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Prozess: Tausende Kinderpornos gesammelt

Zwei Jahre Haft auf Bewährung hat ein Mann aus Ludwigsburg wegen Besitzes von Kinderpornos erhalten. Die Polizei hatte bei ihm mehr als 4000 kinder- und jugendpornografische Dateien sichergestellt. Vor Gericht zeigt er sich reuig und beteuert, nicht pädophil zu sein.

Ein Fahnder der Polizei sitzt vor einem Bildschirm mit Kinderpornos (Symbolbild).Archivfoto: dpa
Ein Fahnder der Polizei sitzt vor einem Bildschirm mit Kinderpornos (Symbolbild). Foto: dpa

Ludwigsburg. Die Staatsanwältin ist erfahren und hat schon einiges erlebt. Aber am Montag, vor dem Ludwigsburger Amtsgericht, merkt man ihr an, wie schwer es fällt, die minutenlange Anklageschrift zu verlesen. Auf einige der über 4000 bei dem Mann gefundenen Foto- und Videodateien geht sie im Detail ein.

Worte reichen nicht aus, um zu beschreiben, was den Kindern, die auf diesen Bildern zu sehen sind, angetan wird. Unter anderem geht es laut der Staatsanwältin um Mädchen zwischen drei und sechs Jahren, die auf alle erdenklichen Arten vergewaltigt, geschändet und sexuell missbraucht werden. Das körperliche und seelische Leid, das diesen Kindern zugefügt wird, ist unermesslich.

Auf der Anklagebank sitzt kein millionenschwerer Ex-Fußballer wie Christoph Metzelder, sondern das ziemliche Gegenteil davon. Ein Mittdreißiger aus Ludwigsburg mit hoher Stirnglatze und dem Kleidungsstil eines betagten Rentners. Wenigstens redet der Mann nach der Anklageverlesung nicht lange um den heißen Brei. „Ich gebe es zu. Es tut mir leid“, sind seine ersten beiden Sätze. Und der dritte: „Ich bin kein Pädophiler.“ Auf keinen Fall würde er Kindern so etwas antun. Es gebe eigentlich keine Worte dafür, was auf den über 4000 Dateien, die die Polizei 2019 auf 18 Datenträgern in seiner Wohnung beschlagnahmt hat, zu sehen ist, findet er. „Leute, die so etwas tun, müssten gejagt und getötet werden“, sagt der Mann.

Wenn das seine Meinung ist, warum hat er dann alle diese Dateien besessen, will die Richterin von ihm wissen. Hier folgt nun eine Erklärung, die sich Richter und Staatsanwälte immer häufiger anhören müssen, wenn es um den Besitz von Kinderpornografie geht. Da er seit Jahren pornografisches Material zu allerlei sexuellen Abarten und Perversionen aus dem Internet, teilweise auch dem Darknet, in großen Datenpaketen heruntergeladen habe, sei er irgendwann auch an die Kinderpornos gekommen. Er habe sich das aber nicht alles angeschaut.

„Hatten Sie schon sexuelle Fantasien mit Kindern“, fragt ihn die Staatsanwältin. „Nein“ beteuert der Mann. In seiner Sammlung gebe es vieles, was ihn in sexueller Hinsicht nicht interessiere. Da er laut seinem Anwalt über die Krankenkasse bisher keinen Therapieplatz bekommen hat, befindet sich der Angeklagte seit zwei Monaten bei einem Privatarzt in psychotherapeutischer Behandlung. Von diesem hat er auch ein Gutachten mit ins Gericht gebracht. Demnach ist er depressiv und leidet dazu unter sozialen Störungen, ein normales Sozialleben sei ihm dadurch bisher nicht gelungen. Er komme aus schwierigen Verhältnissen, wohne noch bei seiner Mutter, um die er sich auch kümmern muss. Insgesamt sieht der Arzt aber eine harmlose Persönlichkeit mit guter Prognose in dem Ludwigsburger. Schon bei der ersten Sitzung habe er ihm ein Antidepressivum verschrieben.

Aufgrund dieses Gutachtens, seines Schuldeingeständnisses und der bisherigen Straflosigkeit fordert die Staatsanwältin am Ende zwei Jahre Haft, die zu einer vierjährigen Bewährungszeit ausgesetzt werden könnten. Außerdem soll er bei dem Arzt mindestens 40 Therapiestunden nehmen. Zudem empfiehlt die Staatsanwältin, dem Mann einen Bewährungshelfer zur Seite zu stellen.

In seinem Schlusswort entschuldigt sich der Angeklagte erneut. „Ich werde so etwas nie wieder machen.“

Die Richterin folgt in ihrem Urteil der Staatsanwältin. Von einer Geldstrafe, wie in solchen Fällen üblich, sieht sie zunächst ab. Der Mann, der als eine Art Hilfshandwerker nur ein geringes Nettoeinkommen nach Hause bringt, bezahlt momentan für seine wöchentlichen Therapiesitzungen fast 600 Euro pro Monat aus eigener Tasche. Sollte er auf einen kassenärztlichen Platz wechseln, wird die Geldstrafe aber noch folgen.

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