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Praktika und direkter Kontakt fehlen

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. In der heutigen Folge geht es darum, wie die Schüler hinsichtlich der Wahl ihres Berufs oder Studiums an Informationen kommen.

Fertig mit der Schule, und dann? In der Coronakrise gestaltet sich die Berufs- und Studienwahl schwieriger als sonst. Foto: Maridav/stock.adobe.com
Fertig mit der Schule, und dann? In der Coronakrise gestaltet sich die Berufs- und Studienwahl schwieriger als sonst. Foto: Maridav/stock.adobe.com

Freiberg. Den Schulabschluss in der Tasche, und dann? Die Coronakrise erschwert nicht nur den Schulalltag, sondern auch die Berufsorientierung. Als Grundgerüst gibt es für die Gymnasiasten ab Klassenstufe 8 das Fach Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung (WBS). Dort lernen sie unter anderem, wie sie ihre eigenen Wünsche, Interessen und Fähigkeiten hinsichtlich der Wahl ihres Berufs oder Studiums analysieren können und wie sie sich richtig bewerben. Der Einsatz von verschiedenen Medien wird dabei ebenso gelernt wie das Zurückgreifen auf Institutionen wie die Bundesagentur für Arbeit. Diese besuchen die Schüler in der 9. Klasse und lernen dort auch das Berufsinformationszentrum (Biz) kennen), wo es alles gibt, was die Schüler für ihre Studien- und Berufswahl oder die Jobsuche benötigen. In der gleichen Klassenstufe machen die Schüler ein Sozialpraktikum, bei dem sie sich zum Beispiel in Kindergärten, Pflegeheimen oder Krankenhäusern mit sozialen Berufen auseinandersetzen. Ein Jahr später folgt das Bogy-Praktikum (Bogy = Berufs- und Studienorientierung an den allgemeinbildenden Gymnasien). In der 10. Klasse werden die Schüler außerdem von einer Fachkraft der Agentur für Arbeit über Berufsorientierung informiert. In der Kursstufe folgen unter anderem Angebote wie der Studientag, an dem die jungen Menschen Universitäten und Hochschule besuchen können, sowie der Besuch einer Ausbildungsmesse wie die Stuzubi oder die Horizon in Stuttgart.

Doch die Coronapandemie hat vielen Angeboten einen Strich durch die Rechnung gemacht. So mussten die Praktika im laufenden Schuljahr komplett gestrichen werden. Die Ausbildungsmessen finden ausschließlich online statt. Wer sich dafür nicht rechtzeitig sein Ticket sichert, bleibt außen vor. Diana Hoffmann, stellvertretende Leiterin der Oscar-Paret-Schule, hält seit Wochen ebenfalls nur online Kontakt zu den rund 150 betreffenden Schülern. „Ich leite ihnen alle Angebote weiter, weiß aber nicht, ob sie wahrgenommen werden“, sagt sie. „Das ist ein Problem.“ In der Präsenzzeit sei es einfacher, die Jugendlichen direkt anzusprechen und sie auf das eine oder andere Angebot aufmerksam zu machen. Bei den Abiturienten komme hinzu, dass sie ungemeinen Respekt vor den Prüfungen hätten und ihren Fokus eher darauf legen als auf das, was danach kommt. „Corona macht es ihnen nicht leichter“, so Diana Hoffmann. Vor der Krise seien Absolventen immer wieder auf sie zugekommen und hätten sie nach berufsorientierenden Angeboten gefragt. Das geschehe derzeit überhaupt nicht. Hoffmann: „Das ist sehr unbefriedigend, doch die aktuelle Situation reicht ihnen offenbar.“

Marita Stickel ist in der Abteilung Realschule für die Berufsorientierung zuständig. Ihrer Meinung nach sind die Schüler dafür aufgrund von Corona nicht weniger zugänglich. Mit der Plattform MS Teams seien die Schüler sehr gut zu erreichen. Sie habe allerdings den Eindruck, dass das Berufsleben oder auch die weiterführenden Schulen für die Schüler gedanklich noch weiter entfernt sind als sonst. Im Rahmen des Fachs Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung hätten sie im November und Dezember mit der Erstellung von Kompetenzprofilen der Schüler angefangen. Jetzt nach den Faschingsferien werde mit den Bewerbungen weitergemacht. Einzelberatungen und ein Bewerbungsmappen-Check durch die Ansprechpartnerin der Bundesagentur für Arbeit würden bis Juli laufen. Auch die Unterstützung seitens der Jobbrücke sei längerfristig angelegt. „Leider entfällt unser jährlicher Biz-Besuch, aber auch den Berufswahltest können die Schülerinnen und Schüler von zu Hause aus machen“, so Marita Stickel. Den einzig großen Nachteil sehe sie darin, dass dieses Schuljahr kein Berufspraktikum angeboten werden kann und die Schüler keine Arbeitserfahrungen sammeln können.

Auch Jens Frölich und Julia Rossmann von der OPS-Gemeinschaftsschule verweisen auf das Fach WBS sowie die Agentur für Arbeit und darüber hinaus auf den Verein Jobbrücke – Vorberufliche Jugendförderung Freiberg (siehe Zusatztext). Ein direkter Kontakt zu den Schülern wäre sicherlich besser als Onlineangebote unter Corona, meinen die beiden Lehrkräfte, die aber froh sind, auf diesem Wege mit den Schülern kommunizieren zu können. Gleichzeitig bedauern sie ebenfalls, dass Praktika als Hauptbestandteil der Berufsorientierung derzeit nicht stattfinden können. „Ich finde, dass die Schülerinnen und Schüler einen schwereren Zugang zur Berufsorientierung haben, da sie den persönlichen Kontakt benötigen und somit auch die Erinnerung, Ansprache und Ermutigung seitens der Lehrkräfte. Wir sehen die meisten Schüler online, aber einige kommen mit dem digitalen Angebot nicht zurecht“, so Jens Frölich.

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