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KULTURVEREINE

Plötzlich fallen die Einnahmen weg

Enorme Folgen hat die Coronapandemie auch für Kulturvereine mit eigenen Spielstätten. Gleich zwei davon gibt es in Asperg: das Glasperlenspiel und die Schwaben-Bühne. Ihre Einnahmen sind quasi über Nacht komplett weggebrochen. Im Herbst ist ein Neustart geplant.

Abstand halten auch auf der Bühne: Auftritte von maximal zwei Künstlern gemeinsam will die Schwaben-Bühne nach den Sommerferien anbieten.
Abstand halten auch auf der Bühne: Auftritte von maximal zwei Künstlern gemeinsam will die Schwaben-Bühne nach den Sommerferien anbieten.
Geschlossene Türen im Glasperlenspiel: Über 60 Veranstaltungen finden nicht statt.Archivfotos: privat
Geschlossene Türen im Glasperlenspiel: Über 60 Veranstaltungen finden nicht statt. Foto: privat

ASPERG. „Unser Vereinsleben ist vollständig zum Erliegen gekommen“, beschreibt Sonja Pieruschka vom Glasperlenspiel die Situation. Mehr als 60 Veranstaltungen konnten und können nicht stattfinden. Teilweise wurden Ersatztermine gefunden. Geplatzt ist die Jugendtheaterproduktion, die im Juli Premiere feiern sollte. Der Verein hat aktuell weder Einnahmen an der Theke noch im Theater. Allein für März und April mussten laut Pieruschka rund 4500 Euro für Tickets rückerstattet werden. Weitere Kalkulationen habe man unterlassen, da dies nur Spekulation wäre. Klar sei aber: Im Jahr 2020 werde der Verein nur einen Bruchteil des Vorjahresumsatzes erzielen.

Im September soll der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Alle Künstler, die vor dem Lockdown gebucht waren, sind bereit, an ihrem Auftritt im Glasperlenspiel festzuhalten, freut sich Pieruschka. Bis Dezember soll es rund 60 Veranstaltungen geben. Tickets können schon gekauft werden.

Tickets werden nicht teurer

Der Verein rechnet mit einer Theaterbestuhlung von etwa 40 anstelle möglicher 150 Plätze. Trotz der darauf resultierenden großen Einbußen werden die Eintrittspreise nicht erhöht. „Wir bitten aber bei jeder Veranstaltung um eine Spende für den auftretenden Künstler“, kündigt Sonja Pieruschka an. Demnächst möchte der Verein gerne anfangen zu proben. Geplant ist eine coronataugliche Produktion mit kleinem Ensemble. Arbeiten mit großen Ensembles sind bis auf weiteres eingestellt, die geplanten Premieren verschoben.

Seit Mitte März ist auch der komplette Proben- und Spielbetrieb der Schwaben-Bühne Asperg eingestellt. Vier Gastspiele und 17 eigene Veranstaltungen waren geplant. Für elf vereinseigene Aufführungen seien bereits Kosten für Werbematerial und Eintrittskarten angefallen, so der Vorsitzende Werner Müller. Maßgeblich zu Buche schlagen würden jedoch die monatlichen Fixkosten für Miete und Nebenkosten. Mit dem Lockdown seien von heute auf morgen die kompletten Einnahmen durch Eintrittsgelder und Bewirtung weggebrochen. Diese Einnahmen müssten üblicherweise auch die Fixkosten für die Sommerpause abdecken.

Der Verein musste zudem einen Großteil der Eintrittsgelder erstatten oder dafür Gutscheine ausstellen. Nur ein geringer Teil der Karteninhaber hat laut Müller darauf verzichtet. Konkrete Zahlen zu Einnahmen und Ausgaben möchte er nicht nennen. „Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass wir ohne Unterstützung durch die Corona-Soforthilfe und das Entgegenkommen unseres Vermieters massive finanzielle Probleme hätten“, so der erste Vorsitzende.

Aufgrund der derzeitigen Hygiene- und Abstandsregeln sei es nicht machbar, nach der Sommerpause mit Eigenproduktionen in der bisherigen Form den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Geplant sei, Sketch-Programme und Eigenproduktionen mit Kleinstbesetzung sowie Auftritte von maximal zwei Künstlern anzubieten. Die auf den Herbst verschobene Premiere des Frühjahrsstücks der Schwaben-Bühne wird ein weiteres Mal verlegt: Der Verein hofft, diese Premiere im Frühjahr 2021 feiern zu können.

Unter den aktuellen Bedingungen kann der Saal im Idealfall mit maximal 40 Prozent – also 50 bis 60 Zuschauer – ausgelastet werden. „Die bloße Erweiterung der zulässigen Teilnehmerzahlen von aktuell 99 auf 250 und mehr Teilnehmer nutzt uns nichts, solange die Abstandsregeln und Hygienevorschriften nach jetzigem Standard eingehalten werden müssen“, stellt Werner Müller klar. Außerdem befürchtet er, dass anfangs nur wenig Publikum kommt, weil es überwiegend Risikogruppen angehört. Inwieweit das bisherige Gastronomieangebot aufrechterhalten werden kann, sei auch noch nicht absehbar. Auf jeden Fall werde es zu weiteren Einbußen der dringend benötigten Einnahmen im zweiten Halbjahr kommen.

Auswirkungen noch lange spürbar

Nach dem Motto „Hurra, wir leben noch!“ bereitet sich der Verein laut Müller dennoch auf den Herbst vor und nimmt unter anderem die Renovierung der Spielstätte in Angriff. Die zweckgebundenen Mittel aus einer Crowdfunding-Aktion, Spenden und kommunale Unterstützung ermöglichten dies trotz der finanziellen Sorgen. „Um den Fortbestand unseres kulturellen Kleinods im Herzen von Asperg zu sichern, brauchen wir aber weitere Unterstützung“, sagt der Vorsitzende. Die Auswirkungen der Pandemie würden den Verein noch sehr lange begleiten.

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