdem klar ist, dass die Frau schwanger ist. „Natürlich ist ein persönlicher Kontakt mit der Hebamme besser. Aber wenn es nicht geht, dann kann man bei mir auch auf die kleinen Filme zurückgreifen“, sagte die Online-Hebamme aus Bietigheim.

Vor allem die Versorgungssituation in der Nachsorge der Mütter sei teilweise sehr schlecht. Das weiß sie aus ihrer langen Berufspraxis. Sie kennt die Klagen, wenn die jungen Frauen ein halbes Jahr vor der Geburt plötzlich feststellen, dass sie nach der Niederkunft keine Betreuung haben. „Sie haben keine Ahnung, wie sie sich verhalten sollen.“ Und somit kommt die Onlinebetreuung ins Spiel. Auf ihrer Homepage gibt es Onlinekurse und kleine Videos zum Kaufen. Hier können sich die werdenden Mütter informieren, was auf sie zukommt und wie sie damit umgehen können.

Die Angebote gehen von der Vorbereitung vor der Geburt an, es gibt Filme über die Zeit im Wochenbett oder den Umgang mit den kleinen Babys. Zudem sind Videos über die Hilfe für junge Mütter im Angebot, ebenso wie Tipps beim Thema Stillen. Und wer entspannende Musik für all das benötigt, ist hier auch richtig. Außerdem gibt es komplette Kurspakete rund um die Geburt.

„Ich will den Frauen Unterstützung geben, ich will sie als Hebamme nicht abweisen. Momentan lege ich mit meinem Onlinemodell noch drauf, aber das kann sich ändern“, so Maike Wentz. In Deutschland habe mindestens jede fünfte Frau keine Hebamme nach der Geburt. Sie würden nicht mehr betreut, weil es zu wenig Hebammen gebe. Sie wolle vor allem Erstgebärenden eine positive Schwangerschaft ermöglichen, auch wenn sie sich zu spät um eine Begleitung nach der Geburt gekümmert hätten.

In vergangenen Zeiten waren die Frauen viel länger in der Klinik, nicht nur nach einem Kaiserschnitt. Heute würden die Mütter schon nach 48 Stunden entlassen. Und auch bei einem Kaiserschnitt würden sie schon nach wenigen Tagen die Klinik verlassen.

Das hänge mit den Pauschalen zusammen, die die Krankenhäuser für eine Geburt bekommen. Schon nach kurzer Zeit seien die Frauen für die Krankenhäuser nicht mehr lukrativ, daher würden sie entlassen. Deswegen sei eine Nachsorge noch viel wichtiger als in der Vergangenheit.

Maike Wentz will die werdenden und jungen Mütter nicht allein lassen mit dem Thema Geburt. Sie will niemanden abweisen, wenn sie keine Termine mehr übrig hat. So ist die Idee mit dem Internetangebot entstanden. Seit vergangenen November hat sie einen Blog, die Filme über Mütter im Wochenbett stehen seit rund vier Wochen im Internet und für die Zukunft ist ein Podcast geplant – wenn die Zeit dafür übrig bleibt. Schließlich hat die Online-Frau auch noch einen ganz normalen Beruf als Hebamme.

Internet: www.onlinehebamme.de

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