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Propaganda mit rotem Kennzeichen

Wie die Möglinger Feuerwehr einen Oldtimer einsetzt, um vor dem Bürgerentscheid für ihr neues Domizil zu werben.

Ein altes Feuerwehrauto parkt ohne Nummernschild vor dem Möglinger Rathaus: Mit dem Fahrzeug machen die Rettungskräfte vor dem Bürgerentscheid am 12. Dezember Werbung in eigener Sache – an wechselnden Standorten. Foto: privat
Ein altes Feuerwehrauto parkt ohne Nummernschild vor dem Möglinger Rathaus: Mit dem Fahrzeug machen die Rettungskräfte vor dem Bürgerentscheid am 12. Dezember Werbung in eigener Sache – an wechselnden Standorten. Foto: privat

Möglingen. Der ehemalige Möglinger Bürgermeister Eberhard Weigele hat ein Herz für Oldtimer. Wenn er sich von der Kreispolitik, die er als Freier Wähler mitgestaltet, oder von seinem Job als Geschäftsführer der Pleidelsheimer Paulus-Projektentwicklung erholt, schraubt er an alten Fahrzeugen herum. Als Schultes rettete er vor Jahren ein ausrangiertes Feuerwehrauto vor dem Schrottplatz, das er auf dem Gebrauchtwagenmarkt nicht mehr zu Geld für die Gemeinde machen konnte. In einer Scheune der Kommune wurde für den alten Hobel ein Parkplatz eingerichtet.

Doch jetzt ist der Oldtimer zurück im Möglinger Straßenbild – als Propagandafahrzeug der örtlichen Feuerwehr. Am 12. Dezember steht in der Gemeinde bekanntlich ein Bürgerentscheid auf dem Programm, ob die Feuerwehr einen mehr als sieben Millionen Euro teuren Neubau im Langen Feld an der Straße nach Stammheim bekommen soll. Weigeles Nachfolgerin Rebecca Schwaderer, die große Mehrheit im Gemeinderat und die Rettungskräfte treten dafür ein, eine Bürgerinitiative will den Umzug aus der Ortsmitte auf den Acker verhindern.

Das Feuerwehrauto steuerte in den vergangenen Wochen nun die alte Möglinger Mühle an, später die Stadionhalle, den Edeka oder das Rathaus – um Werbung für ein Nein beim Bürgerentscheid zu machen. Denn das würde bedeuten, dass die Gemeinde Möglingen einem Landwirt ein Grundstück im Langen Feld für einen mittleren sechsstelligen Betrag abkaufen und die Aussiedlung der Feuerwehr umsetzen könnte.

Die rote Wahlkampfmaschine auf vier Rädern ärgert in Möglingen nicht nur die Bürgerinitiative, sondern auch den einen oder anderen Einwohner. „Aufmerksame Beobachter werden erkennen, dass das Fahrzeug keinerlei Zulassung und schon rein optisch keine Tüv-Zulassung besitzt“, schreibt einer, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Tatsächlich sind die Frontscheibe und die Seiten von oben bis unten mit den Thesen der Einsatzkräfte zugekleistert.

Fünf Pro-Argumente für den Standort im Langen Feld listet die Feuerwehr auf: Bei einem Umzug könne die Ortsmitte neu entwickelt werden, die Floriansjünger würden eine moderne neue Heimat bekommen, das Zentrum würde vom Verkehr entlastet werden – und Geldzuschüsse stünden jetzt zur Verfügung. Außerdem seien die Retter auch abseits vom Schuss schnell am Einsatzort.

Unser Leser stellt sich nun die Frage, wie dieses Fahrzeug ohne Zulassung und mit vollgeklebter Frontscheibe ständig den Standort wechseln kann – und wie die Versicherungslage ist. „Ein normaler Bürger würde sicherlich strengstens bestraft werden, wenn er so am Straßenverkehr teilnimmt“, schreibt er in einer E-Mail an unsere Zeitung. „Von Umweltschutzfragen ganz zu schweigen.“

Im Möglinger Rathaus winkt die Bürgermeisterin ab. „Wir haben die Rechtmäßigkeit geprüft“, sagt Rebecca Schwaderer auf Nachfrage. Bevor sich das alte Feuerwehrauto auf den Weg macht, bekommt es ein rotes Kennzeichen, das auch Oldtimern zugeordnet werden kann. „Außerdem benutzt es nur private Stellflächen“, so die Rathauschefin.

Praktischerweise weist die Feuerwehr auch auf ihre Tage des offenen Feuerwehrhauses hin, die am 7. und 11. Dezember stattfinden. Ein erster Termin ging bereits am Donnerstag über die Bühne – pünktlich vor dem Bürgerentscheid.

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