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Prognose 2021: Fast 300 Kinder ohne Platz

Es gibt weiter zu wenig Kitaplätze. Laut Prognose fehlen 2021 bei den über Dreijährigen 215 Plätze – mit Hoffnung auf Besserung durch Ausbau. Bei den unter Dreijährigen mit 80 fehlenden Plätzen 2021 gibt es die nicht: Die anvisierte Betreuungsquote von 45 Prozent wird lange nicht erreicht.

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Ludwigsburg. „Eine beunruhigende Anzahl von nichtversorgten Kindern“ hat die Stadt nach eigenem Bekennen registriert. Diese Sorge ist nichts Neues: Es gibt weiter zu wenig Platz in Kitas und Krippen Ludwigsburgs. Nach Angaben der Stadt werden derzeit bei U3 in Tagespflege und Kitas 1087 Kinder betreut, 79 stehen auf der Warteliste. Bei insgesamt 2845 Kindern unter drei Jahren entspricht dies 36 Prozent. Bei den über Dreijährigen stehen 3291 aktuell 21 Kindern gegenüber, die keinen Platz haben. 2021 sind es laut Verwaltung 21, danach steigt die Zahl rasant, weil es in dem Jahr keine neuen Plätze gibt und 2017 der geburtenstärkste Jahrgang war: Demnach finden schon kommendes Jahr 215 Kinder keinen Platz in der Kita. Vom Sozialausschuss wurden die Quoten verändert: Bis 2024 steigt die angepeilte Deckungsquote bei U3 jährlich um ein Prozent auf 45, die Deckungsquote bei Ü3 beträgt 105 Prozent.

Weniger Defizit als erwartet

Dass der Aufschrei im Sozialausschuss nicht größer war, kann daran liegen, dass die Stadt bereits im Juli den Sozialausschuss gewarnt hatte, dass es im jetzigen Kitajahr in den Kitas 500 Plätze für U3 und Ü3 fehlen werden. Diese Zahlen fallen jetzt niedriger aus als gedacht, weil sich die Defizite bis zum Saisonstart erfahrungsgemäß reduzieren. Nach Anmeldungen wären es laut Fachbereichsleiterin Bildung und Familie, Renate Schmetz, sonst 130 fehlende Ü3-Plätze gewesen.

Am schwersten von den Defiziten bei Ü3 betroffen sind die Stadtteile Grünbühl, das Schlösslesfeld und Neckarweihingen. Hier liegt die Versorgungsquote unter 95 Prozent. Die angestrebte Deckungsquote von 105 Prozent (siehe unten rechts) erreichen nur Poppenweiler und Eglosheim, der Rest liegt zwischen 95 und 105 Prozent. Bei U3 erreichen Grünbühl, Oßweil und Hoheneck lediglich 32 Prozent Deckung, die angestrebten 42 Prozent Deckung aber nur ein Quartier: die Innenstadt.

Während es bei U3 über die kommenden 20 Jahre laut Prognose beim Defizit (also unter 45 Prozent Deckung) bleibt, hofft die Stadt, zumindest bei den über Dreijährigen schnell von dem gewaltigen Minus runterzukommen. Sechs Kitas wurden dieses Jahr neu eröffnet oder stehen kurz davor, so im Oktober auch die Kita beim Landratsamt, wo zehn Plätze für Ludwigsburger Kinder reserviert sind. Für die neue Kita im Brahmsweg – die bis 2022 zunächst die Kinder von St. Paulus aufnimmt, so lange diese Kita saniert wird – fand am gestrigen Mittwoch der Spatenstich statt. Geplant sind weiter eine Kita in Grünbühl im neuen Wohngebiet Grünbühl.living (2022) und eine Kita im Projekt Jägerhofkaserne (2023).

„Lücke zwischen Angebot und Bedarf“

In Bezug auf die Prognosezahlen hoffte CDU-Rat Claus-Dieter Meyer, dass „diese zur Deckung kommen“, wie er sagte und die Neubaumaßnahmen einberechnet würden, die Kinder bringen. „Der Bedarf ist da.“ Dies beantwortete indirekt Gabriele Moersch (FW): „Wir haben über die Jahre richtig gelegen mit der Prognose.“ Der Druck sei so groß, dass man nicht nachlassen dürfe. „Wir rennen immer noch ein bisschen hinterher“, formulierte es Alexandra Metzger für die SPD, „es klafft eine Lücke zwischen Angebot und Bedarf“. Erster Bürgermeister Konrad Seigfried hatte im Pressegespräch gesagt, die Entwicklung „gebe jeder Investition in Kitas recht“. Auf die Frage, was Eltern ohne Platz machen sollten, sagte er: „Sie müssen sich anders versorgen.“

Zwar sinken die Geburtenzahlen seit dem Höhepunkt 2017 wieder, werden sich laut Stadt aber vom diesjährigen Stand (926) auf einem hohen Niveau von rund 900 einpendeln. Hinzu kommen etwa 100 auswärtige Kinder jährlich in den Kitas. Gründe für die Auslastung sind laut Stadt auch die Verschiebung des Einschulungsstichtags sowie die Inklusion, die zwei statt eines Platzes vorschreibt. Die Sanierung mehrerer Kitas stehen auf der Streichliste von 2019, bei anderen hat sich der Baubeginn verschoben. Laut Renate Schmetz bekommen die von Corona gebeutelten Eltern derzeit alle ein Angebot, allerdings sind in 16 Kitas die Betreuungszeiten eingeschränkt.

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