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Prämie für die Corona-Helden

Vor allem Ungeimpfte bevölkern die Intensivstationen. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Vor allem Ungeimpfte bevölkern die Intensivstationen. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Der Kreistag würdigt das Engagement der Kliniken-Mitarbeiter während der Coronapandemie. Zwei Millionen Euro werden dafür bereitgestellt. Der Vorschlag fand am Freitag die einhellige Unterstützung der Kreisräte.

Kreis Ludwigsburg. „Die Coronapandemie trifft uns ins Mark“, sagt Jörg Martin, als der RKH-Chef die Situation in den Kliniken schildert. 80 Covid-Patienten werden aktuell in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen behandelt, 23 auf der Intensivstation. „An Weihnachten werden wir unsere Kapazitätsgrenze erreichen“, prognostiziert der Kliniken-Geschäftsführer. An den Beatmungsgeräten hingen mehr als die Hälfte Covid-Erkrankte. Davon seien zu 90 Prozent Ungeimpfte. Und die Sterblichkeit liege bei über 60 Prozent. Die Belastung für die Pfleger und Ärzte sei deshalb immens. „Was unsere Mitarbeiter leisten müssen, ist der helle Wahnsinn.“ Sie werden in der Patientenversorgung priorisieren müssen und keine Standardmedizin mehr anbieten können, ergänzt Landrat Dietmar Allgaier, der auch Vorsitzender des Kliniken-Aufsichtsrates ist. Es fände allerdings keine Triage statt, erklärt Kliniken-Chef Martin. Wer nicht auf die Intensivstation kommen könne, weil die Betten belegt seien, würde dennoch behandelt. „Wir geben den Menschen kein Morphin und lassen sie sterben“, versichert Martin. Allerdings sei die Versorgung dann „suboptimal“.

Die Form der Anerkennungsprämie durch den Landkreis als Träger der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim soll zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat der Kliniken einvernehmlich festgelegt werden. Der Beschluss ging auf einen interfraktionellen Antrag zurück, den der CDU-Rat Ralf Trettner . Das Land habe 256000 Euro schon als eigene Prämie avisiert. Das sind etwa 1500 Euro pro Kopf. Diese solle aber zusätzlich gezahlt werden. Sollten Bund und Land bis zum Jahresende aber weitere Zahlungen an die Mitarbeitenden der Kliniken gewähren, so würden diese auf die Anerkennungsprämie angerechnet.

„Mit dieser Prämie soll ein Signal an die Klinikbelegschaft gesendet werden, dass der Landkreis als Träger der Kliniken anerkennt, welch gute Arbeit in der schweren Pandemie-Situation von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleistet wird. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass die Mitarbeiterschaft dadurch zum Durchhalten motiviert werden kann“, so Allgaier. Die Prämie soll aus Mitteln des Kreishaushaltsjahres 2021 gezahlt werden. Die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH prognostiziert aktuell für das Jahr 2021 einen Verlust von 3,9 Millionen Euro, der vom Landkreis auszugleichen ist. Durch die Anerkennungsprämie erhöht sich der Verlust auf 5,9 Millionen Euro. Da im Haushaltsplan 2021 eine Verlustübernahme von 4,3 Millionen veranschlagt ist, beträgt der voraussichtliche Mehrbedarf 1,6 Millionen Euro. Diesen kann der Landkreis durch Mehreinnahmen bei der Grunderwerbsteuer decken.

Zustimmung zu diesem Vorschlag kam von allen Fraktionen. Marbachs Bürgermeister Jan Trost (Freie Wähler): Er kann sich zur besseren Bezahlung der Pfleger auch eine Erhöhung der Krankenkassenbeiträge vorstellen. Nachdem die Schließung des Marbacher Krankenhauses jetzt auch offiziell vollzogen wurde, fordert er, den städtebaulichen Wettbewerb für den Standort voranzutreiben. Dort soll zügig die Pflegeschule der RKH-Kliniken angesiedelt werden. Dies sei ein Beitrag, um die Lücke zu schließen, die durch die hohen Belastungen der Pandemie gerissen worden sei. Daran ist auch Ralf Trettner (CDU) interessiert. Für ihn ist es zentral, dass die Pläne der Kliniken-Leitung, ambulante Angebote auszubauen, vorangetrieben werden.

Für Dr. Uwe Stoll (Grüne) stehen die Kliniken bei allen finanziellen Belastungen noch „relativ gut“ da. „Die Kliniken sind das Rückgrat der Pandemiebekämpfung“, lobte auch SPD-Kreisrat Egon Beck. Helge Eberle (FDP) forderte, neben der einmaligen Prämie die Pfleger in Zukunft über Tarif zu bezahlen.

Peter Schimke stimmte zwar der Prämie zu – er lehnt aber die Schließung der Marbacher Klinik ab. „Kleine Krankenhäuser können als Portalkliniken dienen, deshalb sollten sie nicht geschlossen werden.“ Der Kreistag stimmte sowohl dem Unternehmensplan der Kliniken wie auch der Prämie ohne Gegenstimme zu. Nur zu Marbach gab es vier Neinstimmen.