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Premiere für einen Kellerfund

Der bolivianische Gitarrenvirtuose Antonio Cuadros De Béjar in den Bauer Studios

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Ein Mitläufer, der alle Songs schreibt: Antonio Cuadros De Béjar in den Bauer Studios.Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Was fast auf den Tag genau vor fünf Jahren mit einem Auftritt des französischen Trios Journal Intime zusammen mit dem Gitarristen Marc Ducret und dem Akkordeonisten Vincent Peirani in den Räumen der Eglosheimer Bauer Studios seinen Anfang nahm, hat sich zu einer der hochkarätigsten Veranstaltungsreihen im Ludwigsburger Kulturkalender entwickelt. Das Besondere daran ist, dass die Konzerte sorgsam mikrofoniert mit analoger Technik mitgeschnitten und als Live-Alben in audiophiler 180-Gramm-Pressung auf der Vinyl-Reihe „Studio Konzert“ des hauseigenen Labels Neuklang veröffentlicht werden. „Live also nicht nur für die Musiker, sondern auch für die Tontechniker“, so Philipp Heck, einer der drei neuen Geschäftsführer der Bauer Studios, der am Dienstagabend im Regieraum hinter dem großen Mischpult Platz nahm, um in Echtzeit die Latin-Jazz-Klänge des bolivianischen Gitarristen Antonio Cuadros De Béjar und seiner Formation Latin Affairs einzufangen und auszusteuern. Premiere für einen Kellerfund bei dem kleinen Jubiläum: Neben der Studer A 820 hatte mit der B 67 eine weitere Bandmaschine des legendären Schweizer Herstellers Position bezogen. Der Reiz für das Publikum besteht darin, der Aufnahme unmittelbar beiwohnen zu können, buchstäblich mittendrin zu sein.

Die Kapazität im Aufnahmesaal des Studio 1 ist begrenzt, bietet je nach Größe der Formation Raum für 60 bis 80 Personen. Oft sind die Konzerte ausverkauft, so auch an diesem Abend. Mit De Béjar war einer der beständigsten Protagonisten der Stuttgarter Latin- und Jazz-Szene zu Gast, gestaltet der angenehm zurückhaltende Musiker mit dem Pferdschwanz doch seit 2012 jede zweite Woche einen Abend im kleinen, aber feinen Jazzclub Kiste. Auch sein erstes Album „Color Americano“ hat der Bolivianer in den Bauer Studios aufgenommen.

Vom ersten Moment an begeisterte die unaufgeregte Souveränität seines Quintetts. Gleichzeitig vermieden die Musiker jedoch, in standardisierte Routinen zu verfallen. „In dieser Combo bin ich eher ein Mitläufer“, meinte Bandleader De Béjar bescheiden, aus dessen Feder alle Titel des Programms stammen. Mit Joe Gallardo, der viele Arrangements beigesteuert hat und die Einsätze anzeigte, war ein Grandseigneur der Jazz-Posaune zugegen: Faszinierend zu beobachten, wie der 78-Jährige mit der großen Gelassenheit seiner ganzen Big Band-Erfahrung im Rücken sich andererseits für überraschende Wendungen keineswegs zu alt zu fühlen scheint. Stotternde Triolen, fabelhafte Growls, Abkürzungen und Umleitungen würzten seine Soli.

Poetisches und Verblüffendes

Ihm zur Seite Andi Maile, Tenor-Saxofonist der SWR Big Band und Jazzpreisträger des Landes Baden-Württemberg, einmal mehr ein perfekter Allrounder: Mit seinem so unprätentiösen wie nachvollziehbaren Spiel wird Maile beiden Ansprüchen gleichermaßen gerecht. Im Solo-Instumental „Momentos Como Este“ offenbarte De Béjar, der sich oft eher im Hintergrund hielt, die komplette Bandbreite der Poesie seines sensiblen Spiels – eine melancholisch-gelöste Melodie, umklettert von Skalen und Läufen.

Für „Midnight“ griff E-Bassist Christoph Dangelmaier zur Bass-Ukulele, für den gewitzten Chorus von „38° C“ Maile zum Sopransaxofon. Verblüffenden Variationsreichtum im rasant durchrutschenden Samba-Metrum zeigte Schlagzeuger Daniel Messina in „Samba Para Katti“, der mit Dangelmaier eine effizient-unaufdringliche, relaxt groovende Rhythmusachse bildete. Insbesondere in den leisen Passagen kam die Brillanz dieses Quintetts in Gänze zum Tragen, dessen Fusion aus Latin und Modern Jazz ihresgleichen sucht.