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Preiswürdige Trockenmauern

Zeit, sehr viel Zeit steckt in Felix Veltes Projekt: 2500 Arbeitsstunden haben der 29-Jährige und seine Helfer in den Aufbau von 210 Quadratmetern Trockenmauern investiert. Der Ingersheimer erhält dafür den Kulturlandschaftpreis des Schwäbischen Heimatbundes.

Der leidenschaftliche Wengerter Felix Velte hat gut lachen: Er hat nicht nur den dritten Platz beim Vaihinger Löwen geholt. Für die Sanierung von Trockenmauern in der Ingersheimer Steillage wird der 29-Jährige auch mit dem Kulturlandschaftspreis ausg
Der leidenschaftliche Wengerter Felix Velte hat gut lachen: Er hat nicht nur den dritten Platz beim Vaihinger Löwen geholt. Für die Sanierung von Trockenmauern in der Ingersheimer Steillage wird der 29-Jährige auch mit dem Kulturlandschaftspreis ausgezeichnet. Foto: Holm Wolschendorf

Ingersheim/Vaihingen. Allein hätte es der junge Winzer vermutlich nicht geschafft, den lange brachliegenden Weinberg mit Steillagenterrassen zu sanieren und neue Rebstöcke zu pflanzen. Mit Unterstützung von Familie und Freunden sind mehr als 210 Quadratmeter „naturnahe, landschaftsprägende Weinbergmauern und bewirtschaftbare Terrassen entstanden, auf denen nun Weine mit besonderem Qualitätsstandard herangezogen und im neu gegründeten Weingut vermarktet werden“, heißt es in der Pressemitteilung des Schwäbischen Heimatbundes zum Kulturlandschaftspreis 2020.

Im Winter 2016 hat der gelernte Weinküfer das 2800 Quadratmeter große und verwilderte Grundstück – in etwa so groß wie ein halbes Fußballfeld, nur deutlich steiler – von der Gemeinde Ingersheim für 30 Jahre gepachtet. Ein Gewinn für beide Seiten: Der junge Winzer kam seinem Traum vom eigenen Weingut näher und die Gemeinde konnte mit der Reaktivierung des Weinberges wertvolle Punkte auf ihrem Ökokonto sammeln und damit später beispielsweise ein Baugebiet ausgleichen.

Sein Vater Eberhard stieg als Landschaftsgärtner gleich in die Planung ein. Eine Auffahrrampe wurde angelegt, ein Bagger rückte an, um die groben Vorarbeiten auszuführen. Ein Scheunenabriss in Ditzingen erwies sich als Glücksfall für Felix Velte. Die Steine – gut 50 Kubikmeter – konnte er für die Trockenmauern im Weinberg unweit der Ingersheimer BMX-Anlage nutzen.

In den vergangenen Jahren hat der harte Kern um Felix Velte, seinen Vater Eberhard und seinen Bruder Moritz 2500 Arbeitsstunden in die Sanierung der Trockenmauern gesteckt und in der Steillage 600 bis 700 Gewürztraminer- und Weißburgunder-Rebstöcke angepflanzt. Am Rande des Weinberges runden neue Obstbäume das Areal ab. Velte hat außerdem den Weinberg der Familie übernommen, den diese seit Generationen erfolgreich für den Eigenbedarf bearbeitet.

Der Anspruch des Winzers, der sich nach seiner Lehre zum Weinbautechniker weitergebildet hat und seit zwei Jahren bei einem Weingut in Hohenhaslach arbeitet, ist hoch. Mit einem Wein des Jahrgangs 2018 war Felix Velte bereits erfolgreich: Er holte den dritten Platz beim Vaihinger Löwen in der Kategorie Elegant. Auch für die Ingersheimer Steillage hat er große Ziele: „Die Sorten sollen das Aushängeschild des Betriebes werden.“

Velte ist stolz auf das Erreichte. Ob er das Trockenmauer-Projekt erneut angehen würde? Der 29-Jährige überlegt kurz. Er würde alles wieder so machen, ist aber froh, dass er die schweißtreibende Arbeit nicht mehr vor sich und wieder mehr Zeit für seine Frau und die kleine Tochter hat.

Internet: www.wein-velte.de

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