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Plötzlich kommt Tempo ins Grundschulprojekt

Wegen steigender Kosten und und unverhoffter Förderchancen will sich die Stadt nun sputen – Abriss der Hauptschule beginnt im Frühjahr

Ditzingen. Das Projekt Zentrale Grundschule – die Zusammenlegung der Konrad-Kocher-Schule mit der Wilhelmschule – nimmt überraschend Fahrt auf. Der Grund sind steigende Kosten und ungeahnte Fördermöglichkeiten.

Im Ausschuss für Finanzen, Kultur und Soziales ging es um gute und schlechte Nachrichten. Zufrieden nahmen die Räte auf, dass nun doch bereits im Frühjahr der Abbruch der Hauptschule beginnen soll. Die Kosten sind indes starker Tobak: Sie werden jetzt auf 37 Millionen Euro geschätzt, 4,5 Millionen Euro mehr als 2019. Mit der Aussicht auf unerwartet hohe Förderungen wiederum, bis zu sechs Millionen Euro, könnte diese Dynamik abgefedert werden. Vor allem das Investitionsprogramm zum beschleunigten Infrastrukturausbau der Ganztagsbetreuung spornt da an: Förderquote 70 Prozent. Dafür muss man sich allerdings beeilen.

Der Markt in der Baubranche treibt die Kosten, nicht nur wegen der gestiegenen Holzpreise, auch Rohbau und Stahlbau sind überproportional teurer geworden. Die Kosten verteilen sich auf 18 Millionen für den Neubau, je 7,5 Millionen für die Generalsanierung und die Nebenkosten sowie 3,1 Millionen Euro Rückstellungen für erwartete Kostensteigerungen. Mehrkosten von 2,45 Millionen Euro ergeben sich allein beim Bauwerk des Neubaus, 1,53 Millionen Euro bei der Haustechnik. Auch die Verschiebung des Baubeginns von 2022 auf 2023 kostet nach Aussage des Projektsteuerers viel Geld, 800000 Euro werden dafür zurückgelegt.

Er geht auch nicht davon aus, dass sich die Marktlage wieder beruhigen werde. Es gebe Möglichkeiten der Einsparung, etwa ein Verzicht auf die Lüftungsanlagen oder auf die Holzhybrid-Konstruktion. Das müsse man aber frühzeitig festlegen. Über Einsparungsvorschläge soll aber noch nicht entschieden werden. Das größte Kostenrisiko sieht der Projektsteuerer bei der Hybridbauweise, da ökologisches Bauen sehr gefragt sei. „Ich hoffe noch, dass die Baukosten auf ein Normalmaß zurückgehen“, sagte OB Michael Makurath. Die genaue Höhe der Förderung wisse man noch nicht. Aber das Rathaus sei vorbereitet für den Tag, an dem man sie beantragen könne.

Die Fraktionen wollen gleichwohl keine Abstriche bei der Ausführung machen. „Wir sollten uns von der Kostensteigerung nicht davon abhalten lassen, ein zukunftsfähiges Gebäude zu bauen“, sagte etwa die SPD-Fraktionsvorsitzende Sabine Roth.

Nach dem zähen Fortschritt in den vergangenen Jahren hätten die Lehrkräfte nicht mehr daran geglaubt, dass es vorangehe. „Sie werden sich jetzt wundern, wie schnell es geht“, meinte Gisela Geiger, Leiterin des Amts für Jugend, Bildung und Betreuung. Bereits im Frühjahr soll die Baustelle eingerichtet werden für erste Abbrucharbeiten um Pfingsten, der große Abriss soll in den Sommerferien erfolgen. Dazu wird die Technikzentrale ins Bestandsgebäude verlagert, die Interimsmensa eingerichtet und die Sporthalle neu angebunden. Den von 2022 auf 2023 verschobenen Beginn des Neubaus will man versuchen vorzuziehen, um Geld zu sparen. Laut derzeitiger Terminplanung beginnt nach der Fertigstellung des Neubaus 2025 die Sanierung des bestehenden Grundschulgebäudes, „so dass wir 2027 die Sektkorken knallen lassen können“, so Geiger. Dann zieht die Wilhelmschule um.

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