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Prozess um Brandanschläge beginnt

42-Jähriger muss sich wegen versuchten Mordes verantworten – 25 Zeugen geladen

Marbach/Heilbronn. Vor dem Landgericht Heilbronn beginnt am kommenden Montag der Prozess gegen den 42-Jährigen, der am 3. Oktober in der Marbacher Altstadt mehrere Feuer gelegt hat. Die Anklage lautet unter anderem auf versuchten Mord.

Offenbar geht die 1. Schwurgerichtskammer am Landgericht Heilbronn nicht davon aus, dass sich das Geschehen in der Nacht zum 3. Oktober 2020 schnell erhellen lässt: Es sind zehn Verhandlungstage angesetzt, die Urteilsverkündung ist für Ende Juni geplant. Die Kammer hat 25 Zeugen sowie zwei Sachverständige geladen.

Die dem Angeklagten zur Last gelegten Taten haben im vergangenen Herbst weit über Marbach hinaus für Aufsehen gesorgt: Die Staatsanwaltschaft wirft dem 42-Jährigen vor, ab 3 Uhr nachts Benzin in seiner Wohnung in der Niklastorstraße verteilt und es angezündet zu haben. Das hierdurch entstandene und nicht mehr beherrschbare Feuer habe auf Nachbarwohnungen im gleichen Haus übergegriffen, in denen insgesamt vier Menschen schliefen.

Der Angeklagte habe zumindest billigend in Kauf genommen, dass das von ihm gelegte Feuer nicht nur das gesamte Wohnhaus niederbrennt, sondern auch den Tod der Nachbarn herbeiführt, so die Anklageschrift weiter. Die Nachbarn hätten nur überlebt, weil zwei Passanten Alarm geschlagen und sie damit geweckt hätten. Diese beiden Passanten gingen sogar in das brennende Gebäude hinein und erlitten dabei Rauchgasvergiftungen.

Den Schaden an dem Wohnhaus beziffert die Staatsanwaltschaft mit mindestens 200000 Euro. Doch diese Brandstiftung mitten in der Altstadt ist nicht die einzige Tat, für die sich der Marbacher verantworten muss. Der laut Staatsanwaltschaft mit einem Teleskopschlagstock bewaffnete Angeklagte soll außerdem Molotowcocktails gegen die Eingangstüren der evangelischen Stadtkirche in direkter Nachbarschaft des Wohnhauses und das Polizeirevier in der Steinerstraße geworfen haben. Dabei sei ein weiterer Schaden in Höhe von insgesamt 15000 Euro entstanden.

Im Polizeirevier waren Beamte im Dienst, zwei von ihnen trugen ebenfalls eine Rauchgasvergiftung davon. Auf zwei weitere Beamte habe der Angeklagte noch eine Glasflasche geworfen, sein Ziel jedoch knapp verfehlt. Den Polizisten gelang es schließlich, den mutmaßlichen Täter in der Grabenstraße festzunehmen. Der Angeklagte befindet sich seit dem Tattag in Untersuchungshaft.